grenzerfahrungen

Juli 8, 2008 | 5 Comments

überschreitet man die grenze zwischen der schweiz und einem eu-mitgliedsland, erwartet man fast automatisch schwierigkeiten. und siehe da: nichts davon! nimmt man dagegen die fähre von deutschland nach schweden, rechnet man mit einer innereuropäischen grenze, die aufgehoben worden ist. und siehe da: ebenfalls nichts davon!

karte-eu25.jpgeinkaufen in kiel, schleswig-holstein, deutschland, europäische union: „citti“ heisst der riesige supermarkt ausserhalb des stadtzentrums. alles gibt es, was das herz begehrt; und günstiger ist es erst noch, als die schwedische krone es zulässt. schnaps, wein und bier finden hier reissenden absatz. auch unsere aufmerksamkeit ist darauf konzentriert. vor allem auf das tschechische pilsner urquell in dosen, das man in schweden kaum kaufen kann.

doch die kasse im kieler „citti“ erweist sich unerwartet als komplizierte eu-binnengrenze: ein pilsner nimmt man nicht mit, wenn man von schleswig-holstein nach schweden (oder norwegen) geht, sondern exportiert es. das wiederum darf man traditionesgemäss nur, wenn man einen gültigen schwedischen (oder norwegischen) pass hat. dann gelten spezielle regelung fuer den ost- und nordseehandel. ohne das exklusive papier gelten diese jedoch nicht. sodass man kein tschechisches pilsner urquell exportieren darf.

weil es anders als auf allen bierdosen auf den pilsner büchsen kein pfand gibt, duerfen eu-passbesitzerInnen (und schweizerInnen) pilsner urquell-dosen nicht von deutschland nach schweden nehmen. denn fuer diese gilt der pfand-zwang. das erklärt uns nicht nur die etwas ungeduldige kassierin, sondern auch der eilends herbeizitierte filialleiter.

selbst das angebot, das pfand von 25 cent pro dose in schleswig-holstein direkt zu bezahlen, lehnt er mit erneutem hinweis auf das eu-recht ab. ohne schwedischen pass oder wenigstens fuehrerschein mit stempel aus stockholm gibt es einfach keine ausnahme!

wir folgern: nur das gute bier können wir mitnehmen, doch die dose rund herum duerfen wir nicht exportieren. so bleibt uns nur die wahl, die 48 dosen pilsner urquells an kasse des kieler citti auszutrinken, oder sie in schlewig-holstein einem schweden für den export von der eu in die eu zu überlassen – nach veraltetem ostseerecht.

echt, eine grenzerfahrung …

stadtwanderer


Comments

5 Comments so far

  1. Ate on Juli 8, 2008 23:29

    Und, habt ihr die 48 Dosen ausgetrunken?
    Erstaunlich Deine Erzählung.
    Aber nun werdet ihr in Schweden sein und sicher auch ein angenehmes Bier trinken können.

  2. rittiner & gomez on Juli 9, 2008 07:52

    wir hoffen sie haben die 48 nicht getrunken und können die ferien in schweden geniessen.

    was uns immer wieder auffällt, die menschen lieben grenzerfahrungen und sehr oft äussert sich diese vor der grenze als sinnliser kaufrausch.

  3. adelheid on Juli 9, 2008 08:27

    so schön, da darf der Amtsschimmel noch ausgiebig wiehern… prost;-)

  4. stadtwanderer on Juli 12, 2008 12:40

    meine lieben,
    besten dank fuer die guten ferienwuensche. natuerlich haben wir die 48 dosen nicht ausgetrunken (ausges…), sondern an der kasse demonstrativ stehen gelassen.
    pilsner gibts in schweden schon, nur nicht aus der dose, sondern aus dem glas.
    und nun wissen wir warum …
    in der tat sind wir angekommen, haben ein erstes mal ausgeschlafen, und sind am erkunden.
    freut euch!

  5. Raffnix on Dezember 13, 2009 01:03

    die Schweden verstossen da wohl gegen EU-Recht oder sogar gegen Menschenrecht?
    Und niemand sieht hin.

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