longchamp entführt

Januar 29, 2009 | 18 Comments

gestern sah man ihn noch live in der tagesschau. heute sendete man nur noch archivbild aus besseren zeiten. denn longchamp, der schweizer fernsehnation in abstimmungszeiten ein begriff, ist vor der küste von somalia entführt worden. piraten halten ihn in schach und sind nur gegen eine zweistellige milliardenzahlung aus der bundes-boni-kasse, den prestigeträchtigen fang wieder ins meer zurück zu lassen.

in der heute ausgebrochenen krise setzte bundespräsident hansrudolf ohne zu zögern die task force „longchamp“ ein. als mitglieder bestimmte er moritz, pascal und doris. tagungsort war eine bar in davos, wo man sich ja gegenwärtig aufhält, um den ernstfall „welt“ zu besprechen. moritz habe als erster das wort ergriffen und für einen solidaritätsaufruf zugunsten des entführten via seinen blog plädiert. pascal sei in rage gekommen. patriotischer eifer sei gut und recht, aber kein weltweiter generalstreik der blogonauten sei angesagt, sondern der einsatz der schweizer armee! doris habe in der polarisierten situation zwischen den aufgebrachten streithähnen zu vermitteln versucht, wohl wissend, dass sie mütterlicherseits mit dem entführten entfernt verwandt sei, und man eine unüberlegte aktion – in die eine oder andere richtung – im freiamt nicht verstehen würde.

ausserhalb der task force rumorte es angesichts der sich abzeichnenen handlungsfähigkeit des hohen ausschusses gewaltig. pascal wolle vor der prämienhausse bei den krankenkassen ablenken, titelt der chefredaktor des blick in seiner morgigen ausgabe. „aktionismus. zur philosophie und kommunikaton von moritz l.“, lautet der report von constantin seibt, der heute schon in der online-version des tagi-netzwerkes nachzulesen ist. „go, doris, go“, schlägt schliesslich die nimmermüde doris fiala ihrer namensbase in einer kolumne in der morgigen nzz vor. politisches asyl in der zürcher fdp bietet sie der magistratin an, sollte sie mit ihrem alleingang scheitern.

findige meinungsmacher wissen, dass das alles nur mediale nebenschauplätze sind. denn der effektive politische tatort war heute der flughafen kloten. micheline sei am mittag beobachtet worden, wie sie den bundesratsjet bestiegen habe, um nach mogadischu abzufliegen. eine gruppe stolzer töchter und söhne du canton et de la républiue de genève befinde sich schon seit tagen in somalia, um sich auf den ernstfall vorzubereiten. morgen schon wolle man den longchamp befreien, unter höchstpersönlicher anführung von micheline! das wiederum hat am nachmittag ueli in seinem erdloch in bolligen aufgeschreckt. einer der aussichtsreichsten favoriten für das amt des neuen armeechefs sei dazu gestossen, habe kurz salutiert und im namen der „gruppe für eine schweiz mit mut (gsmm)“ gesagt, das sei die stunde, um der welt zu zeigen, wer die beste armee der welt habe. „ich“, habe ueli keck geantwortet. „sicher nicht die genfer“, sei von seinen vbs-beratern zu hören gewesen, und „die eu-zentrale schon gar nicht“, habe der pressesprecher der svp im just niedergeschriebene communique schon mal vorsorglich festgehalten.

ob all dieser unsachlichkeit der politik empört, sass eveline im berner bundeshaus, wo sie alle bdp-mitglieder in ihren büro versammelt hatte. denn die schlaue juristin aus felsberg hatte eine idee, wie man die sich abzeichnende politische blockierung in der schweizerischen vetokratie der parteitaktiker definitiv knacken könne. die kommende volksabstimmung über die personenfreizügigkeit solle man verschieben, will sie dem bundesrat am kommenden mittwoch an seiner ordentlichen sitzung beantragen! denn die korrekte auszählung am abstimmungssonntag sei ohne longchamp, den hochrechner der nation, nicht gewährleistet. die entscheidung solle wie bei der iv auf den kommenden september verschoben werden. das würde die leidige frage der ubs-boni im laufenden abstimmungskampf entschärften. die migrantenzahlen könnten bis dann genauer ermittelt werden, und die weltwirtschaftskrise, von der man nun auch im bündnerland rede, sei bis dann durch präsident obama sicher gemeistert.

im fall „longchamp“ könnte man so mit allen verhandeln: mit den skrupellosen piraten, mit der laschen finanzmarktaufsicht, mit der provozierenden sp, mit der emotionsgeladen svp und mit der paparlysierten armee. denn darum gehe es. hinter vorgehaltener hand werde über den ausschluss der bündner legionen aus der armee diskutiert, sollten sie ihr jagdblut verspüren, und – gemeinsam mit den kommunistischen genfern – für ein aufrechtes handeln in der gegenwärtigen krise einstehen!

stadtwanderer z.Z. am golf von aden


Comments

18 Comments so far

  1. Eisvogel on Januar 30, 2009 00:54

    Mann, schreib endlich das Buch. – Oder schreib keines und blog einfach weiter. – Wunderbares Bettmüpfeli war das. Und Gruss.

