es war die speziellste begegnung des tages. und ein lehrstück in demokratie. und das mitten im berner bahnhof.

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eine begegnung am liftschalter mit überraschender wendung

ich wollte nach hause. eben hatte ich meinen einkauf im bahnhof beendet. ich wartete vor dem lift, der mich zu poschi-station bringen sollte. zwei, drei mal drückte ich die test, doch der lift kam nicht.

ein älterer herr sprach mich an. ich müsse länger drücken, bis das rot aufleuchte. nur dann hätte ich den kontakt hergestellt.

den kontakt mit mir hatte der hilfsbereite so schon mal mit mir gefunden. wahrscheinlich hätte ich keine zeit für solche sache, fuhr er fort. er kenne mich, vom fernsehen, dann begrüsste er mich ordentlich, und stellte sich als einwanderer aus siebenbürgen in rumänien vor. er schätze meine analysen, fügte der mann an.

der lift war zwischenzeitlich gekommen, und wir stiegen beide mit dem ziel im ersten stock ein.

das gespräch entwickelte sich rasch. hier herrsche demokratie, ganz anders als in seiner ehemaligen heimat. warum er das so sicher wisse, fragte ich ihn mit leichtem unterton.

sofort blühte mein gesprächspartner auf. als sein vater in die schweiz kam, sei gängi noch bundesrat gewesen. ohne jede begleitung sei er auf der strasse spazieren gegangen. kein bodyguard habe ihn begleitet, und kein mensch habe ihn bedroht.

das habe bei seinem vater einen tiefen eindruck hinterlassen, und er habe ihm das beispiel immer wieder erzählt, um ihm, dem heranwachsenden klar zu machen, was freiheit sei.

zwischenzeitlich sind wir oben angekommen, und steigen wir gemeinsam aus.

ich müsse wissen, in seiner heimat sei das nie so gewesen wie hier. das kleinste parteisekretärchen sei mit blaulicht vorgefahren, von der polizei eskortiert, und habe arrogant auf die einfachen menschen geschaut. das sei diktatur, ganz anders als hier.

ich bedanke mich, eine spannende beschreibung erlebter demokratie erhalten zu haben, und reiche dem älteren mann höflich und freidfertig die hand.

so begegnungen braucht es immer wieder, um nicht zu vergessen, was die zentralen werte der demokratie sie. denn wenn man ohne fremde augen hier so lebt, hat man immer wieder den eindruck, genau das gehe vergessen oder sei den leuten schon ganz egal.

stadtwanderer


Comments

5 Comments so far

  1. Pliner on März 28, 2010 08:32

    А это мысль!

  2. stadtwanderer on März 29, 2010 09:30

    und diese idee, heisst das wohl!

  3. raffnix on April 3, 2010 22:45

    es gibt sie noch, die Leute, die unsere Demokratie nicht dauernd schlechtmachen.
    Die SVP könnte sich mal ein Beispiel nehmen und liefern statt lafern.

  4. Martin on April 13, 2010 14:43
  5. stadtwanderer on April 16, 2010 10:01

    danke fuer den hinweis!

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