mischu möchte, wie es in seiner familie tradition ist, bote des berner schultheissen werden. seit der schlacht von murten wacht adrian von bubenberg über die geschicke der aufstrebenden stadt. und genau zu ihm muss der jüngling, um einen mysteriösen brief abzugeben. hierfür eilt er so schnell, dass er seiner zeit vorausrennt, bis er in der gegenwart landet. als er innehält, merkt er, dass ihm vieles fremd ist: die metzger ums rathaus herum sieht er nicht mehr, dafür hat es fahrräder an hausmauern, von denen er nicht weiss, was man damit machen kann. und auch der stadtbach, der überall zugedeckt wurde, fehlt ihm so arg.

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vreni, eine alte frau an der brunngasse, der man nachsagt, eine hexe zu sein, weiss in dieser trostlosen situation rat. den brief, den er dem schultheissen bringen solle, möge er ohne furcht öffnen, rät sie mischu. da staunt dieser nur noch. denn er ist vom schultheissen unterschrieben und an mischu gerichtet. dem strebsamen botenkandidaten wird geraten, das tor der zeit zu suchen, um in das bern der bubenbergs zurückzukehren.

matthias zurbrügg spielt in diesem speziellen stadttheater für jugendliche nicht nur den mischu und das vreni. nein, er schlüpft in der folge auch in alle anderen rollen, wie er das schon beim “scharfrichter” und beim “totengräber” gekonnt machte. doch diesmal wendet er sich nicht an beliebige stadtwanderer und stadtwandererinnen, die sich eine oder zwei stunden von ihm durch berns altstadtgassen führen lassen, um sich der katastrophen der berner geschichte zu erinnern. denn die neueste inszenierung von mes:artrichtet sich an schulklassen. “gut ist es, wenn sie schon etwas von der geschichte berns gehört haben”, sagt christine ahlborn, die skriptverfasserin. im einmanntheater, wo sie auch regie führt, sollen sie nun einblicke in den mittelalterlichen alltag bekommen, fügt sie mir vor der aufführung bei, die letzte woche probeweise stattfand und 2010 für klassen in und um die hauptsadt angeboten werden soll.

wer sich entscheidet mitzuwandern, bekommt anschauliches geboten: der narr unter dem erker am haus von bartholomäus may wird zum leben erweckt, um ein hauch der renaissance in die münstergasse zu zaubern. die plattform neben dem münster findet zu ihren ursprünglichen verwendungszweck zurück, um als letzte ruhestätte nach der pest zu dienen. und unten an der junkerngasse wird man in das treiben des marktes verwickelt, der die junge siedlung an der aare erst zu eigentlichen stadt machte. das alles wird durch menschen erzählt gemacht, die ihr leben und sterben vor fünf- und mehrhundertjahren aufleben lassen, und den zuschauerInnen so mit einfachen worten, kleinen gesten und angedeuteten handlungen an authentischen orten einen kurzweiligen eindruck von stadt bern in der geschichte vermitteln.

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fotos: stadtwanderer

der schluss des stadttheaters ist fast schon geschichtsphilosophisch. denn die suche nach dem tor der zeit kommt nie an ihr ziel. geschichte ist immer erzählung, und diese hat immer auch eine vorgeschichte, die ihrerseits erzählt werden kann. und so weiter. doch das stück findet sein ende – und was für eines möchte man beifügen: der wer die geduld aufbringt, sich auf sein historie einzulassen, lernt seine kultur von grund auf kennen. das erfahren die staunenden zuschauer bei der nydeggkirche, dort wo heute die büste von berchtold v. von zähringen steht und wo einst seine mächtige burg über die aare wachte. mischu erzählt hier von der stadtgründung 1191, bevor der bote in spe zum noch viel grösseren erstaunen der anwesenden in den erhaltenen burgbrunnen stürzt, um bern definitiv zu ergründen …

stadtwanderer


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