ramschpapier!

Oktober 16, 2008 | 30 Comments

nein, die globale finanzmarktkrise betrifft uns nicht.
nein, die konjunktur in der schweiz wird nicht einbrechen.
nein, die börse in zürich reagiert nicht wie in new york, london oder frankfurt.
nein, die politik soll sich nicht in die wirtschaft einmischen.
nein, wo es nichts zu handeln gibt, muss man auch nicht kommunizieren.
nein, die schweizer banken sind dank früher kapitalaufstockung aus dem gröbsten raus.
nein, wo es nicht nötig sei, müsse man auch kein geld hineinpumpen.
nein, die steuerzahlerInnen zahlen bei uns die zeche nicht.

und jetzt das: „der bund stärkt die eigenmittelbasis der ubs mit einer pflichtwandelanleihe im betrag von 6’000’000’000 franken. darüber hinaus schafft die snb die möglichkeit ramschpapier für 60’000’000’000 $, die derzeit nicht gehandelt werden können, in eine zweckgesellschaft auszulagern.“

also wirklich: nein!

stadtwanderer


Comments

30 Comments so far

  1. Titus on Oktober 16, 2008 10:46

    Ich wär‘ fürs Auswandern, irgendwo in ein Land, wo man noch mit Hosenknöpfen zahlt. Hat jemand eine Idee? 😉

  2. rittiner & gomez on Oktober 16, 2008 11:05

    frust pur, und vor allem befürchten wir, dass sich nicht ändern wird.

  3. rittiner & gomez on Oktober 16, 2008 11:06

    @titus: auf der isla volante sind sie jederzeit herzlich willkommen.

  4. stadtwanderer on Oktober 16, 2008 11:11

    wandern ist immer gut, titus, es entspannt, auch mich …

  5. Bruno G. on Oktober 16, 2008 11:52

    Beseelt von der Hoffnung, unverändert auf einer Insel zu leben, titelt die Weltwoche von heute: “Finanzkrise: Die Schweiz gewinnt.” Da kann man nur eines sagen: Schlimmer geht’s nimmer! Die Gier der Banker und die Unfähigkeit ihrer Helfeshelfer verblendet uns zwischenzeitlich im wahrsten Sinne des Worten grenzenlos.

  6. mischa on Oktober 16, 2008 12:02

    man will doch die verantwortlichen für dieses dilemma zur verantwortung ziehen. eigentlich ist genau dies nun passiert; die regierungen aller länder müssen nun den bankenschrott finanzieren und wer bezahlt es 🙁 🙁 🙁
    die regierungen hätten diesem banken treiben, mit den riesigen boni etc., vielfrüher den riegel schieben müssen. und nun ist es zu spät und die bürger dürfen zahlen. was für eine verkorxte welt.

    ich will auch auf die insel!!!!! 😉

  7. Eisvogel on Oktober 16, 2008 12:51

    700 Milliarden dort, 250 Milliarden da, 60 Milliarden hier. Hat jemand im Kopf, wieviele Milliarden es bis jetzt weltweit sind?

    Geld für „notleidende Finanzinstitute“ – so war doch zu lesen. Notleidende Finanzinstitute!

    Kann jemand mal ausrechnen, was es bedeuten würde, wenn man all diese Milliarden an wirklich Notleidende gehen würde? Wieviele Milliarden und Milliarden von Mikrokrediten diese horrenden Summen ergeben könnten? Nein, weil es geht ja um das ganze Wirtschaftssystem, das zusammenkrachen könnte – und wir, die kleinen Leute von der Strasse mit ihm. Damit drohen die Herren Finanzanalysten und die Regierungen springen.

    So schizophren wie in den letzten Tagen und Wochen haben wir unsere Umwelt, Regierungen und Medien wohl noch nie erlebt. Und für die Nichtökonomin ist es so verdammt schwierig, nachzuvollziehen, was eigentlich abgeht.
    Der Pik der Geschichte heute morgen im TV-DRS, wo der liebe Stephan Klapproth mit Tilmann Ligner und dem lieben UBS Chefökonomen Klaus Wellersdorf das 3. Fernsehduell zwischen McCain und Obama analysieren.

