rodja galli dürfte sich am sonntag abend gefreut haben. denn auf seiner website hatte er aufgerufen, für das künstlerprojekt „progr“ zu stimmen. 66 prozent der stimmenden in der stadt bern folgten ihm, womit das provisorium in einen definitiven betrieb umgewandelt werden kann.

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aufgefallen ist mir rodja galli, jahrgang 1979, bei meinem jüngsten besuch in meran. im südtiroler touriseum, wo derzeit in einer sonderausstellung dem mythos andreas hofer aus gegenwärtiger sicht nachgegangen wird, ist er an zentraler stelle mit einem überlebensgrossen bild zum thema präsent.

«ro*» – das pseudonym für rodja galli – interpretiert dabei den südtiroler wilhelm tell, der 1809 der partisanenkampf der tiroler bauern gegen die französischen truppen anführte, aus dem moment heraus. anstatt der berühmten kette, die ihm erzherzog johann aus wien für seine heldentaten im tirol überreichte, bekommt hofer, unverkennbar „der mit dem bart„, einen 50 euro schein zugestreckt. erster geldgeber ist ghandi, umgeben von che, dem dalai lama und anderen ikonen der freiheitskämpfe dieser welt.

auch papst johannes paul II. fehlt in der gallerie gallis nicht. allerdings agiert er, auf dem bild, das „pilgrim tourism“ betitelt ist, nur aus dem hintergrund wirkt. dazu passt, dass der treuespruch von hofer „gott, kaiser und vaterland“ touristisch gedeutet wird: denn das südtirol, mit seinem milden klima, den wilden dolomiten, bischöflichen kirchen, gräflichen burgen, und grossbäuerlichen häusern ist in den letzten 40 jahren zum beliebten ausflugsziel für leute aus deutschland, italien, österreich und der schweiz geworden. sie alle haben mit dem kampf um ehre, wie er vor 200 jahren statt fand, nur noch wenig gemeinsam, denn sie suchen, eingebettet, wie das bild von galli, im rot-weiss-schwarz des tirols erholung, abendteuer und bereicherung. und bringen die ersehnte kohle!

eigentlich müsste rodja galli, einer der hervorragenden zeichner aus bern, auch ein bild zur geschlagenen schlacht an der aare im jahre 2009 zeichnen, mit dem progr im zentrum. denn das berner künstlerzentrum, aus dem heraus galli seit drei jahren arbeitet, muss nun auch geld sammeln, um den betrieb im herzen bern auf die dauer gewährleisten zu können. der wahlspruch wäre allerdings nicht mehr gott, kaiser und vaterland, sondern kreativität, aufmerksamkeit und zuspruch, auf den man von den modernen pilgern nach bern in zukunft noch mehr angewiesen sein wird.

stadtwanderer


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