neu im angebot des stadtwanderers ist das immer populärer werdende gesellschaftsspiel „finanzplatzwandern“. dabei wandert mann&frau nicht rund um die zürcher börse, aber auf und unter dem berner bundesplatz. denn der wurde diese woche klammheimlich in „finanzplatz“ umgetauft. ein augenschein vor ort.

rollen und regeln
drei hauptroller braucht es für das neue gesellschaftsspiel, einen bundespräsidenten dazu als nebenroller, und rund 7’000’000 geldgeber können als statistInnen mitwirken.

der erste hauptroller wird peter kurer genannt. er spielt den präsidenten der ubs. seiner schwachen performance im 3. quartal 2008 wegen ist aber nur als leiter der ubs-filiale bern, links vor dem bundesplatz, tätig. zweiter nebenroller ist jean-pierre roth, chef der in stein gemeisselten schweizerischen nationalbank. sein startpunkt ist rechts vom finanzplatz. als dritte wirkt eveline widmerschlumpf als hauptrollerin, denn sie ist die mutige stellvertretende finanzministerin der schweizerischen eidgenossenschaft und haust im bernerhof. sie alle bekommen einen segway, dem gegenwärtigen symbol für einfühlsames geschäften, bei dem man jederzeit im gleichgewicht bleiben muss.

ausgeheckt wurde die neue finanzplatzwanderung unter dem bundesplatz. bis vor kurzem lagerte dort das überschüssige gold der nationalbank. das wurde jedoch jüngst verkauft. der leere banktresor wurde in den neuen bundesratsbunker umgebaut. abhörsicher, wie er mit all seinen sicherheitsmauern ist, kann kein feind, aber auch keine bürgerInnen mitbekommen, wie die spielregeln sind.

doch der stadtwanderer weiss mehr: hier die details!

der sog. unpopuläre teil
zuerst spielt man den unpopulären part. ubs-kurer muss dabei den ersten schritt machen, denn er hat die 60’000’000’000 wertlospapiere, die ihm seine investmentbanker in der berner filiale deponiert haben, eigenhändig im finanzplatzbunker verstauen gehen. dafür bekommt er 1 dollar, und die gesamte aufsicht über die wertlosgelder geht an die nationalbank.

doch auch für snb-roth ist der marsch in die tiefen des finanzplatzes nicht ohne. denn er muss einen kredit über 54 milliarden mitbringen, den er für minimal 8 jahre, maximal 12 jahre einer firma borgt muss, die es noch gar nicht gibt, und die auch ausser reichweite der schweizer finanzplatzwanderer sein wird.

an der auffanggesellschaft in der karibik muss sich ubs-kurer auch beteiligen. er hat 6 milliarden einzuschiessen, damit man jeweils im gleichschritt auf die cayman inseln wandert, denn ohne dass kann man ennet dem teich auch schnell mal baden gehen.

beide müssen rechtzeitig und fit von ihrer auswanderung zurück kommen: roth, weil er die 54 milliarden schritt für schritt pumpen gehen muss, wohin auch immer er dafür betteln geht. geld ausleihen muss aber auch kurer, denn er die 6 milliarden, die er einschiessen soll, gar hat nicht. dafür wandert er rüber in den bernerhof. denn dort gibt ihm mutter helvetia das kleingeld als kurzzeitkredit.

all diese neuartigen bankgeschäfte wollen mit zinsen abgeglichen sein! die wiederum muss kurer bei seinen kunden erwirtschaften gehen. der grösste vermögensverwalter der welt hofft, dank der schweizer staatshilfe altlasten entsorgt zu haben und so aus der berühmten talsohle heraus zu sein. roth ruft ihn jedoch jeden tag um 11 uhr an und sagt ihm, was man in london unter bankern erhält, wenn man sich noch geld leiht. 1/4 prozent schlägt er dann noch drauf, um sein risiko bei der gratwanderung zwischen unterstützung und absturz abzusichern. sein vorteil ist, dass er nicht in quartalsabschlüssen denken, sondern erst in der ewigkeit abrechnen muss. widmerschlumpf wiederum muss vor den nächsten wahlen aus dem schneider sein. sie verlangt für ihren kredit per sofort fixe 12,5 prozent. hat sie nach 30 monaten ihr geliehenes geld nicht zurück, wird die eidgenossenschaft 2010 automatisch ubs-grossaktionärin.