    Keine kritischen Fragen an Wellersdorf. Er sitzt da, unschuldig wie ein Lamm und sprühend vor Energie und setziert die Möglichkeiten der Kandiaten, die Staaten aus dieser Misere zu holen. Niemand trägt Schuld an diesem Debakel. Niemand will Täter benennen. Im Gegenteil, sie sitzen weiterhin gut im Sattel und lassen sich hofieren.
    Und sorry, Stadtwanderer, du sprichst ja zu Recht unsere eigene Situation im Land an und die seltsame Kehrtwende . Auf der anderen Seite: Die Grenzen sind hier im wahrsten Sinne des Wortes aufgehoben.

    Was tun wir? Warten und hoffen, dass die eigene Pensionskasse dabei nicht drauf geht? Hoffen, dass die Finanzwelt jetzt in die Knie gezwungen wird und endlich Ethik lernt?

    Wenn es um das Eingemachte ginge, würden wir jetzt auf der Strasse vor den Banken stehen und unsere Bazeli zurückverlangen.

    Aber das verhindert die Regierung, indem sie unsere Bazeli bis zu einer bestimmten Höhe absichert. Das hält uns ruhig.
    Bleiben wir dann auch ruhig, wenn es dann darum gehen wird, Klimaprojekte auf die lange Bank zu schieben, Entwicklungsgelder zu halbieren, Kulturprojekte zu stoppen, weil einfach zu wenig Geld da sei?

    Das ist doch unser eigentliches Eingemachtes. Unter dem Nenner: Unsere Ethik. Diese steht auf dem Spiel. Wenn wir nur noch wie das Kaninchen gelähmt vor der Schlange sitzen, dann sind die programmierten höheren Steuern der nächsten Jahre die kleinste Kröte, die wir dann schlucken müssen.

    Zurzeit komme ich mir aber nur vor, wie das gelähmte Kaninchen. Sehe meinen Handlungsspielraum nicht. – Im Moment kann ich also auch nur beipflichten: „Also wirklich: Nein“!

  8. regula stämpfli on Oktober 16, 2008 14:19

    endlich, claude! hab schon lange auf beitrag zur finanzkrise von dir gewartet! „cash for trash“ nun auch in der schweiz – hoffentlich lässt nicht island schon bald irgendwie grüssen. „too big to fail“ hat die financial times vorletzte woche berichtet und die schweiz ganz oben angeführt.

    hüte uns vor solch spannenden zeiten:-) zum kulturellen system der börse hier noch ein kleiner hinweis siehe http://www.rhetorik.ch/Aktuell/08/10_13/index.html
    und ein tipp an alle: watch china, da wird sicher auch bald reagiert werden müssen, denn tag für tag verbrennen millionen von us-schuldscheinen aus chinesischem besitz…

    und herzliche grüsse aus brüssel, wo der cash auch für trash ausgegeben, aber immerhin mit optimistischen renditen für die zukunft ausgeschüttet wird…

  9. Titus on Oktober 16, 2008 18:53

    @ Rittiner & Gomez
    Danke fürs zugesprochene Asyl.

    @ Stadtwanderer
    Nicht ich brauche Entspannung durch stadtwandern, sondern die so genannten „Anleger“. Wobei – jetzt muss ich mir gleich selber widersprechen: Bei diesem Begriff rutscht mir die Galle schon etwas höher. Ich leg‘ mal meine Schuhe bereit.

    @ Mischa
    Ja, die Boni-Geschichte(n) hätte man durchaus schon früher beschränken müssen. Aber sie ist, betragsmässig, nicht an dieser Krise schuld. Verwerflich ist dieses Anreizsystem an sich, insbesondere dann, wenn man Boni erhält, obwohl man es „nach gesundem Menschenverstand“ nicht verdient hätte.

    @ Eisvogel
    Du triffst den Nagel wieder einmal auf den Kopf. Wie kleinkarriert wir (?) bei den Ausgaben der wirklich wichtigen Dinge sind und jetzt „zaubert“ man ein paar Milliarden aus irgendeinem eidgenössischen Hut.

    @ Regula Stämpfli & Stadtwanderer
    Zum Beitrag betreffend Trennung von Religion und Staat („warum ich laizistisch eingestellt bin und es auch bleiben werde“) hatte ich mich bisher nicht geäussert. Denn: Moralvorstellungen und Wertesysteme haben durchaus auch etwas mit Religion zu tun, wenn auch nicht im klassischen kirchlichen Sinne. Die vorherschende „Religion“ unserer Gesellschaft ist weder das Christentum noch sonst eine Religion. Vielmehr nennt sie sich „maximaler Gewinnabwurf bei minimalem finanziellen Aufwand“.

    Interessante Beobachtung: Le Matin bleu titelte heute, dass die Buchhandlungen einen grossen Andrang auf Karl Marx-Bücher hätten…

    @ Alle
    Unter welchem eidgenössischen Kopfkissen hatte der Bund eigentlich diese 6 Mia. versteckt? Ist das ein Pappenstiel oder ein grosser Not-Groschen, der da freigegeben wird?

  10. Bruno G. on Oktober 16, 2008 19:57

    Nachtrag zu meinem Post aus dem Editorial der WeWo von heute: «Wir können dem lieben Gott (und einem nicht genannt sein wollenden Politiker namens Christoph Blocher) danken, dass die Schweiz sich felsenfest ausserhalb der Europäischen Union behauptet. Die politische Unabhängigkeit gibt uns in der Krise Spielräume und Handlungsmöglichkeiten, die im europäischen Umland zusehends eingeschränkt werden. Wir können flexibler reagieren. Der Druck des Zeitgeists schlägt nicht voll auf die Regierung durch. Hat man sich für einen Moment vorgestellt, was passiert wäre, wenn der bereits von einer Stellenbesetzung im VBS überforderte Bundesrat im Sog von Sarkozy, Steinbrück oder Merkel ordnungspolitische Gestaltungswut entwickelt hätte? Die Coolness, mit der Bundesbern auf die Erschütterungen reagierte, ist auch ein Resultat unseres hervorragend abgefederten politischen Systems, das intelligenter ist als die Leute, die es zu verwalten haben.» Und nächste Woche können wir dann aus dem gleich berufenen Munde entnehmen: Hätter der liebe Gott und sein Stellvertreter in der Schweiz, wie es sich eigentlich gehörte, alleine entscheiden können, hätte man nicht so dumm gehandelt wie der Bundesrat das heute getan habe. Wetten wir?

  11. Mischa on Oktober 16, 2008 20:14

    @ titus

    die boni geschichte war der anfang vom ende. das anreizsystem war, mehr fremde (scheiss) papiere verkaufen ohne garantie und risiko, -> mehr boni garnieren. wie sonst war die ubs in den staaten plötzlich so gut unter den händlern vertreten? zudem, wäre ospel’s lohn nicht so hoch gewesen, wäre er nicht geblieben und hätte den ganzen mist auf die schiene gebracht! der kleine chef von cs, garniert nicht so viel, ist länger dabei und seine bank steht wesentlich besser da (bis jetzt) 🙁

    @ eisvogel

    im prinzip gebe ich Dir recht. nur bei den pensionskassen nicht. die dürfen nur noch nach gap vorschriften anlegen. diese bestimmt den anteil der ausländischen aktien und obligationen. glaub mir ist ein sehr kleiner teil. klar trifft es die pensionskassen auch aber wesentlich weniger als in der 90-krise. klar ist, dass alle pensionskassen wieder weinen werden wieviele verluste sie machen. dies ist aber nur ein politikum. sie wollen immer noch den umwandlungssatz senken und dies lässt sich veranstalten indem sie nachweisen was für verluste sie machen mussten und wie wenig geld sie doch haben.
    behafte mich nicht, aber ich glaube zu wissen, dass pk’s weniger als 10% in ausländischen wertschriften investieren dürfen!

  12. Mischa on Oktober 16, 2008 20:43

    @ titus

    im 2007 waren es mehr als 12 mia boni für ramschkredite und ramschpapiere!

  13. stadtwanderer on Oktober 16, 2008 21:39

    was für ein tag!

    die fiktionalwirtschaft hat die realwirtschaft erreicht, polemisierte ich noch letzten freitag bei meiner stadtwandererung. nun haben wir gesehen, was das bedeutet.

    wäre eigentlich die ubs hobs gegangen, wenn der bundesrat heute nicht interveniert hätte?

    diese frage hat mich nicht losgelassen, als ich mich heute zwischendurch mit der dem aktuellen geschehen beschäftigen konnte.

    weiss mit, angesichts der verwirrlichen informationen, die man heute bekommen hatte, rat?

  14. Titus on Oktober 16, 2008 21:48

    Auf der Suche nach der Quelle dieser Zahl bin ich u. a. auf die folgenden Aussage aus der NZZ Online vom 14.02.2008 gestossen: „Gemäss Bank wurden für 2007 49 Prozent der Personalausgaben in Form von Boni oder variablen Kompensationen ausbezahlt. Die Personalausgaben betrugen 24,7 Mrd. Fr., für Boni wurden 49 % oder 12,1 Mrd. Fr. aufgewendet.“

    Ok, habe ich mir dann gesagt, Boni gibt’s in vielen Unternehmen. Es stellt sich nun die Frage, auf wieviele sich das veteilt?

    Ich hab‘ nicht tief gesucht: Gemäss UBS-Homepage lag der Personalbestand im 2007 bei 83’560 FTE’s. Ich gestatte mir nun die Milchmädchenrechnung, die Lohnsumme auf den einzelnen Mitarbeiter herunter zu brechen: Das gibt knapp CHF 300’000 pro MA. Ich habe dann die gleiche Rechnung für meinen Arbeitgeber gemacht und staune und staune und staune.

    Doch wie schon gesagt, es ist eine Milchmädchenrechnung. Darin werden z. B. die unterschiedlichen Löhne je nach Land nicht berücksichtigt. Aber es gibt doch immerhin eine Grössenordnung.

  15. Röstigraber on Oktober 16, 2008 22:08

    @stadtwanderer
    auch meine gedanken kreisten heute, nach der ubs meldung, um das thema fiktion und realität. versuchte von einem freund im finanzdepartement – ziemlich hoch oben – eine antwort auf die frage zu bekommen, woher das geld komme und was geschehen wäre wenn… die antwort – und das ist kein witz – war: das ist alles……..fiktiv, da geschieht real gar nichts!! das einzig reale, das passieren könnte, wäre die umbenennung des bundesplatzes in bankenplatz (denn dieser sei seit heute ganz von banken umgeben). davon steht aber seines wissens nicht im bankendeal, der gestern unterzeichnet worden sei, übrigen im sitzungszimmer unter dem bundesplatz, das nach der aufgabe der goldreserven dort für solche notfälle eingerichtet worden sei, als ersatz für den bundesratsbunker. das hat mich beruhigt, denn es zeigt, der bund hat, wie damals beim bundesratsbunker (real) vorgesorgt für notfälle.

  16. stadtwanderer on Oktober 16, 2008 23:01

    lieber röschtigraber.
    danke für den hinweis, das ist schon mal was. es gibt einen anknüpfungspunkt an die letzte wanderung, und an meine ausführungen auf der demokratietour auf dem bundesplatz.
    das mit dem bunker ist mir neu. ich werde das verwenden.

    viel gelernt habe ich übrigens eben beim tagesanzeiger, der den deal im bankenplatzbunker im detail bekannt gemacht hat:
    Die Eckdaten der Rettungsübung von Bund und Nationalbank sind einfach. Die UBS lagert für maximal 60 Milliarden Dollar faule Wertpapiere an eine Auffanggesellschaft aus, die von der Nationalbank kontrolliert wird. Die Auslagerung der Schrottpapiere reisst ein Loch in die Bilanz der UBS, das die Nationalbank mit verzinslichen Darlehen von maximal 54 Milliarden Dollar wieder auffüllt.

    Damit die UBS die gleichen Interessen wie die Nationalbank verfolgt, wurde eine Sicherung eingebaut: Die UBS muss 6 Milliarden Franken Kapital in die Auffanggesellschaft einschiessen, und dieses dann für 1 Dollar an die Nationalbank abtreten, die deren Alleineigentümerin wird.

    Der Mittelabfluss reisst in der Bilanz der UBS erneut eine Lücke, die in diesem Fall vom Bund geschlossen wird: Die Eidgenossenschaft schiesst 6 Milliarden Franken Kapital in die Bank ein. Und zwar über eine Wandelanleihe: Der Bund erhält während deren Laufzeit von der UBS 12,5 Prozent im Jahr – und er wird, wenn die Anleihe ausläuft, Grossaktionär der UBS.

    Pikant: Die Auffanggesellschaft hat ihren Sitz auf den Cayman Islands. Laut Nationalbank-Direktor Thomas Jordan war es in der Schweiz unmöglich, einen Auffang-Fonds innert Tagen zu gründen.

    Bund und Nationalbank kamen der UBS weit entgegen. Die Grossbank darf den Schrottpapier-Fonds, unter Aufsicht der Nationalbank, verwalten und sie wickelt auch den Verkauf der faulen Wertpapiere ab. Sie ist zudem im fünfköpfigen Kontrollgremium des auf 8 Jahre Lebensdauer angelegten Fonds prominent vertreten: Die UBS stellt 2 Vertreter, die Nationalbank 3, darunter Jordan als Präsident.

