was? sie kennen goumois nicht! dann ist es zeit, das nachzuholen. kommen sie mit auf die wanderungen in und um goumois!


oben und unten: die entscheidende dimension am canyon des doubs, in dem goumois liegt (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

die leute unten am doubs

der doubs fliesst weit unter uns gemächlich vor sich hin. er hat sich in den weissen kalkstein eine tiefe rinnen gegraben. einige hundert meter fällt der fels jetzt schon. doch aber anders als beim grand canyon ist das flusstal nicht von wüsten umgeben, sondern von kräftigen buchenwäldern.

hie und da entdeckt man im steilen hang von den freibergen hinunter an den doubs einzelne trampelpfade. wahrscheinlich stammen sie von den einheimischen wildschweinen. die schmeken ganz ordentlich. und unten, am doubs, hats stets ein paar fischer, die für einige forellen gut sind. man ist also versorgt, selbst wenn man ganz abseits ist.

„le doubs“ wird heute meist mit „schwarzes wasser“ übersetzt. das ist keltisch. der stamm der sequaner lebte vor 2500 jahren in dieser gegend. ob sie jedoch den wunderbaren flecken kannten, auf dem goumois heute steht, kann bezweifelt werden. kenner der deutung von ortsnamen halten goumois eher für germanisch. godemod könnte der sippenführer geheissen haben, der im 5. jahrhundert während der völkerwanderung mit den burgunden in die gebiete südöstlich des juras verfrachtet wurde und sich danach, ruhe am eigenen platz suchend, im doubstal mitten im jura niedergelassen hätte.

die herrschaften ganz oben

der aufstieg von goumois aus dem canyon nach westen in einfacher als nach osten. so dürfte man sich lange eher auf diese seite hin orientiert haben. die anfänge der herrschaftlichen hoheiten über die leute von goumois bestätigen das: im 12. jahrhundert, man gehörte zur pereipherie des reiches, indem sich der papst und der kaiser seit 100 jahren stritten, begann man jeden flecken einem edlen der einen oder andern partei zuzuschreiben. goumois hatte eine kleine kirche und kam zum päpstlichen priorat lanthenans, oben auf der ebene, die im grossen bogen des doubs‘ durch die langgezogene schleife des unschlüssigen flusses gebildet wird.

man wanderte jetzt gut 60 kilometer weit, wenn man aus goumois stammte und etwas wichtige mit der obrigkeit zu besprechen hatte.

als die imperiale macht mitte des 13. jahrhunderts ganz zerfiel, spielten sich verschiedene weltliche herrscher auf. auch in goumois, unten im canyon des doubs! als erste kamen die grafen von montbéliard, 40 kilometer wanderwege entfernt; dann machte sich der deutsche könig rudolf von habsburg breit. jeder flussübergang interessiert ihn, auch wenn er, stets in sachen wiederherstellung des reiches mit dem pferd unterwegs, für den wanderer aus goumois unerreichbar blieb. schliesslich gelang es dem seignieur von montfaucon bei besançon 1301 die oberhoheit über weite teile des gebietes im grossen doubs-bogen zu gewinnen. und er sollte sie lange behalten können.

für die bauern von goumois hiess das, rund 90 kilometer zu fuss zu gehen, um die burgundischen herrschaften mal von nahem zu sehen.


der doubs, das schwarze wasser, ist seit jeher die lebensader in der region (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

französisch-katholisch vs. deutsch-lutheranisch

1474 wurden die verhältnisse noch komplizierter. es mischte sich der basler bischof ein, der mit den herzögen von burgund und ihren vögten im krieg lag, und er besetzte in der flurbereingung vor der eigentlichen schlacht unter anderem den flussübergang in goumois. damit begann die bipolarisierung des ortes. die ansprüche kamen nun von westen und osten.

doch die reformation setzte ihm nur 50 jahre danach arg zu. die bürger von basel vertrieben ihn; in porrentruy fasste er zwar wieder fuss, doch sein einfluss war an vielen orten verschwunden. auch die leute von goumois wandten sich von ihm ab und dem grafen von montbéliard wieder zu. die wegstrecke kannte sie, selbst wenn sie jetz, einer heirat wegen, wieder durch habsburgische territorien führte.

das grafengeschlecht von montbéliard starb in der manneslinie jedoch bald aus; und so kam man auch in goumois durch die hintertüre in deutsche hände: selbst in der kleinen kirche am doubs betete man im 17. jahrhundert so, wie es seinerzeit martin luther in wittenberg getan hatte.

nach dem dreissig jährigen krieg war damit jedoch schon wieder fertig. frankreich wurde von louis XIV. beherrscht und rückte nach osten nach westen; der basler bischof erinnerte sich seiner alten rechte in goumois. das gebet, unten im canyon, fand jetzt wieder nach der sitte der römisch-katholischen kirche – und auf französisch – statt. wer daran etwas auszusetzen hatte, musste sich jedoch entscheiden, um entweder nach porrentruy zu wandern, zum basel bischof im exil, oder nach mömpelgard zu gehen, wie man montbéliard nun nannte. eines wusste man aber schon im voraus: beide fürsten verstanden sich sprachlich und religiös nicht, was selbst für sie vorteile hatten; beide konnten ungehindert bis am vorabend der französischen revolution rechte in goumois geltend machen.