der sog. populäre teil

alle finanzplatzwanderer hoffen, dass die ubs ihre kredite zurückbezahlen kann und den weg auf den erfolgspfad wiederfindet. sollte dennoch jemand auf die idee kommen, vorher die grossbank kaufen zu wollen, muss er (oder sie) den 60 milliarden kredit gleich mitübernehmen. das sichert die unabhängigkeit der ubs, auch in schwachen zeiten, – ausser die schweiz würde von der eu gekauft, oder die ubs würde ganz hops gehen.

damit wäre aber der unpopuläre teil im finanzplatzbunker definitiv zu ende, und es begänne der populäre teil. denn die rund 7’000’000 geldgeber würden in so einem falle mit einem ansehnlichen betrag die zeche bezahlen. zu erwarten wäre dann auch eine eigentliche volkswanderung auf den berner finanzplatz, organisiert von sp und svp (motto: „miteinander sind wir stark, gegeneinander stärkt den gegner“), wo auch ein paar unschöne worte in richtung fdp, cvp und bdp abgegeben würden. der schweiz droht dann eine neuer transparentkrieg, geführt gegen die intransparenz der wichtigsten entscheidung der legislatur!

das wiederum wäre der grosse moment des bundespräsidenten. pascal couchepin übt sich nämlich jetzt schon in der beruhigung. optimist müsse man sein, wenn man heute geschäften wolle. und sich mit leib und seele dafür einsetzen, müssen man sich heute. peter kurer zum beispiel sei bereit, auf seinen bonus zu verzichten, und er, pascal couchepin, würde notfalls auch ohne weiteres länger als bisher gemeit im amt bleiben.

beides wäre dann ein vorbild für die geprellten geldgeber. denn als gute finanzplatzwanderer müsste man bei solchem einsatz für die sache notfalls bereit sein, für weniger länger zu arbeiten!

stadtwanderer


Comments

10 Comments so far

  1. Ernst Leben on Oktober 17, 2008 21:24

    Wer an die UBS geglaubt hatte und geprellt wurde, ist jetzt schon wütend.
    Besonders wenn man als normaler Mensch den Ernst des Lebens erfährt, und nur noch mit einem kleinen Lohn auskommen muss, während andere (ich meine Marcel Ospelt) sich noch rechtzeitig mit dem goldenen Fallschirm abgesetzt haben, um in Ruhe den Lebensabend zu geniessen.
    Von seinem Letzten Bonus könnten könnten 500 einfache Leute ein Jahr lang leben.

  2. Andy on Oktober 17, 2008 22:08

    Marcel Ospel sollte tatsächlich auch noch eine Hauptrolle kriegen. Denn er ist, nachdem was ich heute im Radio gehört habe, der Hauptschuldige am Schlamassel. Niklaus Senn, der Ehrenpräsident der UBS, meinte, es sei schon ein Fehler gewesen, ihm einen Bonus auszuzahlen. Schlimm sei, es wenn er ihn nun im Lichte der aktuelle Ereignisse auch noch behalten dürfe.
    Ich kann mit dem nahtlos anschliessen, und auch ich bin wie Senn kein Linker.

  3. Ate on Oktober 17, 2008 23:49

    Die Boni sind und waren uns Normalbürgern schon immer ein Dorn im Auge. Ein normaler Angestellter ist schon überglücklich wenn er aufs Jahresende hin Fr. 1’000.– als Bonus erhält.
    Aber nicht nur bei den Boni, sonderen auch bei den Salären sollte man runterschrauben.
    Es ist nie und nimmer möglich, dass ein Manager ein Jahressalär von 2 bis 3 Mio. verdient(verdient,nicht im Sinne des Salärs), geschweige denn die Leistung für diesen Gegenwert je erbringen könnte, zumal der Manager „nur“ (als Verkäufer) tätig ist und die Leistungen durch die Mitarbeiter erbracht werden, die mit Sicherheit nicht mit solch horrenden Salären rechnen dürfen.

    Komm mir bitte keiner und sage, dass der Manager ja die Verantwortung trägt. Wenn etwas schief läuft und er zur Verantwortung gezogen werden sollte, gibt er halt seinen Rücktritt bekannt und sahnt dann zusätzlich noch eine enorme Abgangsentschädigung ab.

    Das gesamte System sollte wieder zurück zur Normaltät finden, ansonsten gibt es den Mittelstand bald nicht mehr. Dann haben wir nur noch arm oder reich.

