stein1.gifgestern war ich in der „arena„. die abstimmung über „volkssouveränität statt behördenpropaganda“ wurde verhandelt. unmittelbar nach der sendung wurde ich von einem fan angefragt, ob ich für einen anlass in den freiburgischen sensebezirk käme? „klar“, antwortete ich. mein silvester 2008 könnte damit einen unerwarteten ablauf bekommen.

meine eltern lernten sich im fribuorgischen le mouret kennen. das liegt im saanebezirk, gut 10 kilometer südlich der stadt fribourg, und hart an der sprachgrenze. auf der andern seite des grabens liegt sankt silvester, ein kleines dorf, das sich etwas verträumt an die freiburgischen voralpen anschmiegt. markantes punkt im ort ist die kirche, zuoberst auf einem hügel, der gerade gross genug ist, um dem gotteshaus und dem friedhof rund herum platz zu bieten.

1148 wird st. silvester erstmals in einer urkunde erwähnt. schon damals stand eine kapelle auf dem heutigen kirchberg, die dem heiligen st. silvester geweiht war. die kapelle hat der gegend denn auch den namen gegeben; noch heute ziert der grüne hügel und die weisse kirche, umgeben von zwei bäumen, das wappen der gemeinde.

das alles verweist, wie elementar das leben in der peripherie ist, – gleichzeitig aber auch, wie flächendeckend sich das christentum ausgebreitet hat. denn der heilige silvester war kein beliebiger, sondern der erste bischof von rom, der nach der zulassung des christentums im römischen kaiserreich wirkte und nicht als märtyrer starb. er profitierte vom edikt von mailand, dass die christenverfolgung beendet hatte. erlassen wurde es von konstantin, dem ersten christlichen kaiser, der das zentrum des reiches in die von ihm erbaute (und am 11. mai 330 eingeweihte) stadt konstantinopel (heute istanbul) verlegte. dem bischof von rom gab das die möglichkeit, die sich als herr über die alte kaiserstadt herauszuheben und sich als papst über die anderen bischöfe zu sehen.

papst silvester starb am 31. dezember des jahres 335. im christlichen kalender wurde dieser tag zu jahreswende, weshalb der heilige silvester auch als patron für ein gutes neues jahr angerufen wird. in st. silvester steht man dafür sehr früh auf. um 5 uhr morgens wird in der kirche ein feierliches hochamt abgehalten. die bauern bitten nach traditioneller sitte ihren schutzherrn silvester, was eigentlich waldmann heisst, um ein reiches futterjahr für ihre tiere; hierfür tragen die gläubigen kleine opferfigürchen, die mensch und tier symbolisieren, auf den altar. der pfarrer wiederum erhält seit menschengedenken käse und schinken, als dank dafür, dass auch er seine schäfchen vor seuchen bewahre.

es kann gut sein, dass auch ich am ende dieses jahres in st. silvester bin und, wer weiss, mir in der dortigen „arena“ gedanken mache, wie das leben am rande der zivilisation aus heidnischen und christlichen traditionen entsteht, – fast genau dort, wo sich mein vater meine mutter kennen gelernt haben.

freuen tät’s mich!

stadtwanderer


Comments

16 Comments so far

  1. stadtwanderer on Mai 13, 2008 21:55

    da kann die letzte arena sendung nicht mithalten: bei der nächsten austragung der sendung am freitagabend kommt es zum grossen showdown. es treten die jetzige justizministerin, eveline widmer-schlumpf, und ihr vergänger in diesem amt, alt-bundesrat christoph blocher gegeneinander an.
    doch sollte man bei alledem, was das verspricht, nicht vergessen, dass es hier um eine sache, sprich um menschen und rechte geht!

  2. weissnicht on Mai 13, 2008 23:16

    Hallo! Eine Sache, sprich um Menschen geht. Wie bitte??

    Es wäre wirklich DAS Highlight, sowas hätte die Arena noch nie gesehen oder gehabt.

    Aber leider, leider. Sobald Blocher zusagt, wird Frau Widmer absagen.

    Bin gespannt!

  3. bidu on Mai 14, 2008 00:57

    tschou zäme! ämu im bäre hett das iigschlage wie de blezz. aus hett nor no öber das gschwätzt. de chlii blocher sigi de köder gsi u de gross blocher de hecht wo aus wärdi frässe. de wasserfaue hägi do kei schans wärde secher abfaue aber d’wedmerschlompf müessi uufpasse dass sie do derbei ned onder göchi hei si gseit.
    mech säuber hets gfröt dass de amstotz adi dr erscht gsi esch wo dronder cho esch. dr fautsch vize esch vom rechtige chef schnuerstraks us dr arena uusgschaffet worde. d’revolution fresst as erscht die eigene glögglifrösch hani meer dänkt.

  4. stadtwanderer on Mai 14, 2008 22:51

    so, weissnicht&bidu, ihr seid ja wieder mal vereint am kommentieren gewesen, gestern abend und nacht. ihr habt sicher das thema des tages getüpft. eveline widmer-schlumpf kennt nichts: sie tritt in der „arena“ gegen die svp-inititive zur einbürgerung an. sie bekommt ein spezielles rednerinnenpult, dass die mitglieder des bundesrates, die in die arena gehen, von nun an immer bekommen sollen.
    ews wird von vier gewöhnlichen umrahmt: nationalrat toni brunner, svp-präsident, bürger christoph blocher, svp-vize, prof. daniel jositsch, sp-nationalrat, und christian wasserfallen, fdp-nationalrat.
    das highlight, das weissnicht gestern für nichtmögich gehalten hatten, scheint also zu stande zu kommen. fragt sich noch ob sich auch bidu resp. seine bären stammtischrunde täuscht, das ews untergehen wird.
    jedenfalls ein knallharte sache, wenn man bedenkt, dass die svp-parteispitze tags darauf über den ausschluss ihres mitglieds in der landesregierung berät.
    am ende werde ich noch eine rubrik „arena“ auf dem stadtwanderer einrichten müssen!
    ps:
    meinem artikel über st. silvester scheint es auf jeden fall dienlich zu sein, was da für aufmerksamkeit entsteht. er ist bei den aufrufen schon an dritter stelle aller artikel auf dem neuen stadtwanderer.

  5. weissnicht on Mai 15, 2008 10:59

    Ja, da wurde die Frau Widmer von der SVP recht getürkt (darf man das in der heutigen Zeit noch sagen?)
    Zugesagt hat sie für die Diskussion mit Brunner/Amstutz und dann schneit man ihr den Blocher rein.
    Zurück kann sie nicht mehr, aber ich glaubs erst, wenn ich sie in der Arena sehe.

    Ein guter Schachzug zu ihren Gunsten, war ihr gestriger Auftritt bei der CVP mit Sicherheit auch nicht.

  6. stadtwanderer on Mai 15, 2008 11:20

    der begrifft „getürkt“ stammt aus der militärsprache und meint wohl bewusste, organisierte vortäuschung:

    „Das 1916 von dem Hauptmann a.D. und Bibliotheksrat an der Preußischen Staatsbibliothek Walter Transfeldt begründete Werk Wort und Brauch in Deutschlands Heer und Flotte gibt dazu folgende weiterführende Erklärung: Unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861) ließen Kommandeure bei Truppenbesichtigungen von ihren Verbänden gerne eindrucksvolle Gefechtsübungen abhalten, deren Ablauf jedoch zuvor sorgsam einstudiert worden war. Dies war zwar dem Ausbildungszweck eines Truppenmanövers ausgesprochen abträglich (und wurde im Exerzierreglement von 1906 deshalb auch ausdrücklich untersagt), ließ aber den Kommandeur vor dem Besichtigenden gut dastehen.“

    ich würde den begriff stehen lassen, wenn sie toni b. als kommandeur sehen, verlautbarungen der svp als „sorgsam einstudierte gefechtsübungen“ verstehen, und die tv-zuschauer in den rang eines preussischen königs erheben …

  7. weissnicht on Mai 15, 2008 15:23

    Schon wieder was dazugelernt! Danke.
    Gehe nicht davon aus, dass dieser Ausdruck heute noch die gleiche Bedeutung hat wie vor mehr als 150 Jahren.
    Getürkt – gelinkt – hinters Licht geführt… ist doch alles dasselbe.
    An den 12. Dez. muss ich Sie ja nicht erinnern, darum übernehme ich die Worte vom heutigen Tages-Anzeiger: „Es war eine klassische Falle, die die SVP Eveline Widmer-Schlumpf stellte.“

    Eigentlich bezog sich meine Frage darauf, wenn ich in der heutigen Zeit „getürkt“ schreibe, obs da nicht einen Aufschrei gibt und mit erhobenen Zeigefinger Rassist in meine Richtung gebrüllt wird.

  8. stadtwanderer on Mai 15, 2008 15:30

    guten tag,
    das war mir schon auch klar, mit den türken und dem getürkt. ich wollte sie aber auf dem anderen fuss erwischen …
    die schweizer und die türken haben ja was gemeinsam. kaiser maximilian, der als junger erzherzog und könig die reform seines reiches verantrieb, hatte bei seinem versuch, das reich zu vereinheitlichen, mit vielen widerständen zu kämpfen. zu den erbittersten widerständlern zählten die eidgenossen auf der einen seite, weil sie teil des reiches war, und die türken anderseits,weil sie dieses generell bedrohten. so verwendete er die begriffe eidgenossen und türken bisweilen als synonyme, und zwar im klar abwertenden sinne.

