neueröffnung von schloss chillon: das lockt – auch mich!

300’000 gäste besuchen jährlich das herrschaftliche wahrzeichen am oberen genfersee. kein anderes historisches gebäude der schweiz kommt dauerhaft auf eine vergleichbare zahl an besucherInnen.

wem soll ich da noch etwas erzählen, dass er oder sie nicht schon gesehen hat? – ich weiss, ich versuchs dennoch.

zum beispiel die geschichte

„chillon“ stammt aus dem lokalen dialekt und meint „insel“. damit angesprochen wird die kleine insel, auf der das schloss steht. seit der bronzezeit ist sie besiedelt.

im 11. jahrhundert kommt die insel an den bischof von sitten, der mit der befestigung beginnt. im 12. jahrhundert bemächtigen sich die grafen von savoyen der strategisch wichtigen insel. sie gelten als die eigentlichen burgerbauer. im 16. jahrhundert geht das schloss dann an die republik bern, die das schloss vorübergehend als vogteisitz nutzt. 1798 setzt die waadtländer revolution dem ein ende; seit 1803 gehört das schloss dem kanton waadt. seit 2002 wurde es durch eine stiftung geführt.

ein wenig zeitgeistig ist das schon, wenn schlösser und wahrzeichen nicht mehr vom staat, sondern von stiftungen geführt werden.

zum beispiel die farben und formen

rot sind die fahnen, die das erscheinungsbild schlosses von heute prägen. das ist gut so, denn damit können sich sowohl die savoyer von nebenan identifizieren als auch die schweizer. das schloss selber war mal ganz in weiss. heute dominiert der unverputzte, braune stein. es muss schön gewesen sein, im innern eines weissen schlosses.

noch heute sieht man, wie man auch mit den form die herrschaftliche repräsentation ausdrückte: die innenhöfe, drei an der zahl, haben ihre diesbezügliche funktion: jener für die gäste, jener für den kastlan und jener für den herzog. der dritte hof wiederum ist so konzipiert, dass alles auf die schlafgemächer des schlossherrn gibt. wenn dieser seinerseits nach aussen schaut, kann er den grossen wehrtum nicht übersehen. das steigerte das machtdenken fast ins unendliche.

auch da kann man nur sagen: farben und formen werden gepflegt wie bei einer inszenierung einer modeschau.

zum beispiel das licht

vieles im schloss ist bis heute dunkel. uns meschen aus dem neonzeitalter fällt das sofort auf. man denkt in chillon unweigerlich an das dunkle mittelalter. gegensätze zwischen hell und dunkel entspringen auch aus dem oben und unten ganz unten ist der keller, gleichzeitig das gefängnis. es ist ganz dunkel – und sehr feucht. der see muss den gefangenen heftig an die nieren gegangen sein. das alleine war schon eine folter. dafür ist die aussicht auf dem burgfried herrlich. alles ist hell und trocken. der wind weht indessen stark, wenn man den kopf aus den kleinen fenstern streckt, um die herrliche see- und berglandschaft rund herum zu erkunden.

so gross, dass er selber auf den früher treppenlosen turm hinaufsteigen könnte, ist heute nur der orgelmann am eingang des schlosses. er sorgt für ein wenig stimmung unter den herbeiströmenden zuschauern. die kleinen japanerinnen und der grosse gaukler geben nochmals ein spektakel, dass an das mittelalter erinnert: wer oben war, war gott nah und führte hier wie anderswo ein erträgliches leben. wer unten war konnte nur staunen, wie schön es oben sein mochte.

da bleibt mir nur noch eine assoziation: schaue ich nochmals hinauf, auf das erhabene schloss chillon, bevor wir uns auf die weiterreise machen!

stadtwanderer


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