wild leben

Oktober 31, 2007 | Leave a Comment

man kennt ihn, matthias zurbrügg, zwischenzeitlich in berns gassen. denn seit längerem begeistert er als simon, dem sohn des scharfrichters, die freunde der stadt als schauspielerbühne. jetzt wagt er eine fortsetzung: diesmal hat er sich berns botanischen garten als plattform ausgesucht, um sein ein-mann-theater aufzuführen, das uns erneut in vergessene geschichte einführt.

von echten und falschen wilden

“wild” heisst das neue stadt-theater-stück, das gestern premiere feierte. wild ist die metapher, die in diesem stück für ursprünglich, natürlich und echt steht. bero, der geschichtenerzähler, ist denn auch der held des abends. kornelius wiederum ist der antiheld. er steht für das finale, das künstliche und das falsche, das den ganzen abend bero, der ihm d i e geschichte erzählen soll, sucht. doch bero ist nie da, wo kornelius ihn erwartet, denn bero ist frei. und so erzählt er auch nie das, was der gefangene von ihm hören möchte. denn er ist wild. und dazu gehört, dass man an diesem abend genauso wenig weiss, von bero eigentlich kommt, noch erfährt, wohin er wirklich geht.


wild auf feuer, eine szene aus dem neuen stadt-theater im botanischen garten (foto: barbara käser/mes:arts)

der botanische garten als paradies

dafür weiss matthias zurbrügg, der beide charaktere in schneller folge abwechselnd spielt, wohin er will. das publikum, das er beim wild gebliebenen meret oppenheim brunnen empfängt, führt er, mit laternen bestückt flotten schritts an die aare, und begleitet es von selbst gespielten flötentönen begleitet in sein berner paradies.

unterwegs kommt in diesem freilufttheater mit wandercharakter fast jeder mythos unserer kultur einmal vor: die heilige verena, die das keltische volk an der aare inspiriert, der einfache hirte, der auf der blümlisalp weidet, s’vrenli, die in ihrem kräutergarten den liebestrank braut, das blumenkind, das auf der suche nach dem ewigen gold zu viel kohle kommt, und der historiker wilhelm öchsli, der im auftrag der politik den bundesbrief zur staatsgründung hochstilisiert.

stärken und schwächen des stückes

am stärksten ist der wilde schauspieler aber, wenn e r , ausgerechnet!, in die rolle weissen frau schlüpft, die aus dem nebel aufsteigt, sich im dunkel der nacht auf den boden setzt, ein feuer anmacht und ihre lebensweisheiten zu erzählen beginnt. der übergang vom herbst zum winter bewege die menschen seit jeher tief. die arbeit sei dann getan, die vorräte seien angelegt, und man stelle sich die frage, was jetzt noch komme: wird man den winter überleben, den frühling spriesen und den sommer wachsen sehen, um im herbst wieder ernten zu können? oder wird man das zeitliche verlassen, um sich mit seinen vorfahren zu vereinigen? was auch immer, nie ist man, wie in diesen tagen, dem leben und dem tod so nah, und genau daraus entstehen immer wieder von neuem die geschichten, die weisheit verbreiten.

doch dann wird gleich auch mächtig politisch im theaterstück. denn das ist die these aus der optik der alternativler: gegen die freiheit sind vor allem die, die herrschen wollen: die patriarchen, die imperatoren, die kirchenleute, die ritter, die patrizier und selbst die modernen politiker. in der verkürzung kann man auch fragezeichen machen an diesem abend!

wild hat eine klare botschaft: bero, dem bären, der am liebsten den botansichen garten erkundet, der mal im teich padelt, mal mit pflanzen spielt und mal mit um strohballen tanzt, soll man folgen. man soll sich nicht von den versuchungen des kornelius nicht verführen zu lassen. ganz genauso, wie es sich für eine wirkliche freies volk gehöre.

wagemutige einzelkämpferInnen für eine neues stadt-theater

wenn man matthias zurbrügg im stück von christina ahlborn aufgehen sieht, hat man den eindruck, dass da viel autobiografisches mitschwingt. denn schauspieler und autorin/regiesseurin wollen von ihrem eigenen theater, das berns strassen und gärten belebt, existieren können. einfach, vermutlich, aber genauso, wie es sich für wildgebliebene oder wiedergewordene gehört. dafür sind die beiden bereit, das ganze jahr, bei nacht und nebel, tag und sonne, wind und kälte, theater zu spielen. der anfang ist gemacht!

wärmender tee für alle, wärmendes fondue für die premiere-gäste

wer sich wegen dem wetter vor dem sagenhaften winterspaziergang fürchtet, der sei jetzt schon beruhigt: es gibt unterwegs heissen tee, gewürzt mit kräutern, deren namen so speziell sind, dass ich sie gleich wieder vergessen habe. ganz anders als die spannenden geschichten, die man dazu erzählt bekommt! und wer sich diese an der gestrigen premiere anhörte, wurde gar doppelt belohnt: sie oder er wurden am schluss der gartenschauspiels im lichtschein der botanischen spezialitäten berns höchst sympathisch zu einem fondue unter freiem himmel eingeladen! was für ein neuer mythos im berner stadt-theater!

auf jeden fall zog man da schon mal kräftig an den fäden, welche die so lebendigen symbole des freien volkes unverändert verbinden, um weitere freunde des neu entstehenden stadttheaters ins wilde leben der menschen in unserer region einzulullen!

gut rühren, war gestern abend angesagt. gut reden, gilt ab heute, wenn man wild auf “wild” geworden ist.

stadtwanderer

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Comments

No Comment

  1. farfalla on November 1, 2007 12:32

    Lieber Stadtwanderer
    Das ist aber eine sehr schöne und stimmige Besprechung, macht \\\"glustig\\\" auf diese Trouvaille! Hab Dank.
    Farfalla

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