paris et le mont terrible

1792 wurde der franzosenkönig in paris exekutiert. in goumois entschied man sich, sich der neuen rauracischen republic beizutreten. das kürzte die wanderwege ab. doch den revolutionären im fernen paris war das nicht genehm. die kleinstrepublik im jura wurde in die grande nation integriert, vorerst als département du mont terrible, als die verrrückte bergwelt.

wanderer-treffpunkt war jetzt wieder porrentruy, wenn auch nicht mehr bei abgesetzten fürstbischof, sondern beim präfekten, der mit der tricolore bekleidet war.

allerdings wurde der schon 1800 in den ruhestand entlassen, und durch seinen compagnon in colmar ersetzt. man zählte nun zum département du haut-rhin.

der wanderweg dorthin war unendlich lang …


die brücke in goumois: sie verbindet die dorfhälften, die zu verschiedenen staaten gehören (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

die teilung auf dem wiener kongress

das problem der zuordnung von goumois beschäftigte sogar den wiener kongress. der teilte goumois brutal in zwei hälften!

die brücke von goumois verband jetzt nicht mehr nur die verwandten. sie trennte die franzosen von den schweizern in goumois. links des doubs sollte man sich an besnaçon halten, rechts an bern.

letzteres war schlimm. denn dort sprach man deutsch, und man war reformiert, – wie seinerzeit in mömpelgard. grosse wanderscharen zog das nicht an!

1830, als das ancien régime in bern kapitulierte, reagierte man in goumois promt: man beantragte beim neuen liberalen regime, nach frankreich in die richtige messe gehen zu dürfen.

die wanderung in die freiberge, in die kirche von les pommerats, war ganz offensichtlich zu streng.

die neuen machthaber stimmten zu, sofern die kinder der leute von goumois auf der franzosenseite in die bernische schule gehen würden!

einfach genug von allem!

1979 war man in goumois, schweizerseitig, klar der meinung, es sei besser, einen eigenen kanton, den des juras, zu gründen. franzosenseitig war gehörte die mairie zum département du doubs. und in diesem sommer 2007 stimmte man dort knapp für sarkozy, statt für royal, während der urnengang vom 27. juni 2007 auf der anderen seite des doubs für schlagzeilen sorgte.

nun ist man in goumois genug herumgewandert, um anschluss zu haben. man löste die sich als selbständige gemeinde ganz einfach auf. inskünftig will man mit dem auto nach saignelégier fahren.


fisch-restaurant le theusseret, ein paar schritte ausserhalb des dorfes goumois (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

mein goumois

ich selber war am 27. september 1992 zum ersten mal in beiden goumois. es war abstimmungssonntag, – der letzte, an dem ich nicht arbeiten musste. deshalb weiss ich das noch so genau. und wegen dem netten zöllner laurent. mit seinem képi erwartete er uns auf der französischen seite der brücke von goumois, – mitten im dorf quasi. auf der schweizerischen seite hatten wir, angesichts der zustimmung der schweiz zur neat, eins über den durst gefeiert. doch niemand wusste rat, als wir in goumois (ch) nach einer bleibe fragten. auf monsieur laurent war indess verlass. der telefonierte kurz, wohl seinem cousin, in die benachbarte schweiz. nur 100 meter von uns entfernt, in den lokalitäten des schweizerischen zivilischutzes erhielten wir eine riesige bleibe.

ich sage nur: hier unten interessierte sich wohl nie jemand für die herrschaften da oben. hier unten fischt man gerne im doubs. den gibts zum beispiel ins restaurant le theusseret, einige schritte ausserhalb der bemerkenswerten alt-burgundischen siedlung. bei sonnenschein kann im genannten restaurant sogar draussen sitzen und den grand canyon von unten her studieren. und wenns kühl sein sollte, werden sie drinnen erst noch schneller bedient!

sie sollten es nicht auslassen, dieses spezielle goumois in der verrückten bergwelt!

stadtwanderer

ein schöner wandervorschlag in der doubs-gegend.


Comments

2 Comments so far

  1. Adrian A. on August 18, 2007 17:48

    Ist das nicht alles ein wenig übertrieben? die TYPEN, die Du beschreibst, waren doch nie in dem Kaff!

  2. stadtwanderer on August 18, 2007 20:46

    hoppla, von kaff würde ich nicht reden. goumois ist ein sympathisches dorf.
    auch wenn nicht jeder machthaber direkte in goumois war: der kampf um den ort am doubs, auf einer weiten wegstrecke des flusses die einzige etwas grössere, feste menschliche siedlung, zeigt, wie wichtig übergänge über flüsse waren. besondern im strategisch wichtigen übergangsgebiete und unter einbezug des canyons, in den sich der doubs im kalkstein eingefressen hat, war das, als man sich nur zu land und zu wasser fortbewegen konnte, nicht unwesentlich.
    respekt, vor der zeit und vor dem ort, Herr Adrian A.!

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