bald ist es soweit: die neue sendereihe „sternstunde geschichte“ von schweizer fernsehen wird produziert. und der stadtwanderer ist mit dabei.

roger480_3_w173_h_mroger de weck, moderator, wird in der sendung begleitet vom historiker thomas maissen und dem politikwissenschafter claude longchamp

roger de weck, der bekannteste schweizer publizist der gegenwart, lanciert eine neue sendereihe im schweizer fernsehen. „sternstunde geschichte“ heisst sie. thomas maissen, geschichtsprofessor in heidelberg, und der stadtwanderer sind seine ständigen gäste. befragt werden zudem die historikerInnen brigitte studer, kathrin rieder, klaus bade und jean-françois bergier. je eine dieser expertInnen steht eine knappe stunde zu einem spezialthema der schweizer geschichte red und antwort.

die sendereihe will jedoch mehr als eine chronik der vergangenheit sein. roger de weck dazu: „Das Gefühl, Schweizerin oder Schweizer zu sein: Wann ist es aufgekommen? Und wie entstand – über Jahrhunderte – der Raum «Schweiz» zwischen Bodensee und Genfersee, vom Jura zu den Alpen?“

«Dieser Raum war vor der Eidgenossenschaft nie eine Einheit gewesen, weder politisch noch sprachlich, kulturell oder wirtschaftlich», schrieb der verstorbene historiker ulrich im hof in seiner «Geschichte der Schweiz». und unter eidgenossen gab es endlosen streit und krieg: zwischen den kantonen, zwischen stadt und land, katholiken und protestanten, konservativen und liberalen.

trotzdem fanden sie allmählich zu einer schweizer identität.
wer hat also die schweiz «gemacht»? wer waren (über wilhelm tell und den historischen niklaus von der flüe hinaus) die prägenden «schweiz-macher»? was waren die treibenden kräfte? und: ist das gefüge heute stabil oder fragil?

darum geht es in den vier einstündigen sendungen, die diesen herbst unter dem motto „rückblick nach vorn“ ausgestrahlt werden. die vier sendungen können am

13.9.2009 („Des Schweizers Alpen – Rückzug und Oeffnung, aufgenommen im Benediktiner Kloster St.Johann im Val Müstair)
20.9.2009 („Die Schweiz oder „Niemand war schon immer da“!“, aufgenommen auf dem Monté Verità in Ascona)
27.9.2009 („Glaube, Fleiss und Tugend“, aufgenommen in der Chapelle des Maccabéees in Genève) und
4.10.2009 („Vom Konflikt zur Konkordanz“, aufgenommen im Landesmuseum in Zürich)

mitverfolgt werden. ich werde von der produktion der sendungen nächste woche schon ein wenig berichten …

stadtwanderer


Comments

12 Comments so far

  1. R. M. on August 5, 2009 11:09

    Sehr geehrter Herr Longchamp

    Mit der personellen Besetzung dieser Sendung offenbart das SF exemplarisch seine politische Tendenziösität.

    Was würden Sie, als offensichtlicher Nicht-Rechtsaussen, dazu sagen, wenn im Staatsfernsehen permanent und systematisch Figuren wie Schlüer, Köppel, Stüssi-Lauterburg oder irgendein gewesener Stahlhelm-Korpskommandant ihre Lehren verbreiten könnten?

    Empfänden Sie dies nicht als unausgewogen?

    Ein mit hunderten von Millionen von Zwangsgebühren finanziertes Staatsmedium MUSS neutral und unabhängig sein.

    Der redaktionelle Output, die Personalpolitik und die Vergangenheit verschiedener SRG-Exponenten lassen nur einen Schluss zu:

    Die SRG ist eine Bastion von (offen oder verdeckt) Linksgesinnten, die ihre Machtposition ausnützen, um subtil verpackte Propaganda zu verbreiten.

    Stellen Sie sich vor, ein SF-Chefredaktor hätte eine Vergangenheit als rechtsradikaler Aktivist und wäre schon mehrmals als erbitterter und unfair agierender Gegner eines Sozialdemokratischen Politikers aufgefallen.

    Eine (zu recht) vollkommen undenkbare Konstellation, oder?

