meine erste tätigkeit in der stadt besteht häufig aus zeitungslesen in einer der quartierüblichen kaffeecken. doch heute blieb mir dabei das gipfeli fast im hals stecken.

inserattages-anzeiger vom 30. september 2009

herbert karch, der sekretär der kleinbauernvereinigung, der wie ich häufig im cafe glatz am hirschengraben seinen kaffee nimmt, wechselt den tisch und streckt mir eine zeitung hin. „was soll das?“, denk ich mir, denn es ist die seite mit den todesanzeigen.

ja, was soll das! ein jux? ein manifest? oder was auch immer …

fakt ist, dass ein pedro justitz, auslandschweizer, auf bali wohnend, als erstgeborener sohn eine todesanzeige für seinen verstorbenen vater heinz (yehuda) justitz platziert hat. fakt ist auch, dass es ein facharzt mit entsprechendem namen, wohnort und jahrgang gelebt hat, und gemäss schweizerischer ärztezeitung dieses jahr auch verstorben ist.

umso merkwürdiger mutet es an, dass fünf monate nach dem tod der person zur keiner guten erinnerung aufgerufen, sondern zum 100. geburtstag des verblichenen ein frontalangriff auf den bundesrat lanciert wird, dem, als „bundes-bern-lobby“ apostrophiert, gravierende führungsschwäche vorgeworfen wird.

und so bleibt mir, als ich das cafe glatz verlassen, um mich den geschäftigen dingen des tages zuzuwenden, nur die frage, was passiert sein muss, dass man ein solch persönlich-politisches pamphlet auf der seite der todesanzeigen veröffentlicht? und auch, ob eine solche geschmacklosigkeit in einer zeitung wie dem tages-anzeiger an besagter stelle überhaupt erscheinen darf?

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Michi on September 30, 2009 11:05

    Keine Sorge. Dieser Pedro Justitz ist ein Spinner. Der bombardiert ab und zu Leute mit wirren Briefen. Querulant, halt.

  2. rittiner & gomez on September 30, 2009 12:29

    anscheinend darf und kann man im tagesanzeiger solche, pamphlete veröffentlichen. möglich, dass niemand den text gelesen hat. die zeitungen verwenden ja nicht ungern, kopieren einfügen.

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