die überraschung war gross, als der schwyzer svp-ständerat alex kuprecht forderte, in den gebieten mit tiefen steuern genossenschaftswohnungen zu bauen, um das überleben der ortsansässigen bevölkerung zu garantieren. unbesehen davon empfiehlt ausgerechnet die „weltwoche“ – sonst heimatverbunden – jetzt genau solche orte als beste wohnlage in der schweiz und erhöht damit die sogwirkung gleich noch einmal.

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blick der weltwoche auf die schweiz

alex kuprecht ist ein bürgerlicher politiker durch und durch. deshalb befürwortet er den steuerwettbewerb zwischen den gemeinden und kantonen. denn er hält die steuern tief.

doch kennt der svp-ständerat aus schwyz auch die kehrseite der medaille. der bezirk höfe gilt als einer der privilegiertesten orte in der schweiz, – und auch in europa!

die region am zürichsee funktioniert wie ein kleines monaco. der steuerfuss wurde innert 20 jahre in den meisten gemeinden bis zu sechs mal gesenkt. für holdings, hedge funds, banken, reiche ausländer und ausgewandertete zürcher ist die gegend ein eldorado.

für die mieterInnen ist die gegend aber die hölle. zuerst gibt es kaum angebote, und wo es sie gibt, sind sie horrend teuer. 2500 chf für kleine wohnungen sind der normale eintrittspreis geworden.

wer keine löhne wie in der finanzindustrie bezieht, hat deshalb keine chance auf ein logis in diesen gegenden. das hat sogar der sohn des versicherungskaufmanns kuprecht, gelernter metallbauer, erfahren müssen.

beim svp-politiker hat das zu einem umdenken geführt. er widersetzt sich weiteren steuersenkungen, und befürwortet den geförderten genossenschaftlichen wohnungsbau.

doch das interessiert die weltwoche überhaupt nicht. in der neuesten zusammenstellungen der guten wohnlagen in der schweiz empfiehlt sie genau jene wie die höfe-gemeinden als die besten in der schweiz. und was gut für den einzelnen ist, ist gut für alle.

um es klar zu sagen: der steuerwettbewerb hat nicht nur nachteil, unreflektiert führt er aber zu unerwünschten wirkungen. und genau diese reflexion würde ich mir von medien, die hintergründig bericht mehr wünschen.

genauso wie man auf black lists verzichten könnte: zum beispiel auf die, die eggiwil im emmental als steuerhölle der individualistischen zeitgenossen erklärt und zum teufel schickt!

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Titus on November 6, 2009 00:09

    Ich glaub‘ den Reichen muss man nicht mehr sagen, wo sie sich am günstigsten niederlassen sollten.

    Die Weltwoche kauf‘ ich mir dann, wenn der Fokus des Rankings auf die einfachen Büezer gelegt wird – allerdings auch nur, wenn die mit unterschiedlichen Jahreszahlen operiert werden, welche die aktuelle Wirtschaftskrise teilweise berücksichtigen, teilweise nicht berücksichtigen…

  2. Titus on November 6, 2009 00:10

    Pardon, es müsste heissen: …wenn die NICHT mit unterschiedlichen Jahreszahlen operieren…

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