wenn am abend der wind geht, funkeln die symbolischen blätter am lebensbaum aus eisen wie die birken beim sonnenuntergang. das passt, denn sie stehen auf dem friedhof von ekshärad.

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volkskultur seit dem späten 17. jahrhundert: eisenkreuze auf dem friedhof von ekshärad (foto: stadtwanderer)

die klassischen lebensbäume haben, wie die richtigen bäume, viele äste. sie zeugen vom reichtum der verstorbenen, der sich in kindern zeigte. denn jeder ast kommt einem nachfahren gleich, und jedes blatt an einem ast einem nachnachfahren.

das alles hat die värmländische kleinstadt bekannt gemacht. 400 gräber auf dem friedhof der 1200 seelengemeinde habe ihr eigenes ekshärad-kreuz.

der soziale wandel zeigt sich auch hier: bei den verstorbenen in den letzten 20 jahren sieht man immer mehr kreuze mit nur zwei ästen, einem oder gar keinem ast. das spricht für den rückgang der kinderzahl, – im kinderfreundlichen schweden besonders auffällig.

geblieben ist jedoch das eisen als material, – im übrigen das mit abstand populärste metall in ganz schweden, das man im heimischen boden gewinnt. es trotzt jedem wetter über generationen hinweg, und es zeugt so von der hoffnung auf beständigkeit des lebens über den tod hinaus.

geschmiedet wurden die ekshärad-kreuze früher von den zahlreichen hausschmieden im dorf, welche die beliebte volkskunst pflegten. heute gibt es im benachbarten uddeholm einen professionellen schmied, der die eisernen lebensbäume für die nachfahren der verstorbenen anbietet.

die nähe aus lebens zur natur als vorbild, die aus den kreuzen spricht, ist typisch für den ganzen friedhof, ja das ganze leben in ekshärad. denn die trennung von natur und kultur, wie sie seit den griechischen philosophen üblich und vom christentum verbreitet wird, wirkt bei den wald- und landmenschen im norden unverändert künstlich. ihr mensch ist, genauso wie die tiere und pflanzen, ein unverrückbarer bestandteil eben dieser natur.

dass uns beim weggehen aus dem friedhof gerade noch ein hase kreuzte, der über die gräber huschte, vollendete diesen eindruck …

stadtwanderer


Comments

1 Comment so far

  1. walko on August 2, 2009 21:32

    Zu Lebzeiten zum Leben und der lebendigen Natur Sorge zu tragen, scheinen diese eisernen Gedenkbäume die Besucher erinnern zu wollen.
    Selbst Christen, die zwischen irdischem und himmlischen eine Zweiteilung vornehmen, werden im AT ermahnt: „… von Erde bist du genommen, zu Erde sollst du werden …“.

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