mit dmitri medwedew besucht erstmals ein russischer präsident die schweiz. heute dienstag geht’s nach andermatt, um beim denkmal für alexander suworow dem legendären russischen general zu gedenken, der napoléon die stirn bot und die konservativen kräfte gegen die modernisierer stärkte.

hbwmda8b_pxgen_r_526x700das suworow-denkmal in der schöllenschlucht ist für alle russen den wichtigste punkt der schweiz.

der kontext
zwischen 1792 und 1815 stand europa eine generation lang im krieg. zuerst richteten sich die monarchien gegen das revolutionäre frankreich, dann wandte sich das napoléonische frankreich gegen die monarchen, und schliesslich befreiten österreicher, preussen und russen die besetzten gebiete und verbannten den gestürzten kaiser der franzosen auf st. helena.

die eidgenossenschaft geriet insbesondere im zweiten. der sechs koalitionskrieg (1799-1802) zwischen die europäischen fronten. seit 1798 herrschten die franzosen über die helvetische republik. die koalition aus grossbritannien, österreich und russland konnte vor allem in oberitalien erfolge verbuchen, als napoléon in ägypten weilte. doch dann ging er nach paris, und übernahm die politischen geschicke seines landes selber. in dieser situation überquerten die russischen truppen von süden her die alpen mit dem ziel, sich mit den österreichischen zu verbünden und zürich gegen die franzosen zu verteidigen. ihr kommando führte feldmarschall alexander suworow.

das geschehen

die alpenexpedition startete am 21. september. auf dem gotthardpass und an der schöllenenschlucht kam es zu schlachten zwischen russen und franzosen. nach weniger als einer woche setzten sich die russen durch, marschierten am 26. september in altdorf ein und liessen sich als befreier der eidgenossen feiern.

doch suworow gelang der vorstoss zu den österreichischen truppen nicht, denn die franzosen hatten alle schiffe auf dem vierwaldstättersee verschwinden lassen. zudem besiegten sie zürich, bevor der russische general auch nur hätte da sein können.

so blieb der russischen armee nur der marsch über den kinzigpass ins muotatal, über den pragelpass nach glarus und über den panixerpass chur, um durch österreich nach prag ins winterlager zurückzukehren.

in italien waren es rund 21’000 russische soldaten; als sie die schweiz wieder verliessen, lebten noch 17’000, davon zwei drittel kampffähig. die kämpfe wie das wetter taten das ihrige dazu, dass der gewaltsmarsch verlustreich endete.

würdigungen
in der europäischen geschichtsschreibung ist die alpentraverse der russischen kosaken eine kleine episode. insbesondere in der zentral- und ostschweiz gilt alexander suworow bis heute als befreier von den ungeliebten franzosen. das ist eine politische wertung, denn die reaktionären kräfte in der eidgenossenschaft nutzten seinerzeit die französische schwächung durch die russischen truppen und wegbereiter der mediation zwischen modernisten und konservativen 1803.

suworow erlebte, wie viele seiner soldaten, das alles nicht mehr. zwar wurde der grosse stratege des 18. jahrhundert nach dem alpenabenteuer zum russischen generalissmus befördert. doch fiel er nach der schlecht geplanten und wenig effektvollen alpenquarung am hof in ungnade. anfangs 1800 verstarb er in st. petersburg.

das ausserordentliche des alpenmarsches hält die erinnung an general suworow und seine kosaken in russland wach. genau deshalb besucht der russische präsident dmitir medwedew heute das spektakuläre suworow denkmal in der unwirklichen schöllenenschlucht.

stadtwanderer


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