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jedes kind in bern lernt, dass die franzosen den bernern 1798 die bären abgenommen und nach paris verschleppt haben. es ist zeit, erwachsen zu werden, meine kinder! denn alles ist umgekehrt: die berner haben 1513 den franzosen den bären in novara abgenommen und nach bern verschleppt!


italien zu beginn der italienkriege der franzosen (1494)

der italienkrieg der franzosen

der französische krieg um italien folgte der aufteilung des burgundererbes zwischen kaiser und französischem könig. ausgelöst wurde er durch die doppelhochzeit der habsburger mit dem königshaus von aragon, der eine mächtigee erweiterung des kaiserreiches brachte. frankreich befand sich nun quasi im sandwich. nur eine erweiterung des einflussgebietes von nord nach süd, von paris bis neapel, verbunden mit einer herrschaft über den kirchenstaat, hätte frankreich wieder dauerhaft auftrieb geben können.

1494 begannen die kriegerischen handlungen, und sie sollten in schüben bis 1559 dauern. schliesslich würde sich frankreich in italien nicht festsetzen können. in den ersten 10 kriegsjahren waren die truppen des französischen königs zweimal bis nach neapel gekommen, doch konnten sie sich in diesem südlichen königreich nicht halten.

1506 eröffnete der bedrohte papst die gegenoffensive. er heuerte eidgenossen als seine eigene truppe an. 1508 formierte er die liga von cambrai, in die er alle kontrahenten miteinbezog, um venedig, das sich im windschatten der kämpfe um italien auf dem festland breit gemacht hatte, zu vertreiben. die aktion war erfolgreich, die stadt venedig akzeptiert die grenzziehung vor ihr toren. 1511 ging papst julius II. noch weiter. er bildete nun die heilige liga, gemeinsam mit spanien und neapel, und unterstützt von venedig, welche die franzosen ganz aus italien verdrängen sollte.


matthäus schiner, der walliser geistlicher, der die junge eidgenossenschaft zum kriegseintritt auf der seite der heiligen liga, veranlasste, wurde erster „schweizer“ kardinal beim papst

der krieg der jungen eidgenossenschaft

da erklärte die junge eidgenossenschaft, angefeuert vom walliser matthäus schiner, am 26. november 1511 frankreich den krieg. papsttreu wollte man sein, und nicht nur die schweizer gardisten sollten von den kriegen in italien profitieren. die eigenossenschaft als ganzes schloss sich der liga an. in der innerschweiz und den alpengebieten sammelten sich gewaltige heere, ordentlich und solche mit freiwilligen. das bündnis mit frankreich, in den burgunderkriegen entstanden und für stände wie bern wirtschaftlich und politisch massgeblich, wurde gebrochen.

die eidgenossen waren 1512 in italien mächtig erfolgreich. ihr sturm auf pavia befreite man die lombardei von den franzosen. doch entstand nur ein jahr danach eine neue situation. venedig wechselte die seite, hielt nun zum franzosenkönig. ludwig XII. liess sich nicht lange bitten, er besetzte mailand. herzog massimiliano sforza flüchtete nach pavia, beschützt von 4’000 eidgenossen. doch die franzosen folgten ihnen. sie hatten nicht nur infanteristen, auch eine reiterei stand ihnen zur verfügung, und eine starke artillerie. mit der bombardierten sie novara, den geflohenen herzog und die helfenden eidgenossen.

die tagsatzung beschloss eilends, mehr truppen zu senden. 6’000 mann wurden ausgehoben, freiwillige zogen ausserhalb der kontingente mit ihnen über die alpen. das entsatzherr bewirkt eine neuaufstellung der franzosen 4 kilometer von novara entfernt.


schlacht von novara 1513, chronik des johannes stumpf (1548)

die schlacht von novara

die eidgenossen zögerten vor novara nicht lange. unter führung von herzog sforza gingen sie gleich zur tat über.

am 6. juni 1513 kam es zur schlacht. nach nur zwei stunden war der spuk vorbei. 10’000 soldaten standen nicht mehr auf, darunter 2’000 eidgenossen.

ludwig XII. hatte den kampf um die lombardei verloren; er zog sich zurück, und versuchte, mit diplomatie und geld die siegreichen eidgenossen zu schwächen. bisher hatte das immer noch gewirkt.

doch die helden der stunde waren die kämpfer von novara. schon im hochsommer waren sie wieder in der heimat. am 14. juli 1513 war der offizielle empfang in bern.


erinnerungsbild an den einzug der siegreichen berner truppen 1513 – mit dem bär, den man den franzosen abgenommen hatte (foto: stadtwanderer, anclickbar)

der bär als zeichen des triumpfes

die berner truppen hatten auf dem schlachtfeld von novara den franzosen einen jungen bären abgenommen. ihn führten sie jetzt triumphierend vor. man war jetzt wer! und zeigte es!

vor dem käfigturm baute man dem franzosenbären einen zwinger, später eine grube. der erste bärengraben in bern entstand! heute ist er nicht mehr dort, wo man ihm 1513 platz geschaffen hatte. doch heisst der ort immer noch bärenplatz.

ein bild, vis-à-vis vom zytgloggen, erinnert heute an die glorreichste zeit der eidgenössischen söldner. mit fahne, und dem jungen bär von bern abgebildet, zieht er in die mittelalterliche altstadt ein.

die junge eidgenossenschaft auf dem höhepunkt ihrer macht

die eidgenossenschaft, 1476 in den burgunderkriegen erfolgreich, 1499 sieger im schwabenkrieg, und 1512/13 zu militärischen machthabern in der lombardei aufgestiegen, war auf dem höhepunkt ihrer macht.

doch sollten die tage der eidgenössischen grossmachtpolitik bald schon gezählt sein. nur zwei jahre danach teilte der neue französische könig die eidgenossen mit geldmitteln und besiegte die verbliebenen in marignano.

der bär hat seit den heroischen tagen im sommer 1513 jedoch seinen bärengraben. er war französischen beutegut, das sich die franzosen 1798 stückweise zurückholten …

kids, so war es !

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. spot on März 28, 2008 15:06

    cool 🙂

    je mehr ich über meine Stadt erfahre, umso lieber wohne ich in ihr. Es ist schön über bald jedes Haus hier eine Geschichte erzählen zu können.

  2. stadtwanderer @ spot on März 28, 2008 17:03

    sehr schön, das geht mir ja auch so, wobei ich gelegentlich nicht durch die stadt komme, bevor es wieder morgen ist!!!

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