tierisch, wie die schweizer bankenwelt kopf steht. nach den schwarzen schwänen des ausgestiegenen wall street traders nassim taleb bescheren uns die verbliebenen ubs banker orange schwäne. kein witz, aber ein unerwarteter bericht zum darwin jahr.

schwanbild: jens rusch

die ubs, in den usa massiv unter druck, übermittelte in der nacht vom dienstag auf den mittwoch der us-justiz daten von 250 kunden, die bisher als vertraulich galten. ohne das, hätte ihr eine strafklage gedroht, mit dem ziel, dem schweizer geldhaus in den usa die banklizenz zu entziehen. mit dem kurswechsel kassierte die ubs in florida allerdings eine klage, mit der weitere 52’000 ubs-konten im wert von 17 milliarden dollar wegen verdacht auf steuerhinterziehung untersucht werden sollen. die ubs will sich in diesem fall mit juristischen mitteln wehren.

doch das ist es nicht wirklich, was meine aufmerksamkeit gerade erregte. vielmehr ist es eine notiz der us banker an die zentrale, welche die new york times aufgrund bankinterner mails verbreitet. darin heisst es, die „swiss solution“ könne wohlhabenden amerikanern helfen, gelder via briefkastenfirmen in steueroasen wie den bahamas vor den us-behörden zu verbergen. die summen, die so verschoben werden sollten, werden nicht wie üblich in dollar, euro, pfund oder franken angegeben. vielmehr verwendete man dafür einen geheimcode.

wer eine million bei der ubs parkierte, übergab ihr einen schwan. und wer das in euro machte, versteckte bei der ubs einen orangen schwan. 10 organe schwäne waren als 10 million euro.

und so sind wir zum 75. geburtstag des schweizerischen bankgeheimnisses eine lektion aus der wundersamen bankenwelt reicher: die schwarzen schwäne, die der ehemalige trader taleb als stichwort für bisher unbekannte phänomene mit grosser wirkung, aber unbekannter ursache erfunden hat, mutieren demnach munter weiter. denn jetzt sind die orangen schwäne auch eine art schwarze schwäne. niemand weiss, wie sie auf die welt, kamen, plötzlich sind sie aber da, und sie dürften bald schon für einen solchen wirbel sorgen, der auch vor der schweiz nicht halt machen wird. dass nennt man dann wohl in darwins sinne die neue evolution!

übrigens: ein sack voll blauer nüsse ist noch viel mehr wert als eine gruppe oranger schwäne. denn jede dieser frucht ist im jargon 250 millionen britische pfund wert. doch auch diese nuss wollen die richter in florida knacken!

stadtwanderer


Comments

5 Comments so far

  1. Ernst on Februar 21, 2009 14:01

    „Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder!“. Das lernte ich in der Schule. „Hochmut kommt vor dem Fall“, denke ich, wenn ich die Manager der grossen Firmen sehen.
    „Die UBS hölt das Bankgeheimnis aus“, füge ich seit dieser Woche bei.

  2. Titus on Februar 21, 2009 20:14

    Wenn dieses Dokument nicht verlinkt gewesen wäre, hätte ich nun an einen 1. April-Scherz geglaubt… Kein Sack voller Nüsse, vielmehr ein Sack voller Flöhe, diese UBS…

  3. stadtwanderer on Februar 21, 2009 21:49

    nie im leben würde ich etwas erfinden, das es nicht gibt.
    denn es gibt so viel, was es nicht geben sollte!

  4. Titus on Februar 22, 2009 14:36

    Manchmal wird das, was wie Fiktion aussieht, eben doch zur Realität…

  5. Honigbaerli on Februar 22, 2009 16:46

    es gibt nichts was es nicht gibt..und die grenzen von fiktion und realität sind flissend!
    wo kein kläger ist, ist auch kein richter..und vor dem gesetz sind wir alle gleich nur die ubs ist gleicher!

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind