no more milky way

November 10, 2008 | 5 Comments

keine angst, ich mache keine meldung in sachen firmenschliessungen! es geht nicht im schokolade, sondern um unsere milchstrasse. wir sehen sie kaum mehr. nicht weil wir in dunkeln löchern leben würden, ganz im gegenteil, weil die nächte so hell geworden sind.

„national geographic“ hat mich am wochenende geschockt. denn in der aktuellen ausgabe werden die jüngsten forschungs-ergebnisse der lichtverschmutzungs-wissenschaft referiert.

schon beim begriff stutzt man. und bei der sache nicht weniger. denn auf dem titelblatt angekündigt wird nicht geringeres als das ende der nacht.

schuld ist das urbane leben, das ich so liebe. am schlimmste ist die werbung, denn die lichtsucht der sog. kreativen stiehlt uns die dunkelheit. es folgen die architekten, die hochhäuser bauen, in denen die menschen vereinsamen und deshalb stets und überall licht an machen. und am ende kommen auch noch die autobahnen ihr fett ab. übertriebener eifer beim sicherheitsdenken erhellt uns nicht. doch stiehlt es uns die sicht auf den himmel.

europa brennt, könnte man meinen, wenn man sich die karten der lichtverschmutzungswissenschafter ansieht. denn alles ist hell. je städtischer desto schlimmer. die poebene sticht heraus, und flandern auch. london, paris, madrid, berlin und wien sind bald überall.

das alles ist nicht ohne folgen für die mensch und tier: für zwei drittel der europäerInnen gibt es gar keine richtige nacht mehr. der himmel ist unnatürlich hell, sodass die galaktische orientierung ausbleibt. wir alle leben heute am polarkreis, wo es nördlich davon im sommer nicht mehr dunkel wird. und südlich: das gleiche auch im winter. tendenz: rapide verbreitung auf dem alten kontinent.

doch nicht nur das: auch die vögel sind ganz verwirrt on der heller werdenden nächte. sie sterben in scharen, vor allem die beliebten singvögel, weil sie zu tief fliegen und des „nachts“ in menschengemachte umgebungen krachen. schon gibt es schulen, die tote vögel einsammeln, um uns zu zeigen, wie weit wir schon gegangen sind.

ich bin ganz unsicher geworden nach der artikellektüre. als erstes sagte ich mir: übertrieben! doch jetzt hallt das gelesene nach: gibt es ob all den strassenlampen die milchstrasse noch? gibt es milky way bald effektiv nur noch mit menschengemachter schokolade?

stadtwanderer


Comments

5 Comments so far

  1. bärbi on November 10, 2008 22:21

    hallo stadtwanderer, sitze zu späterer stunde auch bei beleuchtung – aber ich denke, der schock-blick auf die karte zeigt: hier muss man massiv runterkommen mit dem licht, sieht ja schrecklich aus. und dann noch das energiesparpotential. Irgendwie erschreckend auch, dass dort wo besonders viel licht gemacht wird, auch viele einsame menschen sind. ist ja traurig. aber in skandinavien würd ichs in den dunklen nächten ja noch eher verstehen. mein vorschlag: statt licht vergeuden und die welt verseuchen mit licht, raus aus der einsamkeit, sich irgendwo einer aktion oder einer schlauen vereinigung anschliessen und etwas sinnvolles tun für sich UND diese welt.

  2. Titus on November 11, 2008 00:42

    Kürzlich habe ich beobachtet, wie ein Grossverteiler ein Geschäft quasi bei laufendem Betrieb umbaute. Vorher: Heller Plattenboden; Nachher: Schwarze Platten. Die Beleuchtung war noch nicht angepasst, sodass der Unterschied aufgrund dieses Farben-Wechsels besonders deutlich hervor trat. Dieses Beispiel zeigt, dass man selbst in geschlossenen Räumen noch immer nicht umdenkt. Strom ist einfach noch immer zu billig.

    Mein Vorschlag bei geschlossenen Räumen wäre daher:
    Es gibt einen Standard-Strompreis für den Verbrauch bis zu x kwh pro Person (Private) oder m2 (kommerzielle Nutzung). Was darüber hinausgeht, kostet das Fünffache (zum Beispiel). MieterInnen können bei der NK-Abrechnung einen Abzug von CHF y .– geltend machen, wenn in ihrer Wohnung keine Geräte mit Effizienzklasse A stehen.

    Kommerzielle Strombezüger zahlen nach 19.00 h ohnehin das Fünffache (als Beispiel), worin auch automatisch die Aussen- oder Schauffenster-Beleuchtung enthalten ist.

