logisch gesehen haben referendum, bundesbahnen und wilhelm tell nichts gemeinsam. doch sind sie alle ein teil unseres nationalen zusammenhalts. ein stück bundesstaatsgeschichte.

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der luzerner joseph zemp, erster bundesrat der kk, bereitete den weg der katholisch-konservativen aus dem ghetto in die spitzen des bundesstaates vor.

der bundesstaat und der bürgerkrieg
der sonderbundskrieg von 1847, durch die radikalen gegen die konservativen angefangen, hinterliess in der schweizerischen eidgenossenschaft tiefe spuren. gesiegt hatten im bürgerkrieg die truppen von general henri dufour, was verschiedene fortschrittliche politische strömungen zu einer nationalbewegung, dem freisinn, zusammenschloss. dieser sollte nun zielstrebig den neuen bundesstaat von 1848 gründen. am 12. september wurden dessen verfassung in kraft gesetzt.

die kantone des sonderbunds, allesamt katholisch-konservativ, gingen zum neuen bundesstaat auf distanz. der föderalistische staatenbund aus den zeiten des wiener kongresses von 1815 entsprach ihrem rückwärtsgewandten staatsverständnis besser. es sollte fast ein halbes jahrhundert vergeben, bis sich die bürgerkriegsgegner politisch versöhnen konnten.

die bundesverfassungsreform

der entscheidende schritt fiel bei der ersten generellen revision des bundesverfassung. nötig geworden war sie durch den deutsch-französischen krieg von 1870/71. aus nationalem interesse musste die schweiz das militär zentralisieren, doch scheiterte dies in der ersten volksabstimmung. 1874 brauchte es eine zweite volksabstimmung, um eine eine neue bundesverfassung durchzubringen. von den katholisch-konservativen forderungen blieb nicht viele hängen, aber die möglichkeit, zu gesetzesbeschlüsse im parlament eine referendumsabstimmung durchführen zu können. das kannte man bis dato nur in den kantonen.

genau dieses instrument brach die freisinnige aleinherrschaft. am 6. dezember 1891 krachte es in dessen gebälk, denn es scheiterte die zentralisierung der eisenbahnen, die für die industrielle erschliessung des landes so wichtig geworden war. 69 prozent – die förderalisten aller sprachregionen, insbesondere aber die katholisch-konservativen kantone – widersetzen sich bei einer hohen stimmbeteiligung dem zukunftsprojekt.

die aufnahme der kk in den bundesrat
um eine staatskrise zu verhindert, trat emil welt, der aargauer radikale, der das gesetz verantwortet hatte, unmittelbar nach verkündung des abstimmungsergebnisses zurück. nur 11 tage später, am geschichtsträchtigen 17. dezember, war es soweit: mit emil zemp wurde erstmals ein nicht-freisinniger bundesrat. ein wahlgang genügte, um den entlebucher, der die kk-fraktion in der bundesversammlung führte, mit 129 von 154 stimmen zum neuen von post und bahn zu machen.

unter dem druck seiner sechs freisinnigen kollegen wandelte sich zemp vom anwalt von eisenbahngegner zum befürworter zentralistisch geführter staatsbahnen. das neue eisenbahngesetz formulierte kein geringer als er selber. er war es auch, der es durch die räte brachte und 1898 in der volksabstimmung erfolgreich verteidigte. 1902 konnten auf dieser basis die schweizerischen bundesbahnen aus der taufe gehoben werden.

neues geschichtsbild
doch nicht nur dies: auch wilhelm tell, der legendäre schächentaler eigenbrötler, der 1291 den fremden habsburgsichen vögten aus dem aargauischen aareschloss widerstand geleistet hatte, avancierte nun zum nationalhelden. der berner ferdinand hodler porträtierte ihn nachhaltig, und in altdorf widmete man ihm eine überlebensgrosse statue, gleichsam als sinnbild, dass aus oppositioneller älpler eidgenössische staatsleute geworden waren.

stadtwanderer


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