    Vielen Dank für Ihre Verständnis und viele Grüsse

    R. M.

  2. stadtwanderer on August 5, 2009 13:56

    herrn stüssi-lauterburg empfinde ich als gekonnten geschichtenerzähler mit hohem fachwissen, ich habe es auf dem stadtwanderer schon mehrfach verwendet. schade, dass man es andernorts nicht mehr nutzt. da haben sie recht!

    anders sehe ich das bei den herren köppel und schlüer. sie kommen meines erachtens im sf recht gut zum zug. denken sie nur an die zahlreichen einladungen für arena-sendungen zur allen möglichen themen, wo sie jeweils ein 10faches des erwarteten publikums bei der sternstunde geschichte haben!

  3. Titus on August 5, 2009 20:28

    Die Themen und Fragestellungen oben, so wie ich sie verstehe, haben nichts mit dem heutigen «Links-Rechts-Denken» zu tun. Ich versteh‘ somit die Aufregung nicht von R. M.

  4. Lisa N. on August 5, 2009 22:00

    Ich bin ein wenig politischer Mensch und schätze voreingenommene Stellung nahmen nicht, von wo auch immer sie kommen. Das ist auch bei R.M. der Fall, der schon weiss, wie die Sendungen sein werden, bevor sie gesendet wurden.
    Prof. Maissen kenne ich als NZZ-Abonnentin seit Jahren, und auf dem „stadtwanderer“ können sich Menschen seit Jahren frei äussern und werden gehört, wenn sie überlegte Argumente vorbringen.

  5. Ate on August 7, 2009 23:48

    Bin schon gespannt auf Klaus Bade, ansonsten aber unterstütze ich die Meinung vom Kommentarschreiber R.M.
    Es geht ja nicht um die Sternstunde, sondern um unser Staatsfernsehen, dass fürwahr linkslastig ist.
    Deine Antwort bzgl. Schlüer und Co. empfand ich als ein wenig flau. Gottseidank gibt es noch die Arena, ansonsten die Rechtsdenkenden auf diesem Sender nie und nimmer eine Plattform erhielten.
    De Weck ist ein bekennender EU-Befürworter, deshalb ist es fast unvorstellbar, dass er diese Sendung Sternstunde nicht als Werbeträger für einen Eintritt in die EU nützen wird. Aber es geht nicht um die Sternstunde, sondern ums gesamte TV-Programm. Wäre ich linksdenkend, würde auch ich keinen Anlass sehen etwas umzumodeln, weil es ja dann auch meinem Gedankengut entgegenkommen würde. Gehöre nun aber zu diesen 30% Rechtswählern und fühle mich deshalb von unserem Staatsfernsehen recht unterversorgt. Mir persönlich fehlt die goldene Mitte, besser ausgedrückt, die Ausgewogenheit.

  6. Ate on August 12, 2009 15:48

    Scheinbar stehe ich nicht alleine mit meiner Meinung da. Die Kommentare erstaunen mich aber trotzdem.

    http://www.blick.ch/news/schweiz/jetzt-will-die-svp-auch-fernsehen-machen-125842

  7. Titus on August 13, 2009 15:33

    @ Ate
    Es ist erwiesen – und dafür braucht’s eigentlich auch keine Studie – dass die SVP in den Medien präsenter ist als andere Parteien. Dabei scheint es mir nur normal zu sein, dass wer viel Lärm macht, auch kritischer beäugt wird.

    Wenn über eine Sache berichtet wird, die zugunsten der politischen Linken ausgefallen ist (z. B. ein politischer Entscheid im Parlament), dann ist es ein Leichtes, dies als «linkslastig» zu bezeichnen.

    Wenn Stellungnahmen zu einer Sache gezeigt werden, bekommen wir immer die Vertreter der vier grossen Parteien, darunter also auch der SVP, zu Gesicht.

    Wenn über ein Nein-Komittee berichtet wird, hören wir bestimmt am Ende des Beitrags «Über die Argumente des Ja-Komittes haben wir gestern berichtet/werden wir morgen berichten».

    Ich kann mit diesem pauschalen Vorwurf nichts anfangen. Was mich eher stören würde, ist die Boulevardisierung gewisser TV-Formate…

    Du unterstellst De Weck, dass er diese Sendungen als Werbung für den EU-Beitritt missbrauchen würde. Das scheint mir doch ziemlich grotesk. Ich halte ihn nicht nur für intelligent genug, dies genau nicht zu machen, sondern denke, dass er doch genug Haltung hat, ein ihm anvertrautes Format nicht für die eigene Überzeugung zu missbrauchen.

    Schauen wir uns doch zuerst die Sendungen an und urteilen dann – bitte aufgrund konkreter Aussagen.

  8. Ate on August 15, 2009 22:19

    @ Titus
    Zwischen „fast unvorstellbar“ und „ich bin der festen Überzeugung“ besteht doch schon ein Unterschied, meinst Du nicht?

    Ich persönlich freue mich schon auf diese vier Sternstunden, natürlich wegen der Themen und nicht zuletzt, weil der Stadtwanderer auch mitmacht. Speziell hingegen bin ich schon gespannt auf Klaus Bade, denn dessen Werk (natürlich nicht nur seins alleine) Migration in Europa wurde mir vom Stadtwanderer empfohlen ich hab es mit grossem Interesse gelesen, also interessiert mich auch der Mensch, der dahintersteckt.

    Wenn Du mit SVP-Medienpräsenz z.B. die Schlammschlacht gegen René Kuhn meinst, die er sich durch so saublöde Äusserungen selbst eingebrockt hat, bin ich voll Deiner Meinung, was die Präsenz betrifft, ansonsten nehmen wir vermutlich die Mitteilungen der Medien nicht aus dem gleichen Gesichtspunkt aus wahr.

    Man muss ja müssen, mein, die Rechte in die Arena eizuladen, ansonsten die Arena keinen Sinn ergeben würde. Gut, im Club sah ich sie vereinzelt. Ich schreib extra sah, denn seit dem letzten Arena-Auftritt mit Blocher, schau ich nicht mal mehr diese Sendung. (Dreingeschnurre und kein Wort verstehen, brauch ich nun wirklich nicht).

    Einzig wenn es um Wahlen und Abstimmungen geht, stell ich das Staatsfernsehen ein und
    natürlich jetzt dann wieder, wegen der Sternstunde. Ansonsten bin ich gut bedient
    ohne.
    Nein Titus, mit der Billag komm ich Dir nun nicht.

  9. Ate on August 16, 2009 00:52

    Verzeih @ Titus, ich ging auf Deine ersten Argumente nicht ein.

    …dass die SVP in den Medien präsenter ist…
    Ich lese nur den Tages-Anzeiger und schaue Radio 1-Nachrichten.
    Höre ich etwas über die SVP, dann nur im negativem Sinn, siehe René Kuhn etc.
    Die SD z.B. vertritt im Zürcher Gemeinderat 3 Sitze, aber diese Partei wird totgeschwiegen. Findest Du das korrekt?

    …Wenn über eine Sache berichtet wird, die zugungsten der Linken ausgefallen ist…
    dann ist es ein Leichtes, dies als Linkslastig abzutun, schreibst Du. Stimmt doch in dieser Form nicht, genausowenig wie man von Rechtslastig reden sollte.
    Die besseren Argumente und Umsetzungen zu Gunsten unseres Landes sollten gelten und nicht das Links- oder Rechtsgeschwafle.

    ..Wenn Stellungnahmen zu einer Sache gezeigt werden…kommt auch die SVP zu Gesicht…
    Ja hoffentlich auch. Ich wollte mir zwar eher die Zunge abbeissen, bevor ich den 30% Wähleranteil nochmals erwähne.
    Wo kämen wir denn hin, wenn die Arena oder die Elefantenrunde ohne SVP ablaufen würde?
    Noch einseitiger würden wir informiert werden!

    Lassen wir doch jeden Schweizer Bürger selbst entscheiden, wie er politisch stehen möchte. Hören wir doch auf ihn durch die Medien manipulieren zu wollen. Hören wir doch auf, dem Schweizer Bürger sein selbstständiges Denken (Verbote haben wir ja bereis zur Genüge) abnehmen zu wollen. Und hören wir vor allem auf, dass wir es zulassen, dass sich Links ud Rechts gegenseitig bekämpft. Diese Leute haben wir aus einem Vertrauen heraus gewählt, in der Hoffung dass sie zu Gunsten uns aller politisieren.

