früher war sie meine büronachbarin, jetzt ist sie die mutter aller städte.

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renate amstutz, die direktorin des schweizerischen städteverbandes

renate amsutz kommt aus köniz. in bern studierte sie wirtschafts- wissenschaften und soziologie. letzteres brachte uns ein erstes mal näher. 1980/1 waren wir als kleine hilfsassistentInnen büronachbarn im institut für soziologie der uni bern. dann trennten sich die wege. ich wechselte in die politologie und in die forschung. renate ging in die privatwirtschaft, dann zur sbb, schliesslich zum kanton bern. jetzt ist sie direktorin des schweizerischen städteverbandes.

da haben sich unsere wege via „stadtwanderer“ wieder gekreuzt. bei der neupositionierung des verbandes habe ich ihr ein wenig geholfen. denn renate wurde 2008 die chefin der interessenorganisation der schweizer städte.

nun sagt sie: drei viertel der schweizerInnen leben in einer agglomeration. 84 prozent der ökonomischen wertschöpfung werden dort generiert. doch in der politik ist es umgekehrt. die 14 kleinen, mehrheitlichen ländlichen kantone können via ständerat blockiert, obwohl sie nicht mehr einwohnerInnen haben als die 13 grössten stadtgemeinden zusammen.

und das ist typisch: für den bund sind die kantone fast ausschliessliche ansprechpartner. die wiederum wenden sie an die gemeinden. zu denen die städte gehören. immerhin sie sind nicht mehr einfach im gemeindeverband organisiert. sie haben den städteverband gegründet. und sie wollen jetzt ihr lobbying gegenüber bundesbern erhöhen.

der „handelszeitung“ dieser woche verrät die engagierte städterin, dass sie bei amtsantritt im vorvorjahr glaubte, die landwirtschaft und das militär können sie gleich von ihrer agenda streichen. doch oha lätz: der erste anruf, den sie als direktoriun von einem medium bekam, betraf den umgang der städte mit dem neuen wachbefehl der schweizer armee vor botschaften. und renate wäre keine bernerin, würde sie nicht auch einen link zur landwirtschaft finden. „ohne land gibt es keine stadt“ formuliert sie, „und ohne stadt kein land.“

sekundäre urbanisierung nannten wir das in den seminarien für soziologie, die wir gemeinsam besuchten. gemeint war, dass sich bei alle differenz im landschaftlichen vor allem via medien die lebensweise in den zentren immer mehr in die peripherie verlagert. dabei ändert sich aber der blickwinkel, der in der schweiz so typisch vom land ausgeht und auf die städte schaut. mit der sekundären urbanisierung blickt man auch von der stadt aufs land, weil sich alles dem leben in den städten angleicht.

wenn das mal überall bewusst sein wird, wird der mutter aller städte ihre aufgabe in der schweiz erfüllt haben.

stadtwanderer


Comments

2 Comments so far

  1. Bukir on März 18, 2010 05:36

    весьма интересно.

  2. stadtwanderer on März 19, 2010 16:36

    sehr interessant, in meiner übersetzung …

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