hans kaufmann, investor bei der „weltwoche“, zürcher durch und durch respektive svp-nationalrat, ist gar nicht zufrieden. 29 prozent der wählenden für seine partei seien klar zu wenig, gibt er mir zu verstehen. „klar, die krawalle in bern haben geholfen. aber erst wenn wir die mehrheit im ganzen lande haben, sind wir zufrieden“, schliesst er seinen ausblick auf die kommende wahlgeschichte. jetzt sei erst einmal der grosse personalwechsel in den eigenen reihen angesagt. maurer, der parteipräsident gehe, und rutz der generalsekretär auch. „wohin?“, will ich wissen. mein gegenüber zuckt, wie wenn er ahnungslos wäre. „zur ubs“, munkle man, füge ich bei. der banker neben mir wird hellhörig. „ja, seine frau arbeite auch dort!“ das „auch“ habe ich memoriert.


residenz des österreichischen botschafters in der schweiz, wo am 26. oktober traditionellerweise der empfang zum geburtstag der republik stattfindet (foto: stadtwanderer)

der wiedergewählte politiker reiht sich in die schlange ein, die einlass in die österreichische botschaft begehrt. für sie es wie der erster august heute. da geht man gerne auf einen sprung zum freundlichen nachbarn. wie immer, ist auch der stadtwanderer eingeladen, dem vertreter der alpenrepublik die aufwartung zu machen. wie immer geht er zu diesem anlass nicht alleine. er will gemeinsam mit seiner lebenspartnerin von hans manz, dem neuen stellvertreter österreichs in der schweiz, begrüsst werden. also wartet er ein wenig, und hat erfolg. busserl.

doch da kommt unübersehbar auch beppo weibel mit seiner partnerin hinzu. an sich und auch auf diesem blog ist er kein unbekannter. „mister sbb“ war er mal, „mister euro“ ist er nun. da kann man nicht fehlen, wenn österreich in der schweiz feiert. wir begrüssen uns schlangestehend freundlich: ich weiss, jetzt kommt der kräftige händedruck. wir stellen uns unsere partnerinnen vor, und ich hoffe, der handshake ist vorsichtig genug.

benedikt lässt keine sekunde aus; sofort ist er beim wahlthema. spannend sei es gewesen, am sonntag, sagt er. „ja, das kann man auch so sagen“, erwidere ich. doch mein gegenüber geht gleich in die offensive: er habe erstmals rational gewählt. gut gesagt, denk ich mir. er sei total fan von smartvote. ich nicke zustimmend. die ganze familie habe bei ihnen schlau gewählt. ich hoffe, ich auch. die höchste übereinstimmung habe er mit einer jungfreisinnigen frau aus dem solothurnischen gehabt. uuiiii, wenn er sie auch wirklich gewählt hat, hat er von einen wahlverlierer zum andern gewechselt!, will ich sagen …

noch bevor wir das geklärt haben, lässt der gewandte manager aus dem nachbarkanton mir und meiner partnerin der vortritt. wir seien zuerst angestanden. und deshalb dürfen wir auch zuerst „grüssgott“ beim neuen botschafter und bei seinem bewährten sekretär, dem herrn desser sagen.

das schlangestehen ist nun vorbei. kaum haben wir ein glas weisswein in der hand, um mit der zahlreich anwesenden gästeschar aus halb europa auf die staatsgründung österreichs anzustossen, kommt schon der nächste strahlende wahlsieger aus der schweiz auf uns zu. es ist bruno frick, der cvp-vize und ständerat aus schwyz. ich gratuliere, kann das necken aber auch hier nicht lassen: einfach sei es ja nicht gewesen, leg ich mal vor. „ja, ein paar rosendornen mehr als sonst habe es diesmal gehabt. doch selbst im rosenkrieg schafft es fricks cvp, in schwyz spitze zu bleiben. der negativtrend sei gebrochen, frohlockt der innerschweizer standesherr, als wäre er noch bei seinem grossen auftritt am sonntag abend. „überall?“, will ich ich wissen. „nein“, bekomme ich zurück, und ich merke: eine weiterer wahlsieger steht vor mir, der nicht zufrieden ist.

