der feuerlöscher-tag

Februar 19, 2010 | 2 Comments

es war der 19. februar 1803, als napoléon bonaparte der schweiz in paris die „Acte de Médiation“ übergab. damit setzte der erste konsul der franzosen einen vorläufigen schlussstrich unter die gescheiterte helvetische republik. am 10. märz 1803 trat louis d’affry, der freiburger schultheiss, der die mediationsakte in die schweiz brachte, das amt des landammanns an, dem neu geschaffenen höchsten posten im schweizerischen staatswesen an.

345px-Mediationsaktemit der mediationsakte blieb die schweiz ein satellitenstaat frankreichs. doch die innere struktur änderte vom zentralismus zum föderalismus. anders als im ancien régime vor der revolution wurden die unterschiede zwischen den ständen nicht wieder eingeführt. vielmehr galt nun die gleichheit unter den 19 kantonen, die an der schweizerischen eidgenossenschaft teil hatten.

die mediationsakte vermittelte in der schweiz, die nach den fünf jahren der revolution, der kriege und der wirtschaftsnot und der staatsstreiche und des bürgerkriegs innerlich geschwächt war. das volk hatte genug von feuer, das politisch und militärisch entfacht worden war, und leid ins land getragen hatte. deshalb war es für die neuerung aus paris bereit. diese ermöglichte den alten schichten die rückkehr in ihre ämter, und liess aus ihnen und der führungsschichte der helvetik eine neue, national gesinnte elite werden.

beibehalten wurde mit der mediationsakte progressive politiken, wie der aufbau des schulwesens. so förderten die kanton gymnasien und lehrerseminare. man begann mit der korrektur der linth, nicht zuletzt um überschwemmung und seuchen zu vermindern. und, das vergisst man gerne: die gebäudeversicherungen sind die wohl bleibendste leistung der jungen schweizerischen eidgenossenschaft. denn diese hat nicht nur die inneren spannungen befriedet. sie hat auch dazu geführt, dass wir mit den ursachen und folgen wirklicher feuerbrünste besser umgehen können.

etwas, das man gerade heute, dem tag, an dem der startschuss zu diesem grossprojekt gegeben wurde, nicht vergessen sollte.

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Bernd on Februar 20, 2010 09:34

    Verstehe ich das recht, dann war der gestrige Tag der „Geburtstag“ der Kantone?

  2. stadtwanderer on Februar 21, 2010 13:29

    ja, und ein wenig nein, gleichzeitig.
    ja, weil die kanton gliedstaaten mit eigenen kompetenzen wurden, die in einem übergeordneten staatswesen eingebunden waren, nein, weil die kompetenzverteilung mehrfach substanziell änderte.
    vor 1798 sprach man ebenfalls schon von kantonen. der begriff entsteht mit der ersten grossen gemeinsamen militäraktion der eidgenossenschaft 1475/6 gegen die burgunder. erstmals nachweislich ist es in einer freiburger akte. unter den alten eidgenossen war der begriff der ort, die dem bündnis beigetreten waren, üblicher; alternativ dazu nannte man sich (später) auch stand. kanton verweis damals noch auf die militärische bedeutung der bezeichnung, denn es umschrieb das gebiet, in dem man truppen ausheben konnte.
    wenn man bis 1798 von kanton sprach, war der grad der selbständigkeit höher als später. denn die orte verstanden sich als selbständige staaten, die sich zu einem (militär)bündnis, der eidgenossenschaft, zusammengeschlossen hatten. gemeinsame politiken kannten sie kaum.
    1798 wird das herkömmliche system der kantone/orte von den franzosen zerschlagen. was bleibt, sind verwaltungseinheiten, deren grenzen künstlich geschaffen wurden, um möglichst gleich grosse gebieten zu haben. so wurde beispielsweise bern aufgelöst, die waadt und der aargau abgetrennt, aber auch das oberland bildeten einen eigenen kanton.
    1803 wurd ein mittelweg gebildet, eben die vermittlung. die kantone werden gliedstaaten der helvetischen republik (jetzt auch schweizerische eidgenossenschaften genannt). die neu 19 gliedstaaten haben wieder historische grenzen (wenn auch nicht nur) und sind jetzt einander gleichgestellt oder gleichberechtigt. so wurden die kantone thurgau, aargau, waadt, aber auch st. gallen, graubünden und tessin geschaffen. gegenüber heute fehlen noch genf, wallis und neuenburg, sowie der jura.
    1815 erhöht sich der grad der autonomie der kanton nochmals, und sie konnten untereinander allianzen, sogenannte konkordate, eingehen. 1848 werden sie zur bestehenden schweizerischen eidgenossenschaft zusammengefasst, mit eigenen verfassungen, die aber der bundesverfassung unterstellt sind. durch die zentralisierung von politiken nach 1874 bekommt der föderalismus einen neuen aspekt. er wird auch zum vollzugsföderalismus.

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind