suppemachen ist für den waldmann nicht kochen. es ist eine art lebensphilosophie. der körper muss gestärkt werden, der poren sollen geöffnet werden, sodass sich der geist entwickeln kann. auf jede form von luxus ist aber zu verzichten, erzählt unser nachbar im schwedischen wald. 

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impression aus dem garten unseres nachbarn, jedem luxus abhold und voll aus selbstgemachte suppe eingeschworen (foto: stadtwanderer)

seit vielen jahren esse er eigentlich nur noch sein selbstgemachte fleischsuppe, erzählt h. an seinem küchentisch, und schenkt uns allen eine schale davon ein.

eineinhalb kilo schwedisches rindfleisch nimmt unser nachbar auf einmal. das brät er zuerst ganz heiss an. dann legt er es in den kühlschrank, denn kalt könne man es am besten schneiden. Schliesslich kocht er das klein geschnittene fleisch im wasser. am schluss kommen noch spaghettini dazu; fideli nennt er sie.

doch das geheimnis seiner suppe sind die kräuter. acht verschieden habe es darin. einzeln könne er sie nicht mehr nennen, antwortet der alte mann auf mein frage. doch dann steht er auf, schiebt im oberen küchenschrank die türe beiseite und zeigt uns voller stolz die vorräte seiner acht kräutermischungen. dazu komme noch schwarzer pfeffer, fügt er beim aber nur in ganzen körnern. und kein salz habe es in seine guten suppe.

wir rühren noch lange in unseren schalen, als er erzählt, denn die suppe ist noch ganz heiss. dann beginnen wir zu schlürfen. andere leute würde eine solche suppe nur ein oder zweimal essen, dann hätten sie genug. für ihn sei das 80 prozent seiner ganzen nahrung, seit mindestens 8 jahren, lässt uns h. wissen. Auf jeden fall sieht er nicht krank aus!

als wir uns für das lebenselexier bedanken wollen, weißt der alte mann die komplimente zurück. also verabschiede mich, indem ich mich ausdrücklich nicht bedanke. das sei gut so, ruft mir h. nach.

es ist wunderbar, so genährt, gewärmt und geweckt wieder nach hause zu gehen.

stadtwanderer


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