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der halloween-boom sei schon wieder vorbei, hört man aus der geschäftswelt. doch wer solches sagt, hat nicht verstanden, worum es in diesen tagen geht. ein historisch-politischer klärungsversuch!


die rückkehr der vorfahren in allen geliebten und ungeliebten formen: selbst im bahnhof bern findet sich dieser tage, in einem schaufenster, eine kleine hexe (fotos: stadtwanderer)

rückblick auf den politischen wechsel

noch nie hat mich der spätherbst so begeistert wie dieser. ich war, wann immer ich konnte, ausser haus, spazieren, fötelen, erkunden und flanieren. das tat mir ausnehmend gut! und ich trifft auch andere, die flanieren, erkunden, fötelen, spazieren und ausser haus sind!

zum beispiel den grünen regierungsrat auf der plattform. bernhard pulver, wie es sich für ein exekutivmitglieder gehört, in feinem grau mit blauem hemd und blauer kravatte gekleidert, entschuldigte sich schon fast, als ich ihn gestern zufällig beim sünnele traf. eine sitzung sei unerwartet kürzer gewesen, und das hätte anlass gegeben für eine kleines sonnenbad, – draussen auf der alten promenade des patriziates und der heutigen jungen. wir haben uns anregend unterhalten: eine erste kleine bilanz wurde gemacht, zur neuen rot-grünen regierung, – die ich jetzt aber ganz schnell für mich behalte. wir wollen ja nicht politisieren.

keltische feiertage

dass wir bilanziert haben, ist dieser tage nicht zufällig. Denn auf seine art geht heute ein jahr zu ende. das keltische jahr.
der zyklus mit den vier jahreszeiten ist in unseren breitengraden von 2000-2500 jahren eingeführt worden. und er bestimmt, in verwandelter form, auch heute noch unseren rhythmus durch die zeit.

aus der keltischen kultur sind vier grosse wendetage bekannt: imbolc, beltane, lugnasad und samhain. sie markierten den wechsel der jahrezeiten. sie waren in einem bestimmten, 40tätigen abstand von den tages- und nachtgleichen resp. dem längsten und kürzesten tag entfernt, die als yule, ostare, litha und mabon gefeiert wurden.

geblieben sind bis heute die vier wenden in den jahreszeiten, während die vier höchsten keltischen feste in der christlichen kultur als heidnisch abgetan und entwertet wurden: doch verschwunden sind sie nicht: imbolc ist mariä lichtmess, beltane walpurgisnacht, lugnasad mariä himmerfahrt, und samhain allerseele/allerheiligen.

geändert hat sich auch das verständnis von tag und nacht. der heutige tag hat 24 stunden, und er beinhaltet tag und nacht. der tag selber beginnt mitten in der nacht. keltisch ist das sicher nicht mehr, denn der tag und die nacht waren geschieden, durch licht und schatten bestimmt, und die nacht ging dem tag voraus. Denn in ihr schöpft man die kraft, um den folgenden tag zu bestehen.

keltischer jahreswechsel

samhain ist der wechsel des keltischen jahres. und bei dem ging der winter dem frühling, der frühling dem sommer, und der sommer dem herbst voraus, – und zwar in dieser abfolge. auch das hat mit dem keltischen bewusstsein zu tun, das sich an der wiedergeburt der vorfahren orientierte. diese kehrten im winter wieder zu ihren nachfahren zurück, während die nachfahren wiederum mit ihren verstorbenen zusammen lebten, um ihrerseits kraft zu schöpfen, die dann im frühling die natur von neuem beleben sollte.

die rückkehr der vorfahren war für die kelten nicht nur ein gedankenspiel. es war realität, denn der tod und das leben waren näher beieinander. aufbewahrt wurden von den vorfahren ihre schädel, dem sitz des lebens nach keltischem bewusstsein, während der körper mit dem herz und den weichteilen weniger wertvoll erschien. und diese schädel wurde im herbst auf die felder gebracht, um sie mit der kraft der alten zu erfüllen, die bis zur nächsten ernte das leben speisen sollte.

christliche überformungen …

das hat sich bis heute erhalten, in der stadt und auf dem land: nur sind es kürbisköpfe, die man ausstellt. doch sie werden eingeschnitzt, meist mit einem gesicht nachempfunden, – letztlich an einen schädel erinnernd! dieser brauch ist eher neueren datums: er ist mit halloween populär geworden, und er stammt aus den usa. und genau das schliesst den bogen: denn in die neue welt sind unter anderem keltische nachfahren aus irland, wo sich die traditionellen keltischen bräuche am besten erhalten haben, ausgewandert, haben die kultur fortgesetzt, wenn auch in veränderter form. und von hier ist sie als halloween-boom wieder nach europa gekommen.

alle christlichen versuche, die keltisch-heidnischen feiertage auszurotten, sind also gescheitert. sie sind nur mehr oder minder überformt worden. die hexen und hexer, die gefährlichen weiber und gruseligen männer kehren mit schöner regelmässigkeit ende april resp. ende oktober zurück. ermattet von den erfolglosen bemühungen der christianisierung haben die karolinger im 9. jahrhundert aus samhain, dem tag der verstorbenen keltischen vorfahren, den christlichen gedenktag allerseelen und allerheiligen gemacht.

das ist heute und morgen, – und der keltische jahreswechsel … bei dem man schon mal über die rot-grüne regierung in bern bilanz ziehen darf, die ja an den osterwahlen neu bestimmt worden ist. doch davon mehr in gut drei jahren, keltisch gesehen ein nichts!

stadtwanderer


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