  4. Honigbaerli on Oktober 17, 2008 23:58

    welcher verlag bietet den das spiel finazplatzwandern in der schönen schweiz an?
    ein solches brettspiel im monopolystil solte man auf den markt bringen und beim kauf geht vom verkaufspreis ein teil an eine gemeinnützige organisation!

    auch ein tolles spiel ist dieses:
    http://www.honigbaerli.eu/2008/10/03/zum-tag-der-deutschen-einheit/

  5. Andy on Oktober 18, 2008 01:07

    Die Bankenkommission, welche die UBS vor der Kreditspritze untersucht hat, kommt zu einem kritischen Befund. Die Geschäfte seien nicht einwandfrei geführt worden, hält die Bankenaufsicht jetzt fest.

    Man habe im Investmentbanking eine fatale Wachstumsstrategie verfolgt, wegen der man bis zum Platz der Blase auf das Hypothekengeschäft gesetzt habe.

    Man habe die versteckten Risiken mit den gekauften Wertpapier bis am Schluss falsch eingeschätzt, obwohl es seit 2004 interne Diskussion über Diskussion gegeben habe, deren Aufnahme in die Bilanz zu limitieren.

    Man habe das gute Image der Bank dazu verwendet, billiges Geld zu erwerben, um das Geschäft mit den vergifteten Hypothekarpapieren noch zu beschleunigen.

    Man habe sich auf die Rating-Agenturen verlassen, ohne die Entwicklung selber zu analysieren. Die internen Kontrollen hätten bereits 2006 auf Probleme verwiesen, ohne dass man sich damit auseinander gesetzt hätte.

    Eigentlich verweist das alles auf ein ziemlich unvernünftiges Verhalten hin, dass durch die Zielstrebigkeit, selber Geld zu verdienen,gefördert wurde, riskant, zu Kurzfristigkeit zu nachlässigem Verhalten führte. Die horrenden Bonierwartungen haben eine nachhaltige Entwicklung verhindert, bis man die Bank an die Wand gefahren habe. Seit Ende letzten Jahres sind 40 Milliarden abgeschrieben worden, und muss der Staat nun direkt oder indirekt 60 Milliarden absichern helfen, um die Bank zu retten.

  6. bidu on Oktober 18, 2008 01:36

    wenn oisereins emol e wonsch het heissts secher „keis gäud“. wenn den aber dbanke pleite mache zouberet mer so veul gäud för wie ni no nie gesee hand u ou nie gsee werde. du kurer darf nachem diu sogar no säge, es gäbi ou ir zuekunft decke prämie. mir bescheidene meinig nach sött meer met dem zügs abfahre bis dbanke de henderscht u letscht rappe zröggzaut hei. bi chlikredite gutschiert me nämli met de normale lüüt o so. dlehre zie us em debaku wo mer säuber veranstautet hett seit me dem aube.

  7. Mischa on Oktober 18, 2008 09:49

    das spiel finazplatzwandern ist wohl das monopoly der zukunft. das feld ubs wird dann wohl den zürcher paradenplatz als teuerstes ablösen. die spielfiguren sind ja schon gegossen 😉

    zum thema boni: einem geschenkten gaul schaut man nicht ins maul! nur wir, die wir nichts erhalten haben, dürfen den üblen mundgeruch nicht auslassen!

  8. regula stämpfli on Oktober 18, 2008 10:30

    bravo stadtwanderer – deine letzten zwei beträge übertreffen jeden bisher publizierten kommentar! nur eines noch: ist es eigentlich irgendjemanden in der schweiz bewusst, dass die unabhängigkeit dieses kleinstaates in seiner gesamten geschichte noch nie dermassen aufs spiel gesetzt wurde wie beim donnerstag-entscheid der finanzplatzwanderroller? da wird nicht mehr monopoly, sondern risk oder gar roulette gespielt. funktioniert der plan, ist die schweiz und der finanzplatz leuchtendes liberales zukunftsbeispiel, geht jedoch was schief, dann tritt island mal 7 ein. finde ich doch ziemlich ungemütlich. kann mir jemand erklären, weshalb ein konstrukt gewählt wurde, das alles riskiert? sogar einen staatsbankrott der für die schweiz dem ende der unabhängigkeit gleichkäme?

  9. Titus on Oktober 19, 2008 00:19

    @ Regula Stämpfli
    …womit Sie eigentlich unterstreichen, dass wir weg kommen müssen von unserer uneingeschränkten Geld-Orientiertheit. Es kann ja nicht sein dass in wenigen Monaten das zerstört wird, wofür unsere Ahnen während Jahrhunderten gearbeitet und gekämpft haben. Und denen ging’s nicht um den Stutz.

    @ alle
    Nach dem Swissair-Debakel nun das UBS-Debakel. In beiden Fällen für die Allgemeinheit unterwartet. Es lässt sich jedoch eine Steigerung der „Dramatik“ feststellen. Der nächste GAU – jetzt male ich etwas schwarz – wäre wohl ein längerer Stromausfall. Wir, als Gesellschaft und als Teil der Weltgemeinschaft, können heute umdenken und dieses schier schrankenlose Handeln ändern. Oder wir warten die „natürliche Läuterung“ ab, denn alles hat irgendwo eine Grenze.

    So wie heute geht’s meiner Meinung nach nicht weiter – und dabei ist eine UBS nur die Spitze des Eisbergs.

  10. stadtwanderer on Oktober 19, 2008 13:05

    ich sehe, dass ich das spiel „finanzplatzwandern“ wohl schon bald erweitern muss. hier schon mal einige ergänzungen aufgrund meine sonntäglichen lektüre zur eskalation der finanzkrise und ihrer auswirkungen auf den schweizer finanzplatz.

    . vorrunde 1: seit 2005 gibt es im finanzdepartement des bundes einen krisenstab für den fall, dass eine grossbank in schwierigkeiten gerät. br hansrudolf merz, ebk-präsident eugen haltiner und snb-präsident jean-pierre roth bildeten diesen. operativ verstärkt wurde er durch peter siegenthaler, direktor der finanzverwaltung, durch ebk-diektor daniel zuberbühler und durch snb-direktor philipp hildebrand.
    . vorrunde 2: der zusammenbruch der amerikanischen investmentbank bear stearns im märz 2008 liess den krisenstab aufhorchen. er erteilte der snb einen studienauftrag, was bei einem bankencrash in der schweiz zu machen sei. als lösungsansatz wurde präsentiert: befreiung der bilanz von faulen krediten, rekapitalisierung des unternehmens. die geschäftsbanken wurden hiervon nicht informiert.
    . krisenstufe 1: mit der untergang der amerikanischen traditionsbank lehman brothers und der notfallmässigen rettung des grössten amerikanischen versicherungskonzerns aig im september 2008 setzt das politischen handeln in den usa, der eu und in der schweiz ein. in den usa wird es sofort zum politikum im wahlkampf. in der eu handeln zuerst die einzelstaaten, dann ist auf drängen von gordon brown die eu als ganzes daran. in der schweiz weiss man noch nichts von diesen aktivitäten.
    . krisenstufe 2: entscheidender moment ist der 21. september 2008. br merz liegt seit dem vorabend im koma, er wird im finanzdepartement und im krisenstab durch eveline widmer-schlumpf ersetzt. gleichentags kommt es zu einem geheimtreffen von snb, ebk und ubs. es werden drei szenarien diskutiert: durchwursteln, staatliche hilfe, fusion. der ubs-verwaltungsrat präferiert das mittlere szenario. auf dieser basis wird gehandelt. die ubs wird summarisch über das notfallszenario aus bundessicht informiert. am 2. oktober tritt der bundesrat zu einer ausserordentlichen sitzung zusammen, um das vorgehen zu beschliessen. man geht davon aus, dass für maxiaml 60 milliarden schlechte wertpapiere übernommen werden muss, 90 % davon durch die snb, 10 % durch eine rekapitalisierung der ubs selber. der entscheid wird als geheim klassiert. die snb hält das für zwingend. am 9.oktober erklärt doris leuthard im radio, der bundesrat würde einen konkurs einer grossbank verhindern.
    . krisenstufe 3: am 12. oktober tritt der ubs verwaltungsrat zusammen. er stellt fest, dass die ubs nicht mehr in der lage ist, sich zu rekapitalisieren. siegenthaler und hildebrand treffen sich in der folge mit der ubs spitze und besprechen die pflichtwandelanleihe des bundes in der höhe von 6 milliarden aus. sie verlangen 12,5 % zins während der 30 monate laufzeit. anderntags handelt man das paket unter druck des bundes aus, und es wird der bundesrat informiert. am dienstag wird der präsident der finanzdelegation, ständerat ernst leuenberger informiert, am mittwoch die ganze finanzdelegion. der bundesrat segnet das vorgehen ab, sodass am donnerstag, 16. oktober 2008, morgen kurz vor sieben die öfentlichkeit durch die snb und die ubsinformiert werden kann.
    . krisenstufe 4: die diskussion in der öffentlichkeit setzt ein. zuerst signalisieren alle grossen parteien ihre zustimmung. in der bevölkerung scheint die empörung zu überwiegen. es entsteht eine öffentliche kontroverse über die boni der ubs in der jüngsten vergangenheit und in der zukunft. die sp, teilweise auch die svp beginnen, forderungen zu stellen.

    quelle: nzz am sonntag

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