  9. weissnicht on Mai 15, 2008 17:08

    Lassen Sie doch meine Füsse in Ruhe. Die zwei armen haben schon genug damit zu tun, dass sie meine 50kg jeden Tag rumstemmen müssen.

    Es muss noch eine 3te Geschichte geben in Bezug auf die Türken und zwar hat die etwas mit dem Türkenhonig, den man auf den Jahrmärkten kaufen kann, zu tun. Ich versuch sie rauszufinden, bis dahin begnügen Sie sich bitte mit der Erläuterung des Duden: getürkt(ugs. oft als diskriminierend empfunden für vorgetäuscht).

    Wünsche Ihnen einen schönen Abend. In Zürich sieht es nach einem Wetterwechsel aus. Da freue ich mich schon drauf, wenn der Wind im 4ten Stock um die Ecken pfeifft, fühle ich mich jeweils wie eine Schlossherrin. Nicht mir schon wieder auf die Füsse treten! Es erinnert mich immer an die alten Schloss-Gruselfilme.

  10. stadtwanderer on Mai 15, 2008 20:01

    das mit der schlossherrin verbindet uns ja wirklich, obwohl ich nur im 1. stock mit flachdach wohne. ich würde ja so gerne in einem schloss wohnen.
    andere sind ja schlossherren zu rhäzüns. und auch mal wieder in der arena zu sehen.
    eigentlich überrascht das ein wenig. als der schlossherr noch bundesrat war, wollte er sich nicht mit alt bundesrätin dreifuss über das asylgesetz auseinandersetzen. jetzt, wo er selber als bundesrat ist, macht ihm das scheinbar nichts aus, eine amtierende magistratsperson herauszufordern.
    ich werde mir das wohl nur schon deswegen ansehen. hatte ich doch mal geschrieben, am verhalten von altbundesrätInnen können man den wandel der politischen kultur ablesen.

  11. weissnicht on Mai 15, 2008 22:24

    Ich fand es dazumal daneben, als Frau Dreifuss eine Diskussion mit Blocher suchte. Wollte sie noch einmal einen Höhenflug spüren?
    Ihre Höhenflüge spürten wir ja zur Genüge. Sei es jetzt als sie mit einem Fluggzeug voller Asylanten in der Schweiz landete, „ohne Genehmigung“. Sei es, dass sie unser Gesundheitswesen fast zu Tode gewirtschaftet hat? Die Auswirkungen sehen wir ja seit Jahren anhand unserer Krankenkassenprämien.

    Und ich denk auch, dass die morgige Diskussion absolut nicht vergleichbar ist mit einer Diskussion übers Asylgesetz Dreifuss – Blocher, obwohl ich merke, auf was sie abfahren wollen.

    Die morgige Arena wird themenbezogen und anständig ablaufen. Am Samstag hingegen wird es dann interessant.
    Ich glaub immer noch nicht, dass Frau Widmer kommt.

    Bezüglich Schloss. Schauen Sie doch zwischendurch auf Ebay. In Österreich wurde kürzlich mal eins zum Spottpreis veräussert. Zwar im desolaten Zustand, aber es war immerhin ein Schloss.

  12. stadtwanderer on Mai 15, 2008 22:29

    habe darauf gewettet, dass das nicht miteinander vergleichbar sei. merci, hab grad gewonnen!
    ich denke trotzdem: es ist vergleichbar. in diesem fall ist es noch krasser. es geht nicht nur um politik, es geht auch um eine wenig verdaute abwahl!

  13. weissnicht on Mai 15, 2008 23:37

    Sie liegen total falsch mein Lieber.

    Es geht nicht „nur“ um Politik, es geht rein nur um die Politik. Und so soll es auch sein und bleiben.

  14. bidu on Mai 16, 2008 00:55

    auso ig ha höt froid gha dass de bleck über öisi essvaupee brechtet het. ds dotzige esch d’zörcher art ds politisiere em gmeindshous u ir weertschaft nüd verloore. si stö rechts, aber si aagständig ned wie die schnodergoofe vom blocheer flögu.
    öps geschiit esch, das wedmerschlompf i dere situaton ir arena gheit go rede wärde meer ersch nach gschlagniger schlacht wösse. mi meinig esch si cha nor verlüüre ond am angere tag rächnet me eere das no för wenn ome uusschlos geit.

  15. weissnicht on Mai 16, 2008 16:51

    Ach du heiligs Blechle!!

    *****Nun bin ich aber baff*****

  16. weissnicht on Mai 16, 2008 23:37

    Mein Baffsein gab ich kund, war wirklich erstaunt.
    Noch erstaunter hingegen war ich, als ich die Arena nach 20min. abstellte. Gabs noch nie bei mir.
    Ich kann das ewige Dreingequatsche nicht mehr ertragen. Diesen Politikern sollte man mal einen Anstandskurs auferzwingen.

    Zu Ihrer Freude: Blocher fand ich in den ersten 20min. verdammt schlecht.

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind