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November 11, 2009 | 1 Comment

die fasnacht 2010 ist lanciert. heute morgen sperrte der stadtpräsident symbolisch den berner bären in den käfigturm, und die narrenrevanchierten sich mit gepfefferten tiraden gegen die vermeintlichen helden des jahres vor dem erlacherhof.

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die drei musketiere erklären dem publikum im erlacherhof was alles schief läuft in der republik bernensis (foto: stadtwanderer)

der platz vor dem sitz der berner stadtregierung füllte sich gegen mittag zusehends. schnitzbänklerInnen, gaukler, maskierte und gwundrige leute füllten ihn, um zuzuhören, wie die obrigkeiten für die tripolis-connection gegeisselt wurde, wie man über singende cervelat-prominenz aus der region lustig machte, und wie man keine gelegenheit ausliess, schlüpferige anspielungen zu minaretten und bären zum besten zu geben.

die ursprünge der berner fasnacht sind nicht bekannt. das älteste bildliche zeugnis stammt aus dem 15. jahrhundert. doch wird das närrische treiben in unseren gegenden in der regel im 13. jahrhundert in den neugegründeten kleinstädten erwähnt. namentlich die zeit nach der grossen pest scheint eine art dauerfasnacht gewesen zu sein. die kontrolle der kirche war weg, und der schultheiss war zu schwach, um ordnung zu gebieten. denn das volk hatte die gassen erobert. die zahlreichen sittenmandate seit dem ende des 14. jahrhunderts belegen, dass das treiben gerade in bern bunt gewesen sein muss, dass der wein floss, dass glückspiele blühten und die männer liebend gerne die frauen in den stadtbrunnen tünkelten.

damit räumte die reformation gründlich auf. „fertig lustig“ war das motto der gestrengen pfarrherren des neuen glaubesn, die ordnung in berns politik und gassen brachten. musizieren, tanzen und singen war eine generation lang verboten, schnitt beträchtlich ins gefühlsleben der stadt ein und veränderte kultur und menschen. die fasnachtstradition war gebrochen, und der rationalismus des 18. und 19. jahrhunderts liess, was davon überlebt hatte, ganz versiegen.

so gelten die 80er jahre des 20. jahrhunderts als wiedergeburt der berner fasnacht. 1982 war es ganz zaghaft soweit. ein paar sponti wollen den ideenreichtum unter den pflastersteinen einmal jährlich von neuem sprudeln lassen. seit 10 jahren stehen drei tage ende februar ganz im zeichen des bären, der zur fasnacht von seiner gefangenschaft befreit wird und während drei tagen sein unwesen in der stadt treibt. der grosse kinderumzug lässt sich zwischenzeitlich sehen; gegen 100’000 zuschauerInnen lockt er jeweils in die stadt und ist damit im nu nach basel und luzern zur drittgrösste fasnachtsveranstaltung in der schweiz geworden.

2007 ehrte sogar die burgergemeinde der trägerverein der berner fasnach mit dem kulturpreis der stadt: eine art versöhnung der gegenwart mit der geschichte könnte man sagen!

heute wurde für die nächste fasnacht der stadtschuss gegeben, – und alle warten schon, bis die schnappszahl um 11 uhr 11, am 11.11.11 ganz perfekt sein wird!

stadtwanderer


Comments

1 Comment so far

  1. 11. 11. 11 uhr 11 : stadtwanderer on November 12, 2009 00:28

    […] der platz vor dem sitz der berner stadtregierung füllte sich gegen mittag zusehends. schnitzbänklerInnen, gaukler, maskierte und gwundrige leute füllten ihn, um zuzuhören, wie die obrigkeiten für die tripolis-connection gegeisselt wurde, wie man über singende cervelat-prominenz aus der region lustig machte, und wie man keine gelegenheit ausliess, schlüpferige anspielungen zu minaretten und bären zum besten zu geben. Den originalen Beitrag finden Sie hier http://www.stadtwanderer.ne … | mooncow […]

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