    Und die Verantwortlichen der öffentlichen Hand, welche nachts noch irgendwelche Bäume von unten beleuchten oder Lampen in Trottoirs versenken lassen, welche direkt in den Himmel strahlen, diese Verantwortlichen sollten nachts in ein Drehrad eingespannt werden, mit welchem sie diesen Strom zu generieren haben… (ich glaub‘ eine Nacht würde genügen um sie zum Umdenken zu bringen 😉 )

  3. Mischa on November 11, 2008 16:15

    lichtverschmutzung ist eigentlich schon lange ein thema. warum gibt es zum beispiel keine sternwarten mehr in den städten im mittelland etc. auf der ganzen welt sind die sternwarten in regionen wo es weder städte noch industrie noch sonst was gibt, siehe chile. milky way ist schon lange von der bildfläche verschwunden. es werden nur noch objekte bis zu 4 mag wahrgenommen anstatt wie früher bis zu 6 mag.

    ich glaube nicht, dass wir hier mit strom sparen wirklich etwas bewegen können. logo, strom sparen ist auch wichtig aber dies löst das problem des lichtsmogs nicht…

    einige stichworte die vom lichtsmog beeinflusst werden;
    – wachstumszyklus der pflanzen
    – insekten und vögel (wie stadtwanderer schon erwähnte, dies führt bis zum aussterben von tierarten
    – chronobiologie des menschen, vorallem der hormonhaushalt. hier gibt es interressante studien über den einfluss des lichtes und der impotenz der menschen. postuliert wird auch die akzeleration der pubertät bei mädchen…
    etc etc etc.

    das dabei noch eine unmenge an energie verbraucht wird ist natürlich nicht zu vernachläsigen.

    meine lösung: knippst nach 23:00 uhr das licht aus, in allen städten.

  4. Eisvogel on November 11, 2008 21:37

    at alle Drei

    Als Kind, vor 40 Jahren!, habe ich auf Formentera Nacht für Nacht da hinaufgestarrt. Eine grosse, breite und gut sichtbare Milchstrasse war ein wunderbarer Wegweiser in die Unendlichkeit. Selbst in den Schweizerbergen in sternklaren Nächten ist sie so seit Jahren nicht mehr zu sehen.

    Wir sollten, wir müssten, eigentlich sollte man, endlich müsste etwas geschehen, Handeln ist angesagt… Die Forderungen einzelner Rufer in der Wüste verhallten und verhallen ungehört. Medien (und Klöpplers Woche ist nicht die einzige) haben jahrelang diese Rufe entweder nicht publiziert oder sich darüber lustig gemacht (z.B.“Das Waldsterben hat nicht stattgefunden“((Klöpplers Weltschau)).

    Ja, Mischa, das Thema wäre schon lange ein Thema, ist aber nie wirklich eines geworden.

    … Das ganze hat mich mal wieder in eine pessimistische Stimmung gestürzt. Hab mir drum grad jetzt eine Sendung von Maja Brändli noch einmal angehört (Kontext/ Neue Medien – Jugendliche hören anders) und kann jetzt nur drei Dinge sagen: 1. Sendung unbedingt anhören. Mit meinem Namen verlinkt (Brändli in meinen Ohren eine der wenigen herausragenden CH-Journis – sie stellt Fragen, die Fragen sind)). 2. Das Glas ist halb voll – Die Einschätzung ihres Gesprächspartners – Medienwissenschaftler Mirco Marr (spannende Antworten und mehr Optimismus für mich). 3. Eine Aussage von Marr: „Programmauftrag (der öffentlich-rechtlichen) heisst auch: Themen setzen“. Dieser Programmauftrag wird m.E. zuwenig umgesetzt. Auch unsere Leitmedien sind teils blind auf beiden Augen. Das Thema Klimawandel wurde erst ein Thema, als es dramatische Bilder über Eisbären gab, die elendlich ertrinken, weil ihr Boden wegschmilzt. Knut lässt grüssen.

    Fazit: Vielleicht sollt ich den Gratiszeitungen wenigstens ein klein bisschen etwas wohlgesinnter sein. Vielleicht. Mindestens machen sie den öffentlich-rechtlichen Dampf.

    p.s. Der Eisvogel ist seit Jahrzehnten in Gefahr auszusterben, weil Bäche und Flüsse zubetoniert bzw. kanalisiert wurden. Er stirbt auch, wenn er angelogen wird.

  5. bärbi on November 11, 2008 23:54

    Lieber eisvogel, du sollst ja mit uns leben, damit wir dich weiterhin bewundern können und überhaupt natürlich! und wegen der lügen: ja das kann genauso zum tod führen. Heute abend in der Podiumsdiskussion zum verbandsbeschwerderecht haben sich die gegner für dich jedenfalls mächtig ins zeug gelegt, und klartext gesprochen. Damit am 30. November wirklich ein NEIN in der Urne landet. Und wir weiterhin für die Natur und den Eisvogel kämpfen können.

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