recht hat der röschtigraber: das könizer-buch von peter mosimann (“auf historischen wegen. köniz und umgebung“) ist die lektüre wert.

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Peter Mosimann auf einer Exkursion der ViaStoria in der Umgebung von Köniz (Quelle: emeidi)

eigentlich stammt peter mosimann aus burgdorf. beruflich gewirkt hat er aber in köniz. zuerst als lehrer, dann als forscher an der uni in bern, schliesslich als selbständiger buchautor mit köniz im mittelpiunkt. in den letzten sechs jahren hat der pensionierte ortskundler seine umgebung erwandert wie kein anderer. und genau darüber berichtet er in seinem soeben erschienen buch.

karten der gegend, die zwischen 1600 und 1900 gezeichnet wurden, waren mosimanns ausgangsmaterial. so erschloss er sich die welt von köniz, bevor die landgemeinden, die heute dazu zählen, mit der stadt bern zusammen wuchsen. doch dann ging es von der theorie in die praxis. räumlich aufgespürt wurden die 800 wege, die man in köniz annehmen konnte, egal ob sie heute überteert sind oder gras an ihrer stelle wächst.

mosimanns bericht ist ein einmaliges handbuch des weglesens. fein säuberlich listet der buchautor zuerst wegformen auf. dann beschreibt er wegbegleiter. ferner geht es ihm um fahrzeuge, die man heute kaum mehr sieht.

spannend fand ich vor allem das ausführliche kapitel über wegbegleiter: kirchen, burgruinen, gerichtsstätten bilden die grundstrukturen öffentlicher plätze im mittelalter, zwischen denen wege entstehen. tavernen, pinten und bäder säumen diese und dienen seit jeher dem gespräch wie dem geschäft. schmieden, mühlen, käsereien funktionieren nur, wenn es befahrbare wege gibt. genau gleiches gilt für steinbrüche und ziegeleien. und siechenhäuser sowie schulhäuser.

die gerade linie, abgegangene wege zu identifizieren, das tal ebenso, und gute kenntnisse von sümpfen und bergrücken sind unumgänglich, um sich verbindungen richtig vorzustellen, die es nicht mehr gibt. steine, mauern, bäume und brunnen werden da zu wegmarken, selbst wenn sie heute scheinbar sinnlos in der gegend rumstehen. peter mosimann hat das alles zu fuss erwandert. wer velo fährt, übersieht die details zu schnell, begründet er seine vorgehensweise.

der verkehrsforscher weiss, dass köniz von vier verbindungen lebt(e): zuerst vom jakobsweg zwischen thun und fribourg, der entweder über rüeggisberg oder dann über köniz ging. dann von der strasse, später von der eisenbahn zwischen bern und fribourg, die könizerboden durchqueren. schliesslich auch vom weg zwischen bern und thun, soweit man das links der aare bewältigte. ohne zweifel war für köniz aber entscheidend, dass man das hinterland, schwarzenburg!, mit einem weg erschloss. denn dieser ging und geht mitten durch den gemeindebann.

bis ins 18. jahrhundert, resümiert der verkehrsspezialist, seien die strassen schlecht und nicht von dauer gewesen. wenn es regnete oder schneite, waren sie kaum begeh- und befahrbar. doch dann kamen ingenieure, die meisten aus frankreich. sie vermassen das land, planten strassen dort, wo das gelände geeignet war, legte moore trocken, huben die hügelige erde aus, und schufen einen untergrund, um das wegtrassee zu sichern. die wegobefläche wurde leicht gewölbt, damit das wasser abfloss, links und rechts wurde es kanaliert und abgeführt.

bei meiner lektüre ist mir eines aufgefallen: wie siedlungen von wegen abhängigen, die nicht immer wieder zu natur werden. das erlebe ich jeden sommer in schweden eins zu eins. von da weiss ich auch, wie aufwendig der bau von strassen ist, die halten, was sie versprechen. und es ist mir auch klar, dass sich nur so eine wirkliche sesshafte zivilisation entwickeln kann, die leistungsfähiger ist, – und genau hierfür ihre sicheren wege braucht. genau diese historische entwicklung der könizersiedlung kann man mit dem buch “auf historischen wegen” sicheren fusses selber nachvollziehen.

stadtwanderer


Comments

4 Comments so far

  1. Heinz Brönnimann on Februar 7, 2010 17:26

    Ich möchte meinem Schulkollegen Peter auf diesem Wege herzlich gratujlieren zu seinem wunderschönen Werk. Vielleicht FINDET er Zeit, sich seiner Heimatstadt zu widmen.
    Heinz Brönnimann, Burgdorf

  2. Lesung Historische Verkehrswege in Köniz mit Peter Mosimann « Harald Jenk on August 31, 2010 07:56

    […] Burgen die Wege säumten und mit welchen Transportmitteln sie benutzt wurden. Eine ausführlichere Buchbesprechung gibt es beim […]

  3. cal on September 1, 2010 06:52

    danke für den hinweis. werde schauen, ob ich kommen kann.

  4. Heinz Brönnimann on November 12, 2015 15:34

    Lieber Peter,
    ich habe kürzlich die Buch”besprechung” von Herrn Segesser gelesen. Mir ist aufgefallen, dass es sich nicht eine Buchbesprechung handelt, die die Inhalte des Werkes erläutert, sondern um eine Buchkritik, also etwas ganz anderes.
    Lass dich nicht entmutigen und setze deine interessante Forschungsarbeit fort.
    Heinz Brönnimann

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