wenn wanderer wandern, ist das nicht immer eine geschichte wert. das weiss der stadtwanderer nur zu gut. machen sich jedoch grenzen auf den weg, dann schürt das selbst seine aufmerksamkeit.

walliswasserscheiden als landesgrenzen sind zwar klare, aber nicht stabile grenzen, wie das aktuelle bespiel in den walliser alpen zeigt.

grenzen sind den schweizerInnen wichtig: sie markieren zu den raum, der einem gehört. bis da ist man schweizerisch, danach kommt etwas anderes. das meint man durchaus auch im übertragenen sinne. schweizerisch sein heisst, nicht zur europäischen union zu gehören. heisst auch, frei zu sein. den sprachenfrieden zu respektieren. abstimmen zu können. stolz auf schweizer uhren sein, weil sie von hier und nicht von irgendwo sind.

grenzen waren im zweiten weltkrieg gar überlebenswichtig. wer sie unterlaubter weise überschritt, riskierte, zurückgewiesen zu werden. warum auch immer man kommen wollte. wer auf der sicheren seite war, wusste, vor übergriffen der nazi oder faschisten geschützt gewesen zu sein.

was man nicht so genau weiss, ist, dass man nicht so genau weiss, wo überall die grenze ist. zum beispiel gegenüber österreich. das geht ja noch, denn das umstrittene, ungeregelte grenzgebiet betrifft nur den boden des bodensees. schwieriger ist es aber, dass unsere grenze gegenüber italien unklar ist.

denn unsere südgrenze wandert.

festgelegt, welche alpsteine und -wiesen uns resp. den italiener gehören, hat man verbindlich erst 1942. mitten im krieg also. wie so häufig wählte man als einfaches kriterium die wasserscheide. doch die ist gerade im wallis nicht fix. die erosion verändert den fluss der gewässer. manchmal geht es nur um einige meter, manchmal um mehr. ob zermatt ist die grenze schon 100 meter gewandert – landeinwärts.

seit dem staatsvertrag mit italien, der die grenze regelte, haben die schweiz anrecht, für solche gebietsverluste entschädigt zu werden. deshalb muss der staatsvertrag geändert werden. das italienische parlament muss zustimmen, der bundesrat auch. ein referendum ist aber ausgeschlossen.

das thema ist nicht ohne. wäre ötzi 100 meter weiter gewandert, bevor er starb und eingefroren wurde, wäre er heute österreicher. so ist er italiener. oder südtiroler.

würde die grenze auch dort wandern, käme es wegen ötzi zu grenzstreitigkeiten, zwischen dem südtirol-tourismus in bozen und der schwesterorganisation in der tiroler hauptstadt innsbruck. das wäre heikel. doch so könnte es auch im wallis zu problemen kommen.

noch ist es in der schweiz nicht so weit. denn das matterhorn selber wandert noch nicht, und hat bis jetzt jede eiszeit überlebt.

deshalb können wir unsere grenzstreitigkeit mit italien friedlich regeln. und das tut im moment gut, dass wir für entgangenes land nun kompensationsforderungen stellen können. bis das alles seine richtigkeit hat, muss aber noch das italienische parlament zustimmen, und der bundesrat. dann gilt: wir sind sind wieder gleich gross wie auch schon! haben unser territorium gegenüber der eu verteidigt.

stadtwanderer


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