elisabeth zäch ist seit diesem die erste stadtpräsidentin im kanton bern. dem stadtwanderer erzählt sie ihre ersten erfahrungen mit der neuen amt, während sie ihm „ihr burgdorf“ zeigt.

p9161183fotos: stadtwanderer

grosser bahnhof in burgdorf. elisabeth zäch, seit diesem jahr stadtpräsidentin, holt, begleitet von ihrem partner, den stadtwanderer, umgeben von seiner partnerin, persönlich ab. und fakelt mit dem rundgang durch ihr burgdorf nicht lange. denn gleich neben der sbb-station steht eines ihrer lieblingsprojekte. mit arbeitslosen hat die stadt hier einen hauslieferdienst eingerichtet. gehst du in burgdorf ohne auto einkaufen, kannst du dir die ware innert zweier stunden ins haus liefern lassen, preist die stadtpräsidentin den gut funktionierenden service an – und verweist nicht ohne stolz darauf, dass viele andere orte dieses burgdorfer-prinzip besichtigen kommen.

eigentlich hat man das stadtmarketing der sozialdemokratin an der spitze der kleinmetropole am ausgang des emmental genau so etwas erwartet. doch die frühere journalistin beim radio lässt sich nicht auf sozialhilfe reduzieren. die stadtentwicklung ist ihr ebenso wichtig. und so schreitet sie schnellen schrittes in die oberen etagen der burgdorfer siedlungsanlage. dabei kommt so manches zur sprache. selbst in der unterstadt würden die geschäfte durch die umliegenden einkaufszentren konkurrenziert. und in der oberstadt müsse man die ausbildungsstätten für die kommenden generationen fördern. allen konzentrationsbestrebungen zum trotz steht die stadtpräsidentin deshalb für ihre stadt als standort der fachhochschule ein. und das gymnasium, das aus allen nähten platzt, will sie erweitern.

p9161195beim alpenzeiger erklärt elisabeth zäch, dass die stadt auch im nächsten jahr schmal durch müsse. nicht einmal ein neues schild als erklärung zum tollen ausblick auf die berner alpen könne sie mit dem nächsten budget beantragen. deshalb ist die stadtpräsidentin überzeugt: burgdorf muss wachsen. die talsohle bei der bevölkerungszahl ist bereits durchschritten. die nähe zu bern, die ruhigen wohnlagen und die kurzen entscheidungswege für leute, die aktiv werden wollen, zählt sie zu den standortvorteilen.

auf unserer wanderung durch die oberstadt merkt man, dass elisabeth zäch, dem dialekt nach alles andere als eine emmentalerin, hier zu hause ist. denn in der oberstadt hatte sie ihre legendäre buchhandlung; hier veranstaltete sie als programmschefin alle zwei jahre die berühmt-berüchtigten krimitage. und für diesen stadtteil politisiert sie mit vorliebe. einiges davon hat sich nach der kampfwahl ums stadtpräsidium gegen den bürgerlichen kandidaten geändert. „ich lese immer noch viele bücher“, sagt sie, „aber nicht mehr während der arbeitszeit. und mein amt bei den krimitagen muss ich wohl abgeben.“ getroffen hat sie, als sie merkte, wie man ihr, kaum war sie im neuen amt, mit zunehmender distanz begegnete. „allen ernstes wollte man mir am bahnhof jetzt keine zweitklassabonnemente mehr verkaufen“, erinnert sie sich.

p9161209über die krise, die das alles ausgelöst hat, ist sie zwischenzeitlich hinweg. überall auf unserem rundgang wird sie freundlich gegrüsst, und überall grüsst sie genau so zurück – und führt uns voller innerer freude zu ihren burgdorfer überraschungen: beispielsweise zur neuen ausstellung im franz geertsch museum mit den „vier jahreszeiten“ – dem spätwerk des einheimischen künstlers von weltrang. um uns anzuzeigen, dass ein weitere bedeutsamer berner kulturschaffender der gegenwart keine 200 meter entfernt in burgdorf ein museum hat.

wie bitte? in der tat, im alten schlachthaus, vormals ein kloster, zog bernhard luginbühl aus dem nachbarten mötschwil mit einigen seiner skulpturen ein. ein privater verein hat ihm diese möglichkeit eröffnet, von welcher der bildhauer sofort gebrauch machte. nun finden sich monströs-elegante eisenskulpturen im unveränderten kirchengemäuer, es hat alte pferdeschädel in grosser zahl an der wand aufgestellt und in den verkaufsständen der früheren metzgereien findet man fotos über das schaffen von vater und sohn luginbühl, samt ihren begegnungen mit freund jean tinguely so richtig speziell wird es aber erst im ersten stock des gebäudes, wo zahlreichen zeichnungen, pläne und modelle von luginbühl augestellt sind, genauso wie die fast endlos wirkenden notizbüchers des gegenwartchronisten aus dem emmental.

„das hat wirklich gefallen, denn dieses museum habe ich noch nie gesehen“, bedanke ich mich. „kann man hier auch sonst rein?“, frage ich nach. die präsidiale antwort lautet: „nur am sonntag, und wenn du eine führung möchtest, buche sie im voraus, direkt bei mir!“ – „mache ich“, gebe ich zurück, bevor unsere wanderung im restaurant schützen bei selbst gebrauten burgerdorfer bier endet.

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