die berner dreifaltigkeitskirche war heute zu recht voll, ohne es wirklich verdient zu haben. symbolträchtig hat die gemeinde den verstorbenen zum abschied symbolisch auf rosen bettet, nicht die institution.


vom missionar zum betenden

eine grosse zahl von menschen verschiedenster herkunft nahm heute abschied von jean-marie vermot. in der todesanzeige stand „theologe und handwerker“. denn das war sein lebenlang seine berufung.
im jura geboren, ist jean-marie im burgundischen aufgewachsen, hat er sich in lyon zum katholischen priester ausbilden lassen, und ist er so gerüstet nach afrika gegangen. im togo war er missionar, wurde generalvikar und damit erster stellvertreter des bischofs.
dann lernte er ruth-gaby mangold, eine ethnologin aus dem solothurnischen kennen. ihre liebe blieb nicht lange geheim. für die katholische kirche war das ein skandal, der jean-marie seinen weg als priester abschnitt.
das paar bekam bald schon ihre erste tochter rebecca, später mit noemi die zweite. es lebte in basel und schlug sich in altersheimen durch, bis die grosse herausforderung kam: die schulstelle dritte welt aufzubauen, um die erfahrungen aus der mission, der entwicklungsarbeit und der kulturbegegnung in die schweizer schulen einzubringen.
jean-marie half auch, das handwerkerkollektiv manus mitzubegründen, um den menschen mit seinen händen helfen zu können. schliesslich entschiedet er sich, wieder nach afrika zu gehen, diesmal in di ebürgerkriegsregion casamanca im senegal, um in der stadt ziguinchor arbeitslose jugendliche zu handwerkern auszubilden und abhängigen coiffeusen schritte in die eigenständigkeit zu ermöglichen. und wieder mit ihnen zu beten. „ich brauche niemanden mehr zu bekehren. ich bin frei, bete jetzt zu allah, meinem gott“, wird er sagen.
im sommer lebte jean-marie jeweils in der schweiz, entwarf projekte, für die er geld brauchte, traf freunde, mit denen er gregorianische choräle sang. bis er erkrankte und kurz darauf 75jährig in bern verstarb, ohne wieder nach afrika gehen zu können.

afrikanische seele

„haleluja, jean-marie“ schrieb er als letztes mit schwacher hand und fester überzeugung auf einen zettel, der verlesen wurde und die versammelte gemeinde berührte. vorher hatte silvia jost der trauernden witwe ihre stimme geliehen und den brief zu ihrem gemeinsamen leben gelesen. heinz däpp hatte mit einer geschichte an den gemeinsamen fischfang mit jean-marie erinnert und so den geist des verstorbenen noch einmal aufleben lassen.
„chaque jour une richesse“ war jean-maries lebensmotto gewesen. seine liebe zu den menschen war sein ganzes leben. doch brachte ihm seine liebe zu gaby viele probleme im leben. im konflikt mit der katholischen kirche musste der generalvikar den togo verlassen. handwerker im eigentlichen sinne musste er werden, um als engagierter mitmensch in sein geliebtes afrika zurückkehren zu können.

glaubwürdiges engagement und unglaubwürdige institution

die anteilnahme während der heutigen totenmesse war riesig. ihre anwesenheit seiner mitstreiterInnen war eine stützte. in die tiefe trauer mischte sich auch freude über jean-marie afrikanische seele. sie hat seine freunde und freundinnen inspiriert. sie hat schüler und schülerinnen in der schweiz die augen für das leben in der dritten welt geöffnet, und sie den menschen vor ort nicht nur den katholischen glauben, sondern greifbare verbesserungen im alltag gebracht.
das hat jean-marie zum vorbild gemacht, zum glaubwürdigen theologen, der sein handwerk verstand. ganz anders als die katholische kirche, die aus letztlich nicht begründbaren motiven ihre priester daran zu hindern suchte, bis sie ihn ganz verlor.

stadtwanderer


Comments

1 Comment so far

  1. Rinaa on August 16, 2008 10:40

    danke für diesen abschiedstext!
    Gruss Rinaa

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