  2. Titus on Januar 30, 2009 03:11

    Die Schweizerin des Jahres hat Recht: Will die Schweiz am 8. Februar nicht in eine Staatskrise stürzen, weil die Personenfreizügigkeit von „Longchamp“ schon jetzt eingeschränkt wurde, muss sie die Abstimmung verschieben!

    Denn die Armee ist keine Option: Die ist am WEF, bewacht jedes Hundehäuschen und schiesst etwas ziellos in der Gegend rum.

    Von den östlichen Nachbarn kann keine Hilfe erwartet werden: „Wie am 7. Januar betont, haben Österreich un die Schweiz vieles gemeinsam – so auch die Neutralität“, lässt Bundeskanzler Feymann ausrichten.

    Die Deutschen sind zu sehr mit der Wirtschaft und der Arbeitslosigkeit sowie mit der eigenen Bahn beschäftigt, als dass man jetzt der Steueroase Schweiz noch zur Hilfe eilen könnte.

    Die Italienier haben wegen den zahlreichen Flüchtlingen zu kämpfen. Zudem will man in Kürze auch die Armee für den Unterhalt der Cisalpino-Züge einsetzen, damit diese wenigstens dann fahren, wenn die FS nicht bestreikt wird…

    Und auf die französische Diplomatie kann auch nicht gezählt werden: „Rien ne va plus“ heisst es da, weil Präsident Sarkozy irgendie 1 Mio. aufgebrachter Bürger wieder beruhigen muss.

    Die Lage ist wirklich ziemlich niederschmetternd. Einziger Trost: „Longchamp“ führt wenigstens weder Umfrageergebnisse noch Hochrechnungen mit sich. Zudem seien die Personen im Umfeld von „Longchamp“ unverletzt.

    P.S. Oswald Sigg liess soeben verlauten, dass zurzeit abgekärt werde, ob man im Falle einer Abstimmungsverschiebung das bereits verschickte Stimmmaterial den jeweils örtlichen Fasnachtsgesellschaften zwecks Konfetti-Produktion und als Kanonen-Futter abgeben könne. Eine Einlagerung in die Zeughäuser sei in jedem Fall ausgeschlossen. Zudem rechne BR Merz zurzeit nach, ob die Ramschpapiere inzwischen schon an Wert in der Höhe der Lösegeldforderung gewonnen hätten.

    😉

  3. bärbi on Januar 30, 2009 08:03

    schön gegolft, statdtwanderer! weiter so, am besten mit einem birdie 😉

  4. stadtwanderer on Januar 30, 2009 10:30

    s.o.s. (somalia ohne spass): es geht mir gut stopp die schüsse der piraten gingen daneben stopp aber es ist heiss hier stopp danke euch allen für die nette unterstützung stopp bild von eisvogel stimmt ziemlich genau stopp hast du das aus der luft fotografiert stopp titus wir sind hier froh verstehen die kidnapper kein deutsch stopp bärbi golfen ist sonst nicht meine stärke stopp der stern schreibt longchamp sei ein deutscher stopp so ein quatsch stopp warte momentan sehnlichst auf bessere zeiten stopp (übermittelt via stadtwanderer)

  5. Mischa on Januar 30, 2009 13:12

    Du musst ausharren longchamp, harre aus! bald ist das WEF vorbei und dann kommen die elite soldaten. enzian, edelweiss, rosenstolz und wie die alle heissen werden schon bald von general maurer in den nahen osten geführt um den longchamp zu befreien. wir hoffen nun nur, dass jemand die karte richtig lesen kann 😉

    prescht hervor ihr blümchen und ergreift den mit dem holzbein zuerst.

  6. Titus on Januar 30, 2009 16:28

    at Stadtwanderer
    . _ _ . . . . . . . . _ _ . . . _ . . . . . . . . . . . _ . _ . . . . _ . _ _ _ _ _ _ _ _ . . . _ _ . . . . _ _ _ . . _ . . . _ _ _ .

    at Mischa
    Naher Osten? Sag doch gleich, dass Du zurzeit in Kenia bist! 😉

  7. stadtwanderer on Januar 30, 2009 17:10

    at titus
    ??? ö ! — … !!!!

  8. Ate on Januar 30, 2009 17:44

    @ Titus
    …/..-/.–././.-.//../-../././

  9. Titus on Januar 30, 2009 19:20

    Ate, beim dritten Buchstabe fehlt glaube ich ein ‚-‚ n der Mitte.

    Allerdings sind bei mir die Abstände nicht rübergekommen (Windows ist schuld 🙂 , sollte heissen: wie ist das essen hast du genug).

