schweinereien

April 26, 2008 | 1 Comment

„schweinerei“ hiess ein besonderes würfelspiel, das ich, am ende meiner studien- oder am anfang meiner berufszeit in den winterferien gerne spielte. und ich habe mich dieser tage unweigerlich wieder daran erinnert.


„schweinerei“ – ein unglücksspiel für kleine gesellschaften macht heute im bundesbern furore

das würfelspiel

das spiel war damals ausgesprochen populär: jeder spieler, jede spielerin würfelte mit zwei gummischweinen. ja nachdem, wie sie auf dem tisch zu liegen kamen, gab es punkte. lagen beide schweine auf der gleichen seite, sagte man „sau“ und das gab fast nichts. angestrebt wurde die „doppelbacke“, die ganz seltene konstellation nämlich, bei der beide schweine auf der nase und der vorderpfoten zu liegen kamen und den hintern hoch streckten. das gab dann mega viele punkte. würfeln konnte man übrigens solange man wollte, ausser man hatte eine „faule sau“, wobei das eine schwein linksherum, das andere rechtsherum lag. das kostete einem alle punkte, die man noch nicht notiert hatte, und man musste die schweine dem nächsten in der runde weiterreichen. schlimmer war nur noch der „sauhaufen“, der regelmässig ein lautes kreischen unter den spielenden hervorrief, weil beide schweine aufeinander lagen. doch dann musste man alles hergeben, was man im ganzen spiel schon an punkten erworben hatte, womit man der sichere verlierer war.

das politikerspiel

das zwischenzeitlich fast vergessene gegangen würfelspiel für kleine gesellschaften kommt im bundesbern sch(w)einbar wieder in fahrt, – doch diesmal ist es die ganz grosse gesellschaft, die ihren gefallen findet: fulvio pelli, präsident der schweizerischen fdp, bezeichnete vor wochenfrist das verhalten der svp gegenüber frau widmer-schlumpf schlicht und einfach als „schweinerei“, und er verteilte dafür schon mal kräftig minuspunkte. doch blieb die wortwahl nicht bei ihm hängen; sie wurde bloss in den reihen der bürgerlichen tenöre weitergereicht. heute revanchierte sich christoph blocher im berner national an der auns-jahresversammlung, indem auch er von „schweinerei“ sprach, als er die absicht der ständerätlichen aussenpolitischen kommission geisselte, in der kommenden volksabstimmung über die verlängerung der personenfreizügigkeit alle hängigen sachfragen in eine abstimmungsvorlage zusammenzupacken. blocher rechtfertigte den gewählten begriff damit, dass der andere habe damit angefangen und die schweinereien damit salonfähig gemacht.

schweinerei? – schweizerei? – oder schweinzerei?

doch was soll man von dieser weiteren verbalen eskalation in der schweizer politik halten? erneut ausrufen? selber fluchen? die faust im sack machen, wie weissnicht meint? oder einfach ignorieren?

ich bin ein wenig ratlos. und deshalb habe ich mein altes würfelspiel „schweinerei“ hervorgekramt und nochmals die spielanleitung gelesen. darin steht, es handle sich um ein reines (un)glückspsiel. es eigne sich für männer und frauen, alle altersklassen und gesellschaftsschichten. besonders beliebt es in gruppen, die gemeinsam unterwegs seien und sich so die zeit vertreieben wollten.

das spiel verfolge aber ein pädagogisches ziel. man lerne dabei mit dem risiko umzugehen! das gierige punktesammeln in eigener sache verleite einem dazu, das würfeln immer weiter zu treiben, und die spielsachen nicht an andere weiter zu geben. das berge jedoch unweigerlich die gefahr ins sich, dass es zu einem totalabsturz komme, eben: wenn man einen „sauhaufen „produziere. doch dann werde man zwangsweise aus dem spiel genommen!

dem ist, pädagogisch gesprochen, nichts neues seit dem ende meiner studien- oder dem anfang meiner berufszeit beizufügen …

stadtwanderer


Comments

1 Comment so far

  1. stadtwanderer zur erheiterung on April 30, 2008 08:49

    noch ne schweinerei: "Ein riesiges, aufblasbares Plastik-Schwein des Pink-Floyd-Mitbegründers Roger Waters, das am Wochenende bei einem Konzert in Kalifornien weggeflogen war, hat eine Bruchlandung hingelegt. Die Überreste der bunt bemalten Plastikhülle seien in der Ortschaft La Quinta gefunden worden, berichtete die Zeitung "Inland Valley Daily Bulletin" am Dienstag. Zwei Familien wollten sich den vom Konzertveranstalter ausgesetzten Finderlohn in Höhe von 10 000 Dollar (6400 Euro) teilen. Für Waters könnte der Vorfall unangenehme Folge haben. Einem Polizeisprecher zufolge hatte der Musiker keine Erlaubnis eingeholt, das "fliegende" Plastik-Schwein in seiner Show in der Luft schweben zu lassen."
    soweit die news zum tag!

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