    Nationalbank-Chef Jean-Pierre Roth glaubt, dass am Ende gar ein Gewinn resultiert, wenn alles gut läuft. Dieser wird, sobald die UBS die Darlehen zurückbezahlt hat, wie folgt geteilt: Die erste Milliarde geht an die Nationalbank, weitere Gewinne werden hälftig geteilt.

    Bleibt noch die Frage: Wo holt die Schweizerische Nationalbank bis zu 54 Milliarden Dollar her? Die Reserven will sie nicht angreifen, aus Angst vor einem Aufschrei im Lande. Also bleibt nur die Beschaffung in Etappen.

    Die erste, für die Anschubfinanzierung nötige Milliarden-Tranche schafft Roth aus dem Nichts. Als Notenbanker kann er das. Die Notenpresse anwerfen, nennt man das im Volksmund. Die Franken-Milliarden tauscht die Nationalbank dann bei der US-Notenbank in New York gegen einen Dollar-Kredit, für den sie Zins zahlt. Der Dollar-Kredit fliesst an die UBS, die im Gegenzug die erste Tranche Schrottpapiere bei der Auffanggesellschaft abliefert. Alle weiteren Milliarden-Tranchen muss die Nationalbank am ausgetrockneten Kapitalmarkt auftreiben, gegen Zinszahlung.

    alles klar, wie die fiktive welt funktioniert?

  17. Mischa on Oktober 16, 2008 23:02

    @ titus

    hattest Du letztes jahr keinen 300’000 franken boni? dann arbeitest Du für den falschen arbeitgeber 😉

    spass bei seite, die löhne der lehrlinge sind nicht gestiegen bei der ubs. fair wie ich bin muss ich sagen bei diesen boni sind noch die für „externe“ mitarbeiter dabei (einer hat schon selbstmord gemacht), au au au 🙁

    @ röstigraber

    alle „helfer packete“ auf der welt sind fiktion. zahlenspielerei und trotzdem könnte uns der ruin einholen.
    wie kann ein blatt papier, das gestern noch fr 100.- kostete, heute für 19.- fränkli verkauft werden? papier nicht papyrus!

    gefährliche prognose meinerseits: vor ein paar hundert jahren sagte jemand wie lange ein meter sei! es sei der zehnmillionste teil des viertels des longitudinalen erdumfanges.

    nun werden wir, oder besser „die“ (vom bankenplatz), uns die definition des franken, dollars, euros oder einer neuen „stärkeren“ währung geben. wir wissen dann wir verdienen zu wenig, die krankenkassen sind zu teuer und die steuer ist ungerecht!

  18. stadtwanderer on Oktober 16, 2008 23:05

    lieber titus, danke für deinen belegt. die zahlen nehme ich mit, wenn auch nicht die verteilung. 12 milliarden und die hälfte der personalausgaben, das wird mir bleiben. war mit bis jetzt auch nicht bekannt.
    auch hier ein interessanter nachtrag aus dem ta-online:

    Auch nach dem Eingreifen des Bundes und der Nationalbank sollen einzelne UBS-Banker in den Bereichen Investment Banking und Hedge Fonds Bonuszahlungen in zweistelliger Millionenhöhe erhalten. Dies könne er nach wie vor nicht absolut ausschliessen, sagte Verwaltungsratspräsident Peter Kurer auf eine entsprechende Frage im Nachrichtenmagazin «10 vor 10» von Schweizer Fernsehen SF. Die Boni und die Löhne würden aber sicher kleiner. Die UBS sei gewillt, das Problem relativ radikal anzugehen. Kurer selber will sich dieses Jahr gemäss eigenen Angaben keinen Bonus auszahlen, weil die UBS mit einem Defizit abschliesse. Er bekomme lediglich sein Grundsalär von zwei Millionen Franken. Den Grossteil seiner Entschädigung hätte er in Form eines Bonus ausbezahlt bekommen. Die Zeitung «Sonntag» hatte im Frühling geschrieben, Kurer verdiene maximal 8 bis 10 Millionen Franken gegenüber bis zu 26 Millionen Franken seines Vorgängers Marcel Ospel.

