Der rücksichtlose Aufstieg der Familie von Erlach als Militärunternehmer der Stadt Bern

Teil 2 meiner Familienserie

Wir stehen von dem Berner Rathaus. Hier führte seit 1414 ein Schultheiss das Regiment mit einem Kleinen und einem Grossen Rat.
Unterhalb gab es Gesellschaften. Sie organisierten die Berufszweige. Höchste Gesellschaft war stets die zu Distelzwang. Da versammelten sich die ehemals führenden Mitglieder der Behörden, der Armee und der Kirche.
So auch die Familie von Erlach!

Johann Ludwig von Erlach
Uns interessiert hier Johann Ludwig besonders. Nennen wir ihn einfach Hans. Er lebte von 1595 bis 1650. Zentral in seinem Leben war der 30jährige Krieg in Europa. Dieser dauert von 1618 bis 1648 und wird eine riesige menschliche Tragödie.
Es stehen sich der katholische Habsburger Kaiser zuerst gegen das reformierte Böhmen, dann gegen Dänemark und später auch gegen Schweden gegenüber. Beide Königreiche sind reformiert, sodass man von einem grossen Konfessionskrieg spricht. Bis der katholische König von Frankreich eingreift: nun geht es um die Vor-Macht in Europa!
Am Ende gibt es keinen richtigen Gewinner. Der Westfälische Frieden bringt aber die Parität zwischen den Konfessionen, die jetzt gleichberechtigt sind. Und: Die Niederlande und die Eidgenossenschaft scheiden aus dem Kaiserreich aus.

Die neutrale Eidgenossenschaft
Die alte Eidgenossenschaft ist davor erstmals neutral. Im Innern stehen Katholiken und Reformierte gegeneinander. Eine Beteiligung am Krieg wäre die Spaltung gewesen.
General der Tagsatzungstruppen wird der evangelische Berner Hans von Erlach. 1627 heiratet er Ursula von Mülinen, eine Dame aus einer begüterten ursprünglich Brugger Adelsfamilie der Stadt Bern.
Ein Jahr danach wird Hans Berner Kleinrat, wo er für die Reorganisation der Berner Armee zuständig ist. Er steigt auch zum Reformer der Tagsatzungsarmee auf, was ihn als eidgenössischer General mit Standort im Berner Aargau empfiehlt.
Denn Schweden drängt bedrohlich nach Süden. Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar, der Anführer der protestantischen Fürsten im Kaiserreich, unterstützen sie. Es sitzt in Pruntrut im katholischen Fürstbistum Basel und bereitete den Angriff auf das österreichische und katholische Fricktal vor.
General von Erlach wird von den kaiserlichen Truppen beschuldigt, sich nicht neutral zu verhalten. Er sympathisiere offensichtlich mit von Sachsen-Weimar. Die Tagsatzung zitiert ihn – und setzt ihn ab!

Der doppelte Seitenwechsel von Erlachs
Die Absetzung als General erfolgt nicht zu unrecht!
Denn Hans schliesst sich 1638 dem protestantischen Bernhard von Sachsen-Weimar an und hilft bei der Säuberung am Rhein, von Basel bis Laufenburg und zurück nach Rheinfelden. Das Vorgehen ist äusserst brutal. Misshandlungen katholischer Geistlicher tragen den von Erlachs den Uebernamen “Banditen” ein.
Doch Hans ist bei der nachfolgenden Besetzung von Breisach weiter erfolgreich. Er wird gar Gouverneur der Stadt. Da stirbt sein Herzog, nicht ohne Hans zum Testamentsvollstrecker bestimmt zu haben.
Anders als Bernhard ist Hans der Ansicht, Breisach lasse sich ohne fremde Hilfe nicht halten. Er nimmt Kontakt mit dem Nachbarn Frankreich auf. Mit Kardinal Richelieu, der für das Kind Louis XIV. die Geschäfte führt, vereinbart er die Uebergabe der rechtsrheinischen Stadt Breisach an Frankreich.
Dafür wird der skrupellose Hans-Ludwig fürstlich belohnt. Er wird französischer Staatsangehöriger mit Aussicht auf militärische Ehren in Frankreich.
Hans, der sich nun Jean-Louis nennt, bekommt eine unglaublich hohe Belohnung. Mit der zieht er sich in den Berner Aargau zurück. Im Schenkbergertal an der Grenze zum Fricktal baut er 1643 das Barock-Schloss Kasteln. Sieben Jahre später stirbt er da und wird in der Kirche von Schinznach beigesetzt, wo er heute noch ruht.

Bilanz
Mit Johann Ludwig von Erlach steigt das politisch führende Geschlecht zu einer der führenden Militärfamilien Bern auf. Der Protagonist war rücksichtslos, ja brutal. