es geht ein gerücht um in bern. der stadtwanderer, heisst es, habe ein angebot bekommen, nach zürich zu gehen. er soll sich mit freundInnen beraten haben, ob er das annehmen solle oder nicht. zuerst hätten die argumente dagegen überwogen, doch dann sei er umgestimmt worden.

uiuiui, wenn das nur gut kommt!

er sei zum ehrengast der zürcher zunft witikon ernannt worden. am 14. april des kommenden jahres sei es soweit. er habe sich im zürcher hotel schweizerhof einzufinden, um 10 uhr 15. einen dunklen anzug müsse er tragen, ein weisses hemd dazu, und eine silbergraue krawatte.

denn es sei sechseläuten!

die krawatte würde ihm schon mal fast den hals umdrehen, bezweifle er seinen entscheid. aber er werde mit dem vorsteher der zunft verhandeln. das sein ein graf, was ihn zuversichtlich stimme. er werde argumentieren, silbergrau ginge ja schon, aber eine krawatte, das sei schon schwierig …

immerhin, habe er gesagt, sei die zunft witikon die jüngste unter den zürcher zünften. das lasse hoffen. entstanden sei sie, als witikon 1934 in zürich eingemeindet worden sei. das alte gemeinde- resp. quartierwappen diene der zunft bis heute als symbol.

die junge zunft wolle noch etwas lernen, erzählt man sich weiter. deshalb werde der stadtwanderer am sechseleuten eine kurze ansprache an die zünfter halten. das thema sei frei, jedoch seien firmenwerbungen ausgeschlossen, partei-statements auch. vielmehr solle die rede fröhlich und humorvoll sein.

dass es diese zunft gibt, habe allerdings nichts mit sauglattismus zu tun, sagt er. vielmehr erinnere sie an den untergang des alten zürich, als die napoléonischen truppen die patrizier auch da stürzten. witikon, seit den alten pestzeiten dem zürcher grossmünster zehntpflichtig, wurde damals zur selbständigen gemeinde. doch die ruhe dauerte nicht lange. 1799 fanden zwischen schlachten auf dem boden vonn witikon statt, bei denen sich österreicher und russen den franzosen gegenüberstanden. selbst niklaus von steiger, der letzte berner schultheiss§ habe da auf österreichischer seite gekämpft.

den ausschlag zu gehen, habe die verbindung der zunft mit den franzosen gegeben. die reiter der zunft würden die uniformen der husaren tragen und die repräsentationsgarde jene des helvetischen direktoriums, das von 1798 bis 1803 von aarau, luzern, bern und schliesslich von lausanne aus, die französische revolution in der schweiz von oben herab durchsetzen wollte.

tja, munkelt man, das habe sich der stadtwanderer nicht entgehen lassen wollen … und der abstecher sei ja auch nur für einen tag. um 1 uhr am anderen morgen sei schluss. dann werde der stadtwanderer, hört man, nach bern zurückwandern.

immerhin, er scheint seine stadt nicht für immer zu verlassen!

die gerüchteküche des stadtwanderers


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