es blitze und donnerte wie bei einem alpengewitter. doch der stadtwanderer hatte sich nicht in den bergen verirrt. er war auf einladung in der freiburger kathedrale.

françois seydoux in voller aktion (foto: stadtwanderer)

er hätte gerne noch lange über seine orgel berichtet, wäre es gestern nur nicht so kalt gewesen. denn keiner kennt den fribourger orgelbauer aloys mooser und sein imposantes instrument in der kathedrale so gut wie françois seydoux. am institut für musikologie der lokalen universtität ist er assistenzprofessor für orgelmusik. an vielen orten wirkt er als experte für die restauration alter orgeln. und in fribourg ist seydoux der mann, der wie kein anderer alle register ziehen kann.

das macht françois seydoux an diesem abend perfekt zweisprachig für herbert ming, den freiburger korresponenten von radio drs. 60 jahre alt wurde der journalist mit dem unverkennbaren senslerdialekt. 60 gäste hatte er dazu nach fribourg geladen.

das fest selber würde im café du st. gothard („assiette fribourgeoise“) sein, hiess es auf der einladung, das apéro wiederum bei yvonne lehnheer im espace jean tinguely et niki de saint phalle. doch vorher treffe sich die gesellschaft vor der kathedrale zur exklusiven führung in luftiger höhe durch die kathedrale.

bei der orgel angekommen, setzt sich françois seydoux locker auf die bank, denn zuerst ist beim professor theorie angesagt. erklärt wird den interessierten der spieltisch mit mit den tasten und pedalen. erläutert werden die verschiedenen pfeifenfamilien („schlank, mittel, bauchig“), die im luftstrom der orgel schwingend ihre töne erzeugen. klangfarben wiederum, führt seydoux aus, erzeugt man durch das ein- und ausschalten der zahllosen register.

doch dann dreht sich der organist wie ein wiesel auf seiner bank, um ganz praktisch in die tasten zu greifen. von lieblich-feinen tönen bis hin zu gewaltig-imposanten entlockt er der prachtsorgel alles, was sie zu bieten hat. zuerst schulbuchmässig in einzelnen tonfolgen, dann in kleinen musikstücken, die er passend zur weihnachtszeit ausgesucht hat.

dazwischen macht wirbt der organist mit der geschichte des instruments, die er in- und auswendig kennt. in den 1820er jahren habe der blitz in den kirchturm eingeschlagen und die alte orgel zerstört, beginnt er. aloys mooser, der bekannte orgelbauer gleich um die ecke des münsters, habe den auftrag bekommen, eine neue zu bauen, fährt der erzähler fort. problemlos sei das nicht verlaufen, berichteten die akten, denn der künstler und der staat hätten mehrfach unterschiedliche vorstellungen gehabt. 1834 sei die orgel, die im in- und ausland keinen vergleich zu scheuen hat, endlich fertiggestellt worden. das wunderding lockte in der folge zahlreiche musiker der epoche wie franz liszt, der berühmste pianist der romantik, an, nach fribourg zu kommen.

gestern abend hatte es wiederum zahlreiche wohlklingende namen auf der empore, wenn auch keine musiker. gekommen waren vor allem journalistInnen, die meisten bekannt als korresponedentInnen und redaktorInnen von radio drs. aber auch wegbegleiterInnen des jubilars, von der familie bis zu stadtpräsidentinnen, waren da, um den orgeltönen zu lauschen.

francois seydoux wusste – gott sei dank! – um die kälte im gotteshaus. und so fasste er sich schon nach einer lektion ein herz, um sein publikum in der kathedrale untern platz nehmen zu lassen, und die „scènes pastorales et orage dans les alpes“ von charles blanchet so über die gäste zu ergiessen, dass einem die töne und klänge, melodien und kracher nur so durch mark und bein, aber auch herz und gemüt gingen.

stadtwanderer


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