  19. stadtwanderer on Oktober 16, 2008 23:45

    siehe da, es gibt doch gewinner an diesem tag. nicht die schweiz, aber der stadtwanderer. erstmals rangiert einer seiner artikel in den top twentyfife bei slug. dieser artikel war heute der 23. häufigst gelesene beitrag in der schweizer blogosphäre.
    es geht also tatsächlich aufwärts, liebe weltwoche. danke, dass ihr mich schon am morgen darauf eingestimmt habt!

  20. stadtwanderer on Oktober 17, 2008 00:06

    höchst interessant, was momentan auf tagi-online abgeht. soeben erscheint ein interview mit eugen haltiner, dem präsidenten der eidgenössischen bankenkommission. darin beschreibt er, wie die abläufe in den letzten tagen waren. die jetzige aktion wurde demnach am letzten sonntag abend eingeläutet; hier die entscheidenden auszüge:

    Herr Haltiner, wann ist der Entscheid für das Notpaket gefallen?
    Die intensiven Vorbereitungen für Massnahmen im Hinblick auf verschiedene Szenarien laufen schon seit einigen Wochen. Am Sonntagabend war für uns jedoch klar, dass wir handeln mussten.

    Wer hat die Sache angestossen?
    Die UBS selbst. Marcel Rohner und Peter Kurer haben einen Brief an die Schweizerische Nationalbank, die Eidgenössische Bankenkommission und die politischen Behörden verfasst. Darin bat die Bankleitung, die Transaktion auszulösen.

    Gab es noch Alternativszenarien?
    Die UBS-Führung hat bis letzten Samstag auch andere Optionen verfolgt: einen Zusammenschluss, eine Veräusserung von Teilen der Bank, ein Aufbrechen des Konzerns. Durchaus normale Überlegungen in einer solchen Situation.

    nun kann man wenigstens rekonstruieren, wer was wann hätte wissen müssen oder können, der sich heute so oder so geäussert hat.

  21. Röstigraber on Oktober 17, 2008 00:21

    danke für all die zahlenspielereinen aber ehrlich gesagt, langsam gräbt mir das die rösti ab. deshalb hier noch etwas ganz anderes, als realer aufsteller: das wunder von bilbao.
    ich grub im herbst auch für ein paar tage nach rösti in bilbao und traf dabei auch auf das guggenheim museum. seit der einweihung 1997 gilt der bizarre bau aus glas, beton und titan des amerikanischen architekten gehry als das beste, was der baskischen metropole passieren konnte, es hat bilbao zum touristischen aufschwung verholfen und mich dazu verleitet, aufzuhören nach rösti zu graben und nur noch zu schauen und zu staunen. ohne das museum hätte bilbao weder metronetz, noch tramnetz, noch den flughafen. seit der eröffnung 1997 kommt jedes jahr mehr 1 mio besucher in die baskische metropole. es sind touristen, „die früher noch nicht einmal zum tanken in bilbao angehalten hätten“, sagt mir der gesprächige kapellmeister, dessen orchester unter seinem wilden taktstock an einem lauen abend ein freiluftkonzert mit melodien aus dem dschungelbuch zum besten gibt. die fassade dieses spktakulären, futuristischen baus, der sich wie ein keil im flussufer festhackt, über das sich in einem weiten bogen eine autobahnbrücke spannt besteht aus 300’000 titanplatten. in der untergehenden sonne funkelt und blitzt das gebäude, das wie die sich auseinanderschälenden blätter einer blüte aussieht, davor fährt ein grünes tram (frau rytz hätte ihre helle freude daran) und im wasser paddelt ein kanute. Einfach zum abwinken schön und….real.
    der architekt frank o. gehry hat das museum allein schon von der äußeren Hülle her zur absolut einmaligen sehenswürdigkeit gestaltet. immer wieder zeigen sich neue verblüffende perspektiven, dieser funkelnden titanblüte mit offenen und halboffenen blättern. das innere des kunsttempels mit 19 galerien auf drei stockwerken zeigt als schwerpunkt moderne kunst aus der letzten hälfte des 20. jahrhunderts. absolut beeindruckend und zentraler orientierungspunkt des museums ist ein 50 meter hohes lichtdurchflutetes atrium. der ostflügel ähnelt einem schiffsrumpf, und die galerien sehen aus wie raumschiffgänge. eine 174 Tonnen schwere stahlschlange des künstlers richard serra windet sich 31 meter lang durch die haupthalle. tausende von kleinwüchsigen chinese, alle mit dem gleichen leicht dümmlichen gesichtsausdruck und doch jeder ein bisschen anders, belächeln dich, derweil ihr schöpfer juan munoz seit kurzem unter der erde liegt.
    mehr als eine million gäste besuchen in der zwischenzeit das museum järlich und geben in bilbao rund 215 millionen euro aus(real), das bringt bilbao einen gewinn von rund 30 millionen euro und sichert rund 4‘500 arbeitsplätze(real). da scheinen die gut 85 millionen euro baukosten (real) doch gut investiert. bilbao hat sich von einer tristen industriestadt zu einem sehr sehenswerten wirtschaftszentrum mit künstlerischen ambitionen und herbem charme (sehr geeignet auch für stadtwanderungen) gemausert. vor allem auch wegen ihrer städtebaulichen neustrukturierung: wie den bahnhöfen der Metro, entworfen von Sir Norman Foster, und der zubizuri-brücke des architekten santiago calatrava (alles real). guggenheim hat bilbao vor der bedeutungslosigkeit bewahrt. das einzige, was fehlt, ist ein stadtwanderer. doch da lassen sich die basken bestimmt auch noch etwas einfallen. das wunder von bilbao durfe ich erleben, es war real und tröstet mich über das fiktive ramschpapier hinweg, das gegenwärtig mit mit hochdruck gedruckt wird, um das finanzelle tiefdruckgebiet(fiktiv)zu überbrücken. vor allem aber hilft mir die erinnerung daran über das fast unerträgliche nur noch mit zynismus auszuhaltenden weltwöchentlichen geköppel hinweg und lässt mich gut schlafen, dehalb nicht wie „runter“. das sollten auch die armen, gestressten papiersammler, denn schon bald öffnet die börse in Japan wieder und die ramschpapiersammlung geht wieder los. der dow jones schloss übrigens leicht im……(hab es vergessen gute nacht)!

