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„prof. gantenbein“ ist eines der schrägsten antiquariate in bern. es liegt in der postgasse, und es hat ein viel beachtetes schaufenster. diesen herbst stellte sein besitzer kurzfristig eine schöne büste von napoléon aus, die der stadtwanderer flugs dokumentiert hat.


vpn prof. gantenbein ausgegraben und vom stadtwanderer interpretiert: napoléon in bern – ein anlass über seine schweizer reise von november 1797 zu berichten

napoléon: die unperson der berner geschichte

gefährlich!, rief ich, als ich napoléons büste in bern sah. denn kaum jemand gilt in „bern“ so als unperson, wie der französische general, der bis zum „kaiser der franzosen“ aufstieg. bis heute heisst seine intervention in bern im frühling 1798 selbst im sonst so neutralen historischen lexikon der schweiz „franzoseneinfall“. dass damals die „helvetische revolution“ angeschoben wurde, die in mehreren anläufen zum heutigen bundesstaat führte, ist für reaktionäre, konservative und alteingesessene bern bis heute ein ärgernis. porträtiert wird dieses ärgernis im voluminösen vierten band von richard fellers berner geschichte. einer der höhepunkte in der lektüre setzt auf seite 297 ein; das kapitel heisst schon vielsagend „der anschlag auf die schweiz“. dabei wird napoléons erkundungsreise durch die schweiz, die vom 22. bis 24. november 1797 dauerte, trefflichst geschildert, sodass ich das in einer mehrteiligen serie vom 22. bis 24. novmeber 2006 niemandem vorenthalten möchte, – wenn auch mit den nötigen kommentaren aus heutiger sicht versehen!

der friede von campo formio

die französische revolution von 1789 führte zum sturz der monarchie in frankreich. darauf eröffneten die anderen monarchien den ersten koalitionskrieg, der von 1792 bis 1797 dauerte. am ende hatte sich das revolutionäre frankreich dank napoléons militärischen erfolgen in oberitalien durchgesetzt. besiegelt wurde der friede zwischen frankreich und österreich, welches das untergehende heilige römische reich deutscher nation repräsentierte, am 17. november 1797 im oberitalienischen campo formio. die lombardei kam zu frankreich, während österreich die von frankreich geplünderte republik venedig erhielt. frankreich bestimmte zudem den rhein als neue grenze zwischen der revolution und der reaktion.

damit kam fast das ganze gebiet der schweiz ins französische gravitationsfeld. das gilt für das fürstbistum basel, das noch zum reich gehörte, genauso wie für das fricktal. es trifft aber auch auf die gebiete zu, die direkt zur 13örtigen eidgenossenschaft zählten und seit 1648 reichsunabhängig waren. die kontrahenten regelten diese „details“ geheimen anhang zum friedensvertrag.

die nachverhandlung der details: bern oder rastatt?

kaiser franz II. versuchte zu retten, was noch zu retten war. die friedensverhandlungen zu den „details“ hätte er am liebsten in bern durchführen wollen. das wäre zwar in französischem einflussgebiet gewesen, doch es hätte gezeigt, dass das reich hier unverändert zugang gehabt hätte. es hätte wohl auch eine militärische intervention in der alten eidgenossenschaft erschwert oder verhindert.

der kriegssieger napoléon wehrte dieses ansinnen rundweg ab. niklaus friedrich von steiger, der regierende schultheiss von bern, war für ihn der inbegriff der alten aristokratie, die mit der revolution weggefegt worden war. lieber hätte er ihn gestürzt, als unter seinem schutz mit dem kaiser zu verhandeln. so einigte man sich auf rastatt nördlich basel als tagungsort.

napoléon, der sich in oberitalien aufhielt, musste also trotz seines sieges in der standortfrage so schnell wie möglich nach norden. eine reise durch die die eidgenossenschaft, ja durch bern, schien unvermeidlich. er tat dies auch tatsächlich, und nutzte die durchfahrt per kutsche, um die schweiz in den letzten novembertagen des jahres 1797 zu inspizieren.

die folgen der reise

als er sich in rastatt seiner sache sicher war, löste napoléon die helvetische revolion aus! keine volksbewegung von unten war das, sondern ein sturz von oben. die untertanen in der waadt standen im beiseite, und die basler patrioten, die der revolution anhingen und 1795 den frieden von basel mit preussen für frankreich vermittelt hatten, unterstützten napoléon auch. das gegenstück dazu war die alte republik bern, der grösste und reichste stadtstaat nördlich der alpen. sukkurs erhielt das protestantische bern von der katholischen innerschweiz, die sich nichts von den revolutionären truppen aus dem fernen paris versprach. sie trauerten dem gestürzten könig nach, der den söldnern arbeit und den landaristokraten einkommen brachte.

wie napoléon durch die schweiz reiste, was er in bern machte, und was die reaktionen der bürger in genf, lausanne, bern, solothurn oder basel über ihre gesinnung bis heute verraten, das erzähle ich ab morgen.

stadtwanderer

teil 2 der serie: napoléon in der schweiz
teil 3 der serie: napoléon in der schweiz
teil 4 der serie: napoléon in der schweiz


Comments

1 Comment so far

  1. Buchwurm24 on August 1, 2011 21:41

    Sehr interessante Artikel

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