    Ich versuch’s das nächste Mal mit 00010000 00100100 10011010 …

  10. stadtwanderer on Januar 30, 2009 20:51

    danke stopp das alles ist nicht das problem stopp aber ich bin krank stopp eine art sommergrippe muss das sein stopp ganz aergerlich stopp hoffe aber immer noch befreit zu werden stopp in meinem bett liegt es sich besser als auf diesen pritschen stopp von micheline ist hier noch nichts zu sehen stopp wisst ihr mehr in der schweiz fragezeichen stopp (übermittelt via stadtwanderer)

  11. Mischa on Januar 30, 2009 22:31

    … — …

    bin nicht in kenia obwohl?!?! was ist nah was ist fern. bin wie merz- (ohne -edes und elas) jetzt hier dann dort ….

    micheline war heute am wef hat über religion und so gesprochen…. also, eigentlich über die menschenrechte und doch….

    longchamp harre aus, rettung naht. helfen im moment die vereinigten „contrapiraten“ nicht, kommt doch bald der obama. der muss sowieso noch seine fans in afrika besuchen. dann löst er auch gleich das problem longchamp.

    in der schweiz wird eine neue spezialeingreiffgruppe gegen die piraten gezüchtet; die „edelalgen“. der boga bern meldet erste erfolge. nur leider wachsen sie im moment noch zu langsam.

    longchamp, hilfe naht….

  12. Ate on Januar 30, 2009 23:09

    Titus hast recht, .–. sollte es sein, aber nicht ein n, sondern ein p.
    –./..-/-/.//-./.-/-.-./…/-

    @ Longchamp
    Ja, die Hitze killt einen schnell mal. Den einen schlägt sie auf den Magen, die anderen bekommen einen Stich. Warum sollte ausgerechnet die Micheline einen Deutschen Longchamp retten? Sollte sich aber Frau Merkel Deiner annehmen, Dich befreien, so geb ich ihr selbstverständlich eine Flasche Bier für Dich mit auf den Weg. Würd Dir das Bir ja gerne selbst bringen und Dich befreien, aber ich steh auf der Seite der Piraten.
    Zuerst deren Fischbestände plündern, ihnen ihre Existenz nehmen und dann noch aufmupfen.

    Aber ein Spendenkonto könnten wir für Dich einrichten: Bei Erreichung von 2 Milliarden Fischen bekommt Deutschland ihren Longchamp wieder zurück.

  13. Ate on Januar 30, 2009 23:26

    @ Titus
    Kam nicht gut: Korrekt .- -. Gesetzt habe ich es schon richtig, aber ohne Abstand.

  14. bidu on Januar 31, 2009 02:49

    mi grossäti esch blend gsi. u drom hani no so nes buech met blendeschreft. velecht helft das wiiter. vo wäge leerschläg. das esch weder ir piraterii no bim blogge egau.
    u bir blendschreft hets luuter nöppeli sodass es eim rechtig chrüsselt wemmer dröber fahrt.
    das steut de secher ou dr longschämp uuf!

  15. Röstigraber on Januar 31, 2009 12:38

    bin auf dem weg zu dir in den mandelbäumen gelandet. diese blühen und auch sonst blüht einiges. komme dir immer näher, seegang momentan allerding sehr hoch ich muss ko… bitte harre aus … hilfe naht

  16. Honigbaerli on Januar 31, 2009 19:31

    *LOL* satire live!
    du bist ja sehr bekannt lieber claude..aber gtt seidank noch nicht so ängstlich..denn stadtwanderungen mit polizei und armeeschutz machen sicher keinen spass!!

  17. Eisvogel on Februar 1, 2009 13:03

    Echt gemein: Meine mehrmaligen Versuche, dir hier zu Hilfe zu eilen verschwanden jedes Mal. Drei Kommentare geschrieben und 3 mal wurde alles rausgeworfen???

    War mit einem Geschwader von Eisvögeln unterwegs! Dabei hatten wir entdeckt, dass die somalischen Piraten eigentlich verkleidete und ausrangierte CiaG-Entchen sind. (Ganz offensichtlich sind sie auch hier im Netz tätig!!!).

    Aber du scheinst wieder safe & sound auf freiem Fuss und europawandernd unterwegs!

    Ich bleibe vorerst hier auf Posten (es ist wärmer und ein paar Fischchen hat es noch!). Die CiaG-Entchen warten jetzt nämlich auf die Schweizer, aber da Pitteloud verschlafen hat, kann das dauern….

  18. stadtwanderer on Februar 1, 2009 13:41

    man hatte ein einsehen, unter den piraten, ich habe frei, muss aber am montag morgen nach der abstimmung wieder einrücken.
    dafür habe ich diese doffe sommergrippe, die man mir auf dem festland einfach nicht abkaufen will!
    doch danke ich dir herzlich, dass auch du, werter eisvogel, mich in gedanken unterstützt hast!

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