mårbacka ist in schweden ein häufiger ortsname. doch marbacka bei sunne in värmland ist für die schweden einmalig. 5 millionen gäste waren in den letzten gut 50 jahren hier. denn diese mårbacka ist der ort, von dem aus selma lagerlöf geschrieben hat.

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selma lagerlöf, das ist zuallerst nils holgerson, der kleine junge der auf einer gans durch ganz schweden fliegt, um alle wunderbaren orte des landes kennen zu lernen. elma, die ausgebildete lehrerin, hat das buch für den geografieunterricht geschrieben, und es ist zu einem der erfolgreichsten jugendbücher des 20. jahrhunderts geworden. debütiert hatte sie mit göste berlings saga, einem roman, der in der umgebung von mårbacka spielt. für dieses, in der schwedischen literatur bahnbrechende buch hat sie 1909 als erste frau überhaupt den literaturnobelpreis bekommen.

1858 wurde die kleine selma in mårbacka geboren, 1940 verstarb sie im gleichen haus, in dem sie auch die meiste zeit gelebt hatte. der familienbesitz war immer schon stattlich, und er ist während und nach selmas wirken angewachsen. heute umgeben ein grosser park mit seltenen vögeln und alten pflanzen, mit einem teich, gartenwirtschaft und einer bücherbutik das lebenszentrum der vielfach übersetzen und ausgezeichneten schriftstellerin aus värmland.

im sommer kommen die leute gerne hierher aufs land hinaus, um zu sehen, wo die beliebte selma gewirkt hatte. wer den weg in die hügeligen moorlandschaft nicht scheut, kommt auf seine rechung. denn das haus wurde in der form und in dem zustand belassen, indem es war, als die produktive hausherrin verstarb.

die kundige führung beginnt unten im haus. gezeigt werden der öffentliche bereich mit dem salon, dem esszimmer und der küche, indem auch die gäste waren. dann steigt man die treppe hoch, in den privateren bereich. Man sieht die bibliothek, das schlafzimmer, um endlich in die schreibstube der schriftstellerin zu treten. ganz hinten, an einem hellen ort, steht unverrückt ihr pult. der kalender zeigt noch immer märz 1940. und selbst ihr gehstock liegt noch griffbereit neben der schreibfläche. dazwischen findet sich ein schreibblock und die alte adler-schreibmachine, auf der die grosse dame der modernen schwedischen literatur schrieb.

der einblick in das leben der grossen schwedischen schriftstellerin endet mit einer tonbandaufnahme ihrer kurzen rede, die sich zu ihrem 80.geburtstag im nationalen radio hielt. sie dankt darin allen schweden und ihren kindern, die ihr so viel geschenkt haben, und sie wünscht sich, dass ihr andenken weiter geht, auch wenn sie den weg in ihre tod gegangen sein werde.

weniger als 2 jahre danach verstarb selma lagerlöf. sie erlebte noch den anfang des zweiten weltkrieges, der in schweden mit dem krieg zwischen russen und finnen verbunden war. selma stiftete, das sie gerade kein kleingeld übrig hatte, ihre goldmedaille, die sie bei der überreichung des literaturnobelpreises bekommen hatte. später wurde aus der region das geld gesammelt, um das gedenkstück zurückzukaufen, und um es in wirklichen mårbacka auszustellen.

hej då

stadtwanderer

bild: ausblick aus dem garten von selma lagerlöf über die ebene von marbacka, foto: stadtwanderer


Comments

3 Comments so far

  1. Titus on Juli 21, 2008 22:50

    @ Stadtwanderer
    Nebst dem Umstand, dass das nun wohl eine touristische Attraktion ist: Wie hast Du den Ort empfunden? Ein ganz „gewöhnlicher“ Ort ohne das „besondere Etwas“? Oder hast Du gar den Nils abliegen sehen? 😉

    Man hört ja immer wieder davon, wie bestimmte Ort die grossen Schriftsteller zum Schreiben animiert haben, daher meine Nachfrage (vielleicht ist der „Zauber“ inzwischen aber auch verflogen?).

  2. Mischa on Juli 22, 2008 01:45

    @ titus

    hast Du gesehen, dass unser stadtwanderer drei blogs am 21. geschrieben hat 🙂 also zumindest zum schreiben wurde er animiert 🙂

  3. stadtwanderer on Juli 23, 2008 10:46

    nun, uebertreibt das mit den daten nicht!
    ich schreibe die blogbeitraege meist in meiner huette auf dem labtop, kopiere sie dann auf den kleinen stick, gehe damit ins touristbuero, wo es einen computer gibt mit einer buchse fuer den stick, kopiere das provisorisch auf den „stadtwanderer“ und dann, dann editiere ich es bei gelegenheit in der internet cafe ecke. deshalb sind die daten so eng beisamen. geschrieben habe ich das aber nicht am stueck.
    ganz einfach ist das nicht, zumal die tastaturen schwedisch sind. man muss also noch alles umschreiben. zyste ist auf der tastatur yzste, und ein ue suchst du vergebens.-
    wegen den umstaenden bin ich auch spärich mit fotos, ich werde das aber nachholen!

    nun zur sache:
    marbacka, genau mårbacka, ist ausgesprochen ländlich. heute wirkt es ein wenig wie ein park, fast schon ein kleiner zoologischer garten ist daraus geworden. das war wohl nicht immer so! auf den alten bildern ist das haus von aussen viel gewöhnlicher, aus holz. es war wohl etwas besser in die landschaft integriert.
    der blick nach sueden, auf die moorlandschaft, ist wohl unverändert spektakulaer. zwischen ein paar hohen birken erblickt man die gruene weite, die einem zum sinnieren einlädt.
    mårbacka war sich ausgesprochen ruhig, davon spuert man heute, abgesehen vom autoverkehr, noch was.
    selma hat wichtige erfahrungen aber auch in italien und palästina gesammelt, wo sie bis 1909, dem jahr, in dem sie den nobelpreis erhielt, lebte. ihr buch „jerusalem“ beispielsweise berichtet sozialkritisch ueber das auswandererschicksal der vielen schweden, die während der fruehen industrialisierung (der jugendzeit von selma) vor allem in die usa, aber auch in den nahen osten auswanderten, meist verbunden mit eine religiös-politischen mission.
    selber wuerde ich da nicht so gut schreiben, ich brauche ein wenig „betrieb“, um auf neue gedanken zu kommen
    hej då
    s.

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