  22. Eisvogel on Oktober 17, 2008 00:45

    at alle – Durchblicken tut jetzt im Moment wohl nur noch, wer nicht durchblicken will und Gelassenheit bewahrt (dalailamistische). Alles Schall und Aktie?

    Habe mir einen hinter die Binde gekippt nach alle dem. Vor allem (at Regula Stämpfli) der hübschen Süddeutschen Variante: Ist echt hübsch. Aber greift zu kurz und schiesst am Ziel vorbei, bzw. auf die Falschen.

    Tausende US-Amerikaner verlieren ihr Haus, weil sie zu gierig waren und gar kein Haus verdienten? Und sind jetzt schuld am ganzen Puff? Was für eine Weltsicht!?

    Die Sache ist, mit Verlaub, etwas komplexer. Spannend (at Titus), dass Marx wieder gefragt ist. Ich vermute nur, dass der Brocken im Bücherregal bereits wieder Staub angesetzt haben wird, während neue Finanzintrumente grosse Blasen in den blauen Himmel steigen lassen. Leute lest den Orwell wieder. Oder John Kenneth Galbraits Anatomie der Macht. Beide haben – und dies sehr viel verständlicher – vieles über die Mechanismen von Macht erzählt. Beide immer wieder belächelt. Heute jedenfalls haben wir Newspeak in seiner höchsten Vervollkommnung – und internalisiert, verinnerlicht, total verinnerlicht. – Schluss. Punkt.

  23. Eisvogel on Oktober 17, 2008 01:04

    Noch nicht ganz Schluss Punkt. Den schöneren Schlusspunkt hat jetzt Röschtigraber gesetzt. Dazu noch: „1300: Diego López V de Haro gründet die Stadt Bilbao an der Mündung des Nervion auf dem Gebiet der Vorgängerkirche von Begoña. Zuvor hatte hier bereits eine römische Siedlung namens Bellum Vadum existiert. Aus dem römischen Namen leitete sich mit der Zeit dann der Name Bilbao ab, damit ließe sich der Städtename als Schönfurt bezeichnen“ (Historisches Kalenderblatt). – Danke für dieses ganz andere Bettmümpfeli.

  24. stadtwanderer on Oktober 17, 2008 09:00

    at alle
    liebe leute, danke für die vielen hinweise uns anregungen den ganz tag hindurch. werde versuchen, dass alles heute zu verarbeiten, wenigstens den bernteil. caymann island und bilbao hole ich dann später nach.
    ein spannender tag war das …

  25. Titus on Oktober 17, 2008 17:02

    Mich beschäftigen diese 12.5 %, die der Bund für seine „Leihgabe“ erhält. Zugleich frage ich mich, woher denn das Geld kommt.

