espace bilingue

Dezember 3, 2009 | 4 Comments

das haus der kantone in bern war überbelegt. so mussten sich gleich zwei der vier arbeitsgruppen, die sich heute trafen, um über agglomerationspolitik im raum von grossbern zu diskutieren, in einem engen raum tagen. eingeladen hatte die tripartite agglomerationskonferenz, eine plattform für bund, kantone, städte und gemeinden.

48_agglomerations
die agglomerationen der schweiz, räume des urbanen lebens, das mehr und mehr zwischen globaler und lokaler ausrichtung polarisiert wird, brauchen neue brückenschläge


potenciel!

„espace bilingue“, nannte jemand aus der runde das noch schwer fassbare gebilde, das aus den agglomerationen bern, thun, interlaken, burgdorf, solothurn, grenchen, biel/bienne, neuenburg, la chaux-de-fonds, fribourg und bulle besteht.

denn die zweisprachigkeit im herzen des raums wird als eine der chancen angesehen, eine nationale, vielleicht auch übernationale austrahlung neben den eher aussenorientierten, potenziell auch auseinander driftenden metropolregionen zürich, basel und arc lémanique zu erhalten.

wenn es gelingt, die mehrsprachigkeit, bestehend aus deutsch, französisch und englisch an den schulen zu verankern, in der politik zu leben und im öffentlichen leben zu pflegen, würde man einen teil der brüchigen schweizer identität pflegen und den zusammenhalt fördern, hiess es heute. biel/bienne macht das vorbildlich, jedoch ohne andere überzeugen zu wollen. fribourg/freiburg folgt aus eigenem antrieb, wenn auch zögerlich. stadtagglomerationen wie die von bern, deren mehrsprachigkeit weitgehend verloren gegangen ist, müssten jedoch mitziehen, oder wie die von neuenburg, wo man deutsch kaum mehr sprechen wolle.

politik als dienstleistung entwickeln, wurde als eine der zentralen aufgaben der region auf nationaler ebene angesehen. dabei ist die hauptstadt das zentrum. ein teil der verwaltung ist in die region ausgelagert worden, und verschiedene regiebetriebe sind in einige subzentren angesiedelt. drei universitäten, zahlreiche fachhochschulen, und zahlreiche spitäler finden sich in diesem raum; sie alle müssten besser koordiniert werden, um lokale bedürfnisse abzudecken, dank dem verbund aber einen mehrwert für die grossregion zu erzeugen. gerade weil es keinen nennenswereten flughafen hat, erschien der runde die zukunft des berner bahnhofs, die nummer 2 in der schweiz, als dreh- und angelpunkt, der sowohl die nord/süd-, aber auch die ost/west-ausrichtung der grossregionen gewährleitsten müsse, wichtig.

limites?
an diesem punkt setzte heute die kritik an. der raum dies- und jenseits der sprachgrenze müsse sich wirtschaftlich entwickeln, forderten verschiedenen vertreter von unternehmen, denn er lebe zu stark von öffentlich finanzierten projekten und vom subventionsausgleich aus anderen regionen.

sichtbar wurde in der expertenrunde auch, dass trotz nationalen projekte wie die expo 2002 in diskutierten gebiet keine gemeinsame identität entstand, die national oder gar international ausstrahle. einzelne städte, tourismuszentren oder herausragende unternehmen, die man kennt gibt es sehr wohl, doch wirkt alles als ausgesprochene aktion von einzelgängern.

bei diesen stichwort kam auch einige kritik gerade an bern als stadt und kanton auf. zu sehr throne man in der mitte des raumes, setzte darauf, dass man in die aarestadt müsse, um politische fragen zu klären. doch verhalte man sich wenig visionär, um auch ein eigentlicher magnet zu sein, der über pendlerströme hinaus eine eigentliche anziehungskraft im ganzen espace bilingue entwickle.

à faire …
wer macht den ersten schritt auf dem weg einer weiten wanderung?, dachte ich mir, als ich das haus der kantone wegen anderweitiger verpflichtungen leider verlassen musste …

stadtwanderer


Comments

4 Comments so far

  1. Titus on Dezember 4, 2009 21:39

    Die Verkehrswege sind seit jeher ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung eines Ortes. Wenn das Zusammenwachsen soll, was Du oben aufgezeichnet hast, wenn daraus ein Städtekranz entstehen soll, dann müsste das Thema Verkehr einmal genauer, aus meiner Sicht sogar mit höchster Priorität angeschaut werden.

    Neuchâtel – Fribourg mit dem Zug ist eine beschauliche Fahrt, aber heute nicht ausreichend für eine Förderung der Beziehungen zwischen den beiden Städten.

    Burgdorf liegt von Biel aus eigentlich nicht weiter weg als Bern. Die Reisezeit ist allerdings doppelt so lang.

    Solothurn – Fribourg: Ohne Regionalzüge ist das nicht zu schaffen, braucht daher länger und führt zu ähnlichen Wartezeiten in Bern wie Biel – Fribourg.

    Zu einem richtigen Spiessrutenlauf wird, wer von Bulle nach La Chaux-de-Fonds will…

  2. stadtwanderer on Dezember 4, 2009 23:40

    widerspruch: in einem netz ist nicht die verbindungen von jedem mit jedem massgeblich, aber die vernetzung mit zentralen knotenpunkten.

  3. Titus on Dezember 5, 2009 01:19

    Ich meinte das auch nicht im Sinne von «von jedem mit jedem», also dass es von Finsterhennen ebenso eine direkte Verbindung nach Bern, Biel, Bulle, Burgdorf, Grenchen usw. gibt wie von Villars-sur-Glâne.

    Aber ein Netz ist kein Netz ohne Querverstrebungen. Das hält nicht, wie Dir jede Spinne bestätigen wird 😉

    Daher sollten schon die Knotenpunkte Knotenpunkte sein. Heute sind es nur Punkte.

  4. stadtwanderer on Dezember 5, 2009 11:34

    Die Verbindung zwischen Solothurn, Biel/Bienne und Neuenburg entspricht doch ziemlich genau deiner Tangente.
    Biel/Bienne Fribourg/Freiburg müsste sich verbessert werden, wohl auch der Weg von der Uhrenmetropole nach Burgdorf.
    Gerade auch mit Blick auf einen Studierenden-Austausch an den Fachhoschulen, die im Artikel auch angesprochen wurde.

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