eigentlich wollten wir nur einen gemütlichen ausflug ins emmental machen. heimiswil war unser ziel. ein zeitungsartikel zum 80. geburtstag von liselotte pulver hatte uns inspiriert. denn so, wie sie vor gut 50 jahren das “vreneli” in den filmen über “ueli den knecht” spielte, bleibt sie unvergesslich.

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doch kam es, wie wenn man einen schalter kippt und es unvermittelt hell wird. denn wenn ich nur schon das wort “ueli” höre, kommen mir hannes schmidhauser und liselotte pulver unweigerlich in den sinn. die filmbilder sind wie eingraviert in meiner erinnerung. zum beispiel wie das traumpaar der schweizer kinowelt auf dem hof, auf dem ueli pächter ist, zu einander finden; wie vreneli, das nicht wusste, wer ihr vater war, eines sonntags erfährt, dass sie vom hagelhans abstammt, der auf einer gant den hof gekauft hat und das paar pächtersleuten macht; wie der alte joggeli, dem das anwesen einst gehörte, durch dümmliches intrigieren mit den grössen des dorfes seinen musterhof ins elend stürzte; und wie seine frau, die wie damals üblich, keinen namen hatte, zu vreneli hält und deren zuneigung zu ueli unterstützt, bevor sie bei einer tasse kaffee über das leben philosophiert und kurz darauf verstirbt.

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in heimiswil kehrten wir auf unserem ausflug im “löwen” ein. im stattlichen gabs auf unserem ausflug eine kleine stärkung – pastetli mit plizfüllung und pommes waren bei mir angesagt. wunderbar herbstlich war es, aber sicher nicht so oppulent, wie damals, im jahr 2000, als die sieben bundesräte mit ihren entouragen den löwen während ihres bundesratsreislis durch die heimat von adolph ogi, ihrem damaligen präsidenten auf zeit, füllten. doch dafür hatten wir in den sieben sälen des hauses mehr auslauf und stiessen auf ein buch von walter senn und mario cortesi, das ganz einfach “ueli” hiess und uns auf unserer prisch nach den alten drehorten gerade recht kam.

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jeremias gotthelfs erzählungen sind ein zeitdokument aus der mitte des 19. jahrhunderts. aus der gutväterlichen optik schildert der pfarrer aus lützelflüh, wie die traditionelle bernerwelt aus dem ancien régime sich öffnet, die bürgerlichen schichten in basel mit ihren brieftaschen voll von scheinbar vielversprechenden handelsbeziehungen angeben, um die töchter der bauersleute aus dem emmental zu verführen, die rechnung aber ohne die eifersüchtigen söhne machen. denn die wollen keine änderung – nur warten wollen sie, bis sie ihre väter beerben können, um von der arbeitskraft ihrer knechte zu leben. dabei lobt und tadelt gotthelf in seinen büchern eifrig, um die werte des protestantismus zu inszenieren. er lässt es regnen und hageln, wenn die menschen nicht gehorsam gegenüber gott und arbeitsam gegenüber sich sind, und freut sich liebvoll, wenn zwei menschen zueinander finden und bald schon der nachwuchs ins haus steht.

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im buch, das wir auf in heimiswil aufstöbern, gibt es eine beschreibung des legendären hofes der filme von franz schnyder, der “glungge”, auf der die eindrüpcklichsten szenen von “ueli dem pächter” gefilmt wurden. in brechershüseren stehe sie, die glungge. in der fünften generation werde sie, lesen wir, durch die reinhards bewirtschaftet, die familie, die den hof, auf dem sie selber arbeiteten auf einer steigerung in wynigen erwerben konnten, genauso wie im film. auch die probleme sind auf dem unsterblichen bauernhof ähnlich geblieben: das dach bereite sorge. der amtsschimmel wiehere unentwegt, und nur die spärlichen bioprodukte würden noch geld abwerfen, lesen wir, bevor wir nach brechershüseren gehen.

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es war mir, wie wenn ich einer alten bekannten begegnet wäre, als wir vor der “glungge” standen. das hohe dach, die engen fenster, die auffahrt zum tenn, der brunnen vor dem hof, alles war mir so vertraut, obwohl ich noch nie da war. ich musste rasch ein paar fotos machen, fast so, als würde ich von den ueli-filmen screenshots ziehen. die älteren wandersleute, die an uns vorbei gingen, merkten, was in welchem film wir waren. vreneli sei auf einen schwatz unten an der strasse, riefen sie uns zu. ganz so, als würde liselotte pulver gerade unter uns weilen.

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natürlich war dem nicht so, denn die berühmte schauspielerin lebt heute in burgdorf, führt ein bürgerliches leben und verbreitet ideen, die nicht immer die meinigen sind. und doch prägte sie wie keine andere mein frauenbild aus der zeit in der ich geboren wurde. filme, folgere ich, sind nicht nur eine kräftige quelle der vergangenheit, sie sind auch eine starkes medium, das unsere vorstellungen der welt prägt und erhält. das nehme ich von diesem ausflug mit, als wir die “glungge”, diesen unsterlichen hof der schweizer filmgeschichte, verlassen. als ich im buch von regisseur franz schnyder blättere, sehe ich, wie symbolisch der ort schon zu drehzeiten war. denn charlie chaplin, die filmlegende par excellence, besuchte das einzige mal während seines schweizer exils die produktion eines schweizer filmes auf der “glungge”.

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Franziska Ingold on Oktober 18, 2009 20:58

    hei stadtwanderer, könntest du dich bitte bei mir melden? wäre super, herzlichen danke, gruss franziska ingold

  2. Schmid on Juli 24, 2016 19:44

    Erstellen sie doch ein Google standort damit wir es besser finden. Mit freundlichen gruss B. Schmid

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