es war in den 70er jahren, als ich sie zum ersten mal an einem konzert sah. gestern kam es zum vorläufig letzten zusammentreffen mit den „Dubliners“ im berner kursaal.

P20400861foto: stadtwanderer

unweigerlich kamen erinnerungen an meine jugendzeit auf. der subkulturelle protest gegen die bürgerliche lebensweise, die suche nach den unverfälschten wurzeln unserer zivilisation und der genuss der zeit ohne geld, aber mit vielen ideen wurden wach.

keltische musik bot in den 70er jahren hierfür viel raum. irish folk war hoch im kurs. „clannad“, „the chieftaines“ und die legendären „dubliners“ zählten zu den favoriten, denen man stundenlang auf dem plattenteller zuhörte. nach irland gings auch in den ferien, und in dublin besuchte man das guiness-pub, in dem die legendäre gruppe bei saufgelagen und seemannsliedern 1962 entstand.

barney mckenna ist der einzige, der von den vier gründungsmitgliedern noch lebt. seit 47jahren steht er ununterbrochen auf der bühne. genauer gesagt sitzt der heute 70jährige zwischenzeitlich mehr. doch wehe, wenn er ein banjo zwischen die finger bekommt. dann legt er unweigerlich los, spielt solo und zieht – wie gestern abend die vielleicht 1000 zuschauerInnen – samt und sondern in seinen bann.

mit den vier neubesetzungen haben sich die dubliners verändert. aus wuschelköpfen sind graumeliertes haare mit bart geworden. der stil ist weniger rau, weniger hart und weniger spontan. dafür sind die songs sinnlicher, verspielter und melodiöser geworden. wohl sind auch die umstände anders: der nordirlandkonkflikt lenkte ende der 60er jahre die aufmerksamkeit auf die entfernte insel, und die sympathien lagen dankt tagi-korrespondent samuel plattner eindeutig bei den iren. denn in ihrem keltentum vermutete man einen teil der vermissten anfänge von kultur, die durch herrschaft nicht überformt war. wenn nur die briten nicht gewesen wären.

gestern abend feierte ein bunt gemischtes publikum, das jung und alt, stadt und land verband, mit stehender ovation die gäste aus der irischen hauptstadt. die politische botschaft ist von der bühne gewichen, geblieben ist die faszination ihrer musik. denn die dubliners haben das konzert zur eigentlichen lebensform entwickelt – und werden wohl auch dann noch um die halbe welt ziehen, wenn barney mckenna einmal kein banjo mehr spielen und kein „whiskey in the jar“ mehr singen kann.

stadtwanderer


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