    Nun hätte ich da eine Idee, die der Röstigraber vielleicht einmal „ganz da oben“ abchecken könnte: Bereits heute erhält man von der Steuerverwaltung mehr Zins auf zu früh oder zu viel bezahlten Beträgen als auf einem normalen Bankkonto.

    Könnte ich nun Akonto-Zahlungen für die nächsten drei Steuerjahre machen unter der Voraussetzung, dass ich 9 % Zins bekomme? So hätte ich meine paar Batzen an einem sicheren Ort (weg von der Bank, dafür beim Garanten Staat), der Bund bekommt inländisches Geld reingespült und verdient noch etwas Zins und auch die UBS bekommt ohnehin ihre Milliarden. Das wäre dann eine Win-Win-Win-Situation 😉

  26. Mischa on Oktober 17, 2008 19:50

    @ titus

    bei der ahv ist der zinssatz seit jahrzenten 5%. also mache Dich selbständig und garniere 5% auf dauer. das läppert sich, obwohl alle ausgleichskassen den auftrag haben, versuchten missbrauch zu stoppen. einem kleveren treuhänder beweist man (ahv) nie einen missbrauch!!!!

    wenn Du weitere tips brauchst, melde Dich!

  27. Andy on Oktober 18, 2008 01:19

    Der Weltwoche-Redaktion sei empfohlen, den Bericht der Eidg. Bankenkommission zu lesen. Dieser hält fest, dass es kein einwandfreies Geschäftsgebahren bei der UBS gab, das unter anderem durch fortlaufende laufenden Fehleinschätzungen der Entwicklungen ausgelöst wurde. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Weltwoche am liebsten an genau diesen Fehlern festhalten würde.

    100 Milliarden Verlusten zum Trotz.

    Eigentlich kann ich diese Borniertheit auf keine Art und Weise mehr nachvollziehen.

  28. Titus on Oktober 18, 2008 10:06

    @ Mischa
    Vorab bleibe ich bei den vorgschlagenen 9 %, die Sache mit der AHV wähle ich dann vielleicht später 😉

    Im Ernst: Woher diese Milliarden nehmen wenn nicht stehlen? In diesem Zusammenhang finde ich die gehörte Argumentation seitens Bund/SNB/EBK ärgerlich, wonach die SNB längerfristig ausgerichtet sei, diese eine Geschäftsbank aber nicht gleich tun könne. Aber hallo? !

    Deal or no Deal-mässiges Zocken weiterhin erlaubt? Nichts gelernt aus diesem Dilema?

  29. Mischa on Oktober 18, 2008 10:29

    ich denke schon, dass sie was gelernt haben, die frage bleibt aber bestehen, was sie gelrnt haben.

    es ist schon so, dass eine nationalbank, sprich die bank des staates, die konjunktur besser im griff hat, und vorallem weiter in die zukunft schaut, als eine provit orientierte bank. ausserdem hat die nationalbank eine defizitgarnatie des bundes! die snb bestimmt die geldmenge auf dem markt. fehlt was, wird gedruckt, ist zuviel da, kauft sie andere währungen. die snb ist die geldmarktregulierende bank in der schweiz und versucht so rezessionen wie auch inflationen etc. zu verhindern.
    schlussendlich gebe ich allen recht, der steuerzahler ist das a….-loch!

    @ titus

    ich wähle den koffer, der blonden, die nummer 18 😉

  30. Andy on Oktober 18, 2008 19:24

    Die Banken werden vom Staat gestützt, während sie vom eigenen Management enteigent werden. Das ist die erschreckende These zur Finanzmarktkrise im heutigen The Guardian.
    Die sechs grössten Banken zahlten dieses Jahr ihren MitarbeiterInnen bereits 70 Milliarden $ an Bonus.
    An der Börse fielen die Aktien dieser Firmen seit Anfang Jahr um durchschnittlich 50 Prozent. Das steht im krassen Missverhältnis zu den Prämien.
    Im Einzelfall „verdienten“ die Mitarbeiter mehr innert 10 Monaten als ihre Firmen noc Wert haben.
    Damit wurden diese Firmen schlicht von innen heraus gestohlen. Warum da noch Geld nachschiessen, das auch gleich abhanden kommt???

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