alles wegen ostern!

Dezember 31, 2009 | 6 Comments

silvester ist wegen ostern jahresende, legte papst gregor xiii. 1582 für alle folgenden zeiten fest! ein erklärungsversuch zur richtigen zeit.

Gregory_XIII
papst gregor xiii legte 1582 den heutigen kalender fest. damit bestimmte er auch silvester als jahresende.

klimaveränderungen, meeresschwank- ungen, vergetations- wandel und tierwan- derungen haben unser verständnis von zeit als zyklus geprägt. der mond, die sonne und die planeten dienten seit jeher, diese rhythmen vorherzusehen. nicht zuletzt, um das land kultivieren und für nahrungsmittel nutzbar zu machen.

kalender, die diesen zyklen folgen, sind überall eine göttliche sache – und ihrer stellvertreter auf erden. in der jüdischen und islamischen tradition folgen sie dem mond. 12 monde ergeben ein jahr, das 354 tage zählt. das sonnenjahr, das ausgehend von der ägyptischen welt via römern das mittelmeer eroberte und in der christlichen tradition bestimmend ist, rechnet mit 365 tagen.

beide systeme sind nicht perfekt. denn die mond- und sonnenjahre halten sich nicht an ganze tage. und damit beginnen die probleme!

beim mondjahr ist das nicht so schlimm. ein bestimmter tag wandert einmal alle 33 jahre durch die jahreszeiten. da der kalender vor allem in gegenden entstand, wo es frühling, sommer, herbst und winter nicht gab, beachtet man das gar nicht. beim sonnenjahre dürfte das aber nicht vorkommen. denn dieser kalender macht nur sinn, wenn er mit den jahreszeiten übereinstimmt.

ptolomäus iii., pharao in ägypten, war der erste, der diese unvollkommenheit beklagte. mit ihm begannen die schalttage, die periodisch eingeführt wurde. gaius julius caesar, von seiner frau cleopatra beeinflusst, übernahm diese astronomische technik. doch auch sein kalender wandert, wenn auch nur ganz langsam. etwa alle 200 jahre verschoben sich kalender- und naturzeit um einen tag.

für die christen wurde das an der wende zur neuzeit zum problem. denn die bestimmung der osterfestes, das an die kreuzigung jesu erinnert, wurde immer kurioser. festlegt worden war das vorgehen im jahr 325 auf dem ersten konzil aller christen. in nicäa hatte man sich, um unabhängig von der jüdischen tradition zu werden, auf den ersten sonntag nach dem ersten vollmond im frühling. und diesen liess man am 21. märz beginnen.

doch auch der wanderte mit dem julianischen kalender. die lösung bestimmten wiederum astronomen, diesmal für papst gregor xiii. 1582 war es soweit. der pontifex maximus bestimmt, das damalige kalenderjahr um 10 tage abzukürzen. auf den 4. oktober folgte unmittelbar der 15. damit stimmten jahreszeiten und kalenderjahr wieder überein. eine neue schalttagregel sorgt dafür, dass dem auch in zukunft so ist.

doch die probleme der katholischen kirche waren damit nicht vollständig gelöst. denn mit dem auslassen der 10 tage gerieten die gedenktage für die katholischen heiligen durcheinander. papst gregor regelte im anhang zu seinem kalender, wie man damit umzugehen habe. bis ende jahr sollte die feiertage wichtiger heiliger nachgeholt werden. deshalb verschob er das jahresende von weihnachten, der geburt christi, auf ende dezember.

und so feiern wir bis heute silvester, der tag des waldmenschen, der das licht der zeit erblickte, als jahresende. damit ostern an ostern bleibt …

prosit neujahr!

stadtwanderer


Comments

6 Comments so far

  1. Ate on Januar 1, 2010 03:04

    Same procedure as every year???
    Hicks!
    —-
    Dieses Jahr werde ich Deinen Gaumen (eventuell) ein wenig strapazieren. Spiel seit Wochen mit dem Gedanken eine Spitzbuebe-Bäckerei zu eröffnen. Bis anhin hiess es, meine spitzigen Buebe sehen nicht nur besser als die vom Sprüngli aus, sondern schmecken auch viel besser.
    Würdest Du Dich als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen? Mein zum desgustieren.

  2. stadtwanderer on Januar 1, 2010 11:12

    klar, über geschmack lässt sich trefflich bloggen … bonne chance!

  3. beat on Januar 1, 2010 21:37

    gelungene überraschung! kriegst du den bogen auch noch zum 1. august?

  4. Jannis on Januar 2, 2010 02:47

    Eine kleine Berichtigung: das Konzil von 325 in Nicäa war nicht katholisch, sondern ökumenisch. Die katholische Kirche gab es damals noch nicht, denn das grosse Schisma zwischen Rom und Konstantinopel erfolgte im 11. Jht.
    E guets Neus und willkommen in der Ostschweiz

  5. stadtwanderer on Januar 2, 2010 11:47

    uiuiui, jannis, da hast du recht. ich habe den satz angepasst.
    ob es innerhalb der christlichen ökoumene die katholische kirche noch nicht gab, ist aber umstritten. sie hiess damals einfach westkirche oder lateinische kirchen (wegen rom).

  6. Der Bebilderer on Januar 12, 2010 23:14

    Danke für die Erläuterungen Stadtwanderer!
    Und weil diese Schieberei der Termine den Appenzeller Hinterländer zu viel des Guten war, zelebriert man Morgen (13ten Januar) „Alter Silvester“. Ein Brauchtum der in der Waldstatt gelebt wird. Bilder dazu folgen Morgen.
    Aus Lower East Waldstatt, Der Bebilderer

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