nur die fdp sichte ich heute in der austrian ambassy gar nicht. sie ist ja ein fast zufriedener wahlverlierer. virtuell ist die partei schon mal auf dem aufstieg. auf dem weg zum empfang habe ich den fdp-pressedienst durchstöbert. da wird das wahlergebnis der partei eigenmächtig von 15.6 auf 16.0 prozent korrigiert. denn gesamtschweizerische 4 promille hätte die partei in nidwalden gemacht, wenn es keine stillen wahlen gegeben hätte. die hat sie allerdings selber provoziert. ob soviel zahlenjonglierei mache ich mir gedanken, wie ich inskünftig, bei meinen wahlgrafiken, den gesamtwähleranteil darstellen soll. denn der steigt wohl auch von 100 auf 100,4 prozent. ich merke, das thema verfolgt mich!

„meer wei ned grüble“, sagt hansruedi moser, der informationschef der bundeskanzlei, als ich ihn auf die probleme mit dem amtlichen wahlergebnis und den neuen kommastellen anspreche. um gleich das thema zu wechseln: „weisst du, umfragepapst, dass der wirkliche papst jetzt eine e-mail adresse hat?“ da bin ich bass erstaunt, und ich verneine, aufrichtig wie ich bin. „urbi@orbi“, grinst mein gesprächspartner. da muss auch ich lachen.

weniger leute als auch schon, hat es heute. aber fast zu viele, damit alle in der österreichischen residenz platz finden. deshalb gehen wir ein paar schritte hinaus in den wunderbaren garten der von der kirchenfeldstrasse richtung wald gibt. wir sind zu viert! und auf dem letzten buffetteller hat es noch fünf küchlein. „nehmen sie je eines“, sagt uns die freundliche dame von der bedienung. wir gehorchen artig, doch es bleibt ein verschämtes teigtätschli zurück.

gar nicht verschämt ist dafür thomas fuchs, der junge svp-ler aus bern. es scheint ihm zu gefallen, in den räumen, wo schon mal zwischen der schweiz und der eu gesprochen wird. ob er sich vom 6. oktober 2007 erholt habe, frage ich ihn. „klar“, kommt die antwort daher. „und vom wahlergebnis?“, hacke ich nach. da wird die antwort schon etwas weniger klar. ich merke, es fuchst den fuchs, wegen 250 stimmen nicht-nationalrat zu sein. „bei 70.000 stimmen, die ich schon mal habe“, fügt er aus der warteposition bei. er wirds schon noch werden, versichere ich ihm!

wir verabschieden uns von unseren zuvorkommenden gastgebern. sie waren, wie immer, reizend. und wir schweizer haben uns, wie immer, vor allem mit uns selber unterhalten! doch damit soll jetzt schluss sein, und mit meinen exkursen in die gegenwartspolitik auch …

… denn ab morgen bin ich wieder der gewohnte

stadtwanderer


foto: stadtwanderer

ps:
als zeichen, dass ich wieder meinen alten spuren nachgehen werde, bin ich anschliessend mit meiner lebenspartnerin im frohegg das beste wiener schnitzer essen gegangen, das man am 26. oktober in bern bekommt.

ps2:
mein bericht vom besuch 2006


Comments

3 Comments so far

  1. Der Spaziergänger on Februar 28, 2008 13:07

    Ja, den Kaufmanns gefällt´s mittlerweile in Wien so gut, dass sie sich dort auch gleich ein Mietshaus von der österreichischen Verwandtschaft gekauft haben.
    Nur das österreichische Mietrecht hat halt so, aus der Sicht eines Investors, seine Tücken. Da gibt es doch glatt Bestimmungen die die Mieter besonders vor Eingriffen in bestehende Verträge schützen….

  2. stadtwanderer @ spaziergänger on Februar 28, 2008 20:08

    schön, sie kennen zu lernen, ich liebe wien, und gehe regelmässig seit 20 jahren.
    doch um welche "kaufleute" handelt es sich bei ihnen ?

  3. erari on November 30, 2009 16:07

    um oben beschriebenen Kaufmann.

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