    Auch wenn es nun ein paar Lacher gibt. Ich wünsche mir ein Land, indem sich Bürger und auch Politiker für unser Land einsezten und sich nicht gegenseitig bekämpfen, denn dafür zahl ich meine Steuern nicht.

    Wie hiess es doch gleich noch: Wir sind ein einig Volk von Brüdern.

    Und was haben wir daraus gemacht?

  10. Titus on August 16, 2009 21:51

    @ Ate
    Wir sind ein einig Volk von Brüdern? Jetzt hast Du aber die Schwestern vergessen… 😉

    Lass mich zuerst einmal trennen zwischen den SRG-Programmen und den anderen Medien, da für diese unterschiedliche rechtliche Grundlagen gelten.

    So hat die SRG einen klar umschriebenen Programmauftrag und ist verpflichtet, umfassend, vielfältig und sachgerecht über das politische, wirtschaftliche etc. Geschehen zu berichten. Umfassund und vielfältig bezieht sich auch aufs Meinungen-einholen bei allen möglichen politischen Lagern.

    Anders die «Weltwoche» (als Beispiel), die inhaltlich frei darüber bestimmen kann, was und wieviel sie über etwas schreiben will.

    Wenn dem Herrn Giezendanner inhaltlich die Tagesschau nicht passt, so kann er sich an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) wenden. Dass er das gemacht hätte, habe ich jedoch nicht gelesen.

    Ich hätte von ihm erwartet, dass er einen Katalog mit UBI-Urteilen in die Höhe hält, die ihm Recht geben und worin es sinngemäss heisst «unausgewogen, einseitig, unsachgemäss, usw.». Selbst wenn die SVP jemanden aus den eigenen Reihen in den SRG-Verwaltungsrat entsenden könnte, so gilt immer noch, dass Redaktionen immer unabhängig von der jeweiligen Unternehmensleitung zu arbeiten haben (oder hätten…).

    Zur angesprochenen Medienpräsenz: Plakativ gesprochen bestimmt heute die Sonntagspresse die Themen, über die man schreibt und spricht. Und was entnehme ich da heute der Sonntagspresse?

    Dem «Sonntag» gibt Toni Brunner ein Interview und im «Sonntagsblick» war’s Christoph Blocher. Ueli Maurer gibt der «SonntagsZeitung» ein Interview und will die Armee weiter verkleinern. Und weil das von einem SVP-Mann kommt, interessiert natürlich vor allem, wie die SVP-Mannen und -Frauen darauf reagieren.

    Habe ich mich verguckt, dass ich kein Interview mit Christian Levrat bezüglich seiner Klage gegen die ehemaligen UBS-Mannen gesehen habe?

    Zur Manipulation der BürgerInnen durch die Medien: In welchem privatwirtschaftlichen Tagesmedium findet noch ein politischer Diskurs statt, welcher zur FREIEN Meinungsbildung beiträgt?

    Was die «Bekämpfung» links/rechts betrifft, liegt der Ball bei unseren Abgeordneten. Ich habe jedenfalls bei der letzten Wahl nicht daran gedacht, jemanden zu wählen, damit er oder sie polemisiert, polarisiert und selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keinen Mut zeigt, um wichtige Schritte nach vorn zu wagen. Ich habe eigentlich eher daran gedacht, jemanden zu wählen, der «lösungsorientiert» die gegenwärtige Probleme anpackt und die Ursachen statt die Symptome bekämpft…

  11. Ate on August 17, 2009 01:02

    @ Titus
    Du weisst, dass ich Dich von Herzen mag, also lass es gut sein.
    Auch ich dachte, dass ich lösungsorientierte Politiker wählte ganz egal ob männlich oder weiblich, auch egal ob links oder rechts.

    Doch eins weiss ich: Den Acker, auf dem wir momentan unsere Saat ausstreuen, der gibt uns eines Tages nicht die Ernte, sondern die Saat zurück.

  12. Titus on August 17, 2009 11:47

    Ate, wie erwähnt richtet sich meine Kritik nicht gegen die WählerInnen (egal was sie wählen), sondern gegen die Gewählten (bei ihnen liegt der Ball). Angesprochen ist hierbei die Arbeit zwischen Kommissionen und Parlament respektive den häufig völlig anderen Mehrheitsverhältnissen….

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