wassern im aaretal

August 6, 2008 | 5 Comments

als ich ein junge war, hätte ich mir nie die mühe genommen, über das heimkehren zu schreiben.

vielmehr hätte ich von der abreise geträumt: dem ersten schulausflug, den ersten ferien ohne eltern oder dem ersten flug. ich hätte vom losreissen berichtet. von der freiheit, der entdeckung oder dem abenteuer. der bahnhof, vielleicht auch ein flughafen wäre meine startrampe für diesen flug gewesen. für das gefühl, das letzte in der welt erfahren zu wollen.

tropf_o.jpg

doch jetzt sinniere ich über die heimkehr. wahrscheinlich werde ich auch älter.

denn immer deutlicher wird landen zum wichtigsten moment in den ferien. finde ich, was ich während der abwesenheit vermisst habe? oder schockiert mich das wieder, was ich, während ich unterwegs war, getrost bei seite schieben konnte? auf dem weg aus den ferien fragt man sich, ob man hart aufprallen wird, denn man hofft, weich aufzusetzen.

noch schwanke ich, was überwiegt: die freude oder der ärger?

die rückreise in etappen hat auf jeden fall grosse vorteile. man hat zeit sich auf das kommende einzustellen. gut ist es auch, nur schrittweise das gewohnte zu suchen und dazwischen neugierig nach ungewohntem ausschau zu halten. wach zu bleiben, und nicht gleich wieder einzuschlafen. die eigene kraft, die man aus der ferne mitbringt, in den sog der nähe einfliessen zu lassen, der einen gerne zurück haben will.

schon die schweiz ist klein, wenn man an schweden denkt. zudem sind schweizer städte eng besetzt mit menschen, wenn man sich an die weiten der fast unwohnten wälder im norden gewöhnt hat. und schliesslich kennt hier jeden jeden, sodass man ungestört nirgends hingehen kann. das alles gehört zu meinem ärger, hier anzukommen. obwohl ich genau weiss, dass das auch geborgenheit entstehen lässt, übersicht gewährt und sicherheit gibt. und mir das durchaus nicht unangenehm geworden ist.

vielleicht wird das wassern an der aare diesmal auch etwas sanfter, weil ich dank dem bloggen gar nie ganz weg war, genauso, wie ich nicht nur irgendwo bin. denn bloggen ist irgendwie immer überall und nirgendwo zu sein. auch wenn es deshalb ein wenig absurd ist, mich auf dem blog willkommen in der heimat zu wünschen, hat es mich auch ein wenig gerührt, alle diese wellcomes in den kommentaren zu lesen.

ich verspreche: werde mir mühe geben, wieder festen boden unter den füssen zu finden, um um mich frohen mutes hinter meine lieblingsbeschäftigung in bern (und anderswo) zu machen

stadtwanderer


Comments

5 Comments so far

  1. Ate on August 6, 2008 23:37

    Vermutlich galt dieses „Willkommen in der Heimat“ gar nicht Dir, sondern uns Bloggern, die wir Dich doch nun wieder etwas näher haben.

  2. bidu on August 7, 2008 01:37

    cheibe schön wie du das gschrebbe häsch. ou mini wenigkeit chonnt gärn is aaretau hei u drom sägeni wälcom&houm stadtwanderer

  3. mischa on August 7, 2008 14:45

    lieber stadtwanderer

    mein willkommen war und ist Deiner person gewidmet und auch so gemeint, denn wie Du richtig schreibst, bloggen kann man/frau von allen orten auf dieser welt.

    damit das heimkommen sanfter wird mache ich es wie Du. heimkommen in raten und dann am ersten arbeitstag nur 50%. dazu noch allen erzählen was mann/frau erlebt hat und mit den ferienpartnern über das erlebte philosophieren und lachen. all das trägt bei mir zu einer, wie Du so schön sagst, sanften wasserung bei.

    ich hoffe Du bist sanft gewassert und nun am ufer mit festem boden unter Deinen füssen.

  4. adelheid on August 7, 2008 20:25

    Lieber Stadtwanderer
    Nun bist du wieder da:-) eigentlich komisch so was zu schreiben im http://www... Danke für die spannenden Geschichten aus dem Norden. Auch liebe alte Bekannte sind immer noch und wieder da:-)

  5. walko on August 7, 2008 21:42

    lieber stadtwanderer

    ihre gedanken zwischen abreise und heimkehr gehen unter die haut, machen nachdenklich, bringen einen zur besinnung, wie ferne man sich selbst in der nähe ist.
    zugleich führen sie uns zwischen begriffswelten auf die suche nach dem wahren, nach den widersprüchen in uns.
    dafür ein herzliches dankeschön für ihre offenheit, für das angebot, auf ihrem blog innere beweggründe austauschen zu dürfen.

    zu diesem kontext einige persönliche betrachtungen:
    heimkehr hat wohl auch mit umkehr zu tun, sich von dem abzukehren, was nach der abreise erwünscht war, anzutreffen. abschied nehmen von ruhe, erholung, von zeiten der einkehr, der begegnung mit sich, dem „alter ego“ und von der gefundenen weite, die für tiefgehendes aufgesucht wurde.
    heimkehren aus sehnsucht nach dem gewohnt geborgenen, vielleicht back to the roots und doch an einen ort, wo das suchen nicht zur ruhe kommt, einen wieder in die ferne zieht.
    der widerspruch in uns zwischen freude und ärger lässt uns nicht los, treibt ein arges spiel, das uns zuwider und trotzdem unsere heimat ist.

    ade und bis bald wieder
    walko

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