die letzte zähringerin

Februar 18, 2010 | 1 Comment

sie ist die letzte, die den titel „von zährignen“ trug. bis heute weiss man fast nichts über die unglückliche clementia aus burgund an der seite des städtegründers berchtold v. von zähringen.

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schloss burgdorf, das witwengut des letzten zähringers berchtold v. für seine frau clementia, der unglücklichen herzogin von zähringen.

man schrieb den 18. februar des jahres 1218, als berchtold v., der herzog von zähringen, starb. genau wo das geschah, weiss man bis heute nicht. doch vermutet man seine burg in freiburg im breisgau, denn dort lebte der adlige in seinen letzten jahren vorzugsweise. und im münster der schwäbischen stadt liegt er, anders als seine vorfahren, die im kloster st. peter im schwarzwald beerdigt wurden, bis heute begraben.

mit dem tod des herzogs tritt seine frau erstmals in den überlieferten akten auf. clementia stammte aus dem burgundischen adel. ihr vater, stephan, war graf von auxonne gewesen, und ihre mutter, beatrice, kam aus der herrscherfamilie in chalons. wann geheiratet wurde, ist unbekannt. doch wurde clementia damals schloss burgdorf und anverwandte güter als morgengabe überreicht. beim tod des herzogs wurde daraus das witwengut, das ihr ihre finanzielle existenz sichern sollte.

das passte mindestens einem der beiden erben des letzten zähringers, dem schwäbischen grafen egino von urach, nicht. vermutlich war er es selber, der die herzogswitwe gefangen setzen und hand auf schloss burgdorf legen liess. graf werner von kiburg, der andere zähringererbe, war am objekt ebenfalls interessiert. 1224 ging er, der die güter berchtolds in burgund erhalten hatte, in die stadt an der emme, um demonstrativ als graf in burgdorf zu urkunden.

ende jahr griff der junge deutsche könig heinrich in die nahltenden streitigkeiten ein. bei seinem aufenthalt in der reichsstadt bern bestimmte er, clementia sei sofort freizulassen. ihr witwengut sei ihr zurück zu geben, oder es sei ihrem vater in auxonne auszuhändigen. doch clementia kam nicht auf dauer frei, sodass 1235 kaiser friedrich II. in die erbstreigkeiten rund um schloss burgdorf eingreifen musste. wiederum erkannte man im grafen von urach den schuldigen, und wurde die freigelassene clementia als erbin bestätigt.

bis heute weiss man nicht, ob clementia ihre erbe in burgdorf je nochmals angetreten konnte. denn die unglückliche herzogswitwe verschwindet mit diesem schiedsspruch aus den annalen der geschichte, ohne dass man weiss, wann und wo auch sie gestorben ist. bekannt ist nur, dass ihre beiden kinder schon vor dem tod des herzogs verstorben waren, vermutlich vergiftet wurden, – und es würde nicht überraschen, wenn auch sie opfer einer intrige um macht unter verwandte gewesen wären.

so bleibt die nur schwer fassbare clementia die letzte überhaupt, welche die bezeichnung „von zähringen“ trug.

stadtwanderer


Comments

1 Comment so far

  1. antoine on Februar 19, 2010 12:26

    Dein kleiner Ausflug in die Vergangenheit zeigt das sie gewisse Dinge nie ändern werden.
    Die wahren Besitzer und Erfinder sind oft andere, als die Offiziellen.
    Es hat etwas tröstliches, wenn die schlechten Zeiten nicht schlechter als die schlechten Zeiten in der Vergangenheit sind.

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