alles begann in thun. ich hielt da mal einen vortrag. am fulehung, über die burgunderkriege. und dafür verwendete ich unter anderem karten aus einer schrift, die ich im museum murten über die eben diese burgunderkriege gekauft hatte. das ganze wiederum machte ich auf internet zugänglich.


kundiger studienleiter hans rudolf fuhrer, historiker an der ethz, und seine gäste (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

die kleine kontroverse

dann meldete sich der autor der publikation, leicht erstaunt, weil ohne zu fragen ich seine grafiken verwendet hatte. ich antworte, ich hätte sie ordnungsgemäss zitiert. doch er lässt nicht locker, insistiert. er habe das material für seine militärischen kurse entwickelt, und er setze sie öffentlich nur für seine führungen im gelände ein.

führungen? im gelände? toll! ich schlage vor, zur wiedergutmachung an einer solchen führung teilzunehmen und darüber zu berichten. mein gegenüber, sichtlich interessiert, willigt ein, und schlägt seinerseits vor, an einer studienreise der gms teilzunehmen und im mitgliederorgan darüber zu schreiben.

gms? ich bin ein wenig überfordert und erkundige mich nun meinerseits auf internet: gesellschaft für militärhistorische studienreisen, eine marktnische zwischen tourismus und geschichte. auf was habe ich mich da nur eingelassen?!


geschichte im modell und in natura, das konzept der heutigen studiereise (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

die studienreise

heute war es nun soweit. hans rudolf fuhrer, der autor, mit dem ich nun in verbindung stan, privatdozent für militärgeschichte an der eth zürich, war unser reiseleiter. knapp dreissig mitglieder waren mit ihm und dem car im dreiseengebiet unterwegs. zuerst in grandson, genau concise, wo die erste burgunderschlacht auf heute schweizerischem boden stattfand, und dann in murten, dem ort der zweiten schlacht.

ich will es direkt sagen: ich habe heute einen guten didakten unter den historikern kennen gelernt, der klar strukturiert seinen stoff präsentiert hat, der präzise argumentiert hat und ohne jeden schischi die schlachten, ihren hergang, ihren ursprung und ihre folgen erzählt hat. besonders geschätzt habe ich, dass er zwischendurch auch grundsätzlich wurde, den europäischen kontext aufzeigte und über macht, besitz und ehre als weltliche werte, aber auch gehorsam, armut und gelöbnis als klösterliche gegenstücke philosophierte.

natürlich haben mir die wanderungen vor ort am besten gefallen. in concise wurde einem besonders bewusst, warum das gerade für die geschichte so wichtig ist. aus den quellen weiss man wenig über die schlacht. aber man kennt den ort des geschehens und kann nur schon aus der topographie erschliessen, was hier möglich war und was nicht. die quellenbelege erhalten so fast von alleine eine natürliche interpretation, die einem das nichtgeschriebene sinnlich erschliesst und ganzheitlich verbindet.

der schluss der eintägigen veranstaltung war auf dem bois domingue bei murten, dort wo karl der kühne, der grosse verlieren der burgunderkriege mit den eidgenossen, sein zelt aufgeschlagen hatte. das wort „feldherrenhügel“ ergibt sich einem da von selbst: man sieht hinunter auf die stadt murten, die mal rundum belagert war. man erspäht den grünhag auf dem schlachtfeld. und man kann fast schon mitfühlen, wie es karl dem kühnen zu mute gewesen sein muss, als er die seinen flüchten sah und die österreichische ritter, die auf seiten der eidgenossen kämpften, seinen bois domingue ihrerseits einkreisten.


der feldherr und seine aussichten (fotos: stadtwanderer, anclickbar)

meine bilanz

ich habe es geschätzt, dass die traditionelle militärgeschichte heute diskret behandelt wurde, dass es keine patriotischen reden gab und dass sich unser studienleiter auf das wissenschaftlich haltbare an den geschichten hielt. diese wiederum schmückte er durch durch zahlreich kulturgeschichtliche erläuterungen aus, welche nicht jedem der teilnehmenden klar waren.

wie zum beispiel jenen eigenheiten der sozialverhaltens bei mittelalterlichen schlachten, die toten durch die einheimische bevölkerung entkleiden zu lassen und in massengräbern zu beerdigen. an den kriegern wiederum war es, drei tage und nächte auf dem schlachtfeld zu verharren, nicht nur um zu plündern und allen zu zeigen, wer der sieger war, sondern auch, um den abgang der seelen der toten aus den verstorbenen abzuwarten.

stadtwanderer


Comments

1 Comment so far

  1. Honigbaerli on April 12, 2008 22:58

    Lieber Stadtwanderer,
    schöner und interessanter Beitrag, den du da geschrieben hast.
    Ich habe ja im Juni besuch aus ostdeutschland, ob ich da beim stadtwanderer einen stadtrundgang bern buchen sollte da weisst du ja sicher auch einiges an histörchen zu erzählen!!

    ich werde auf dich zukommen!
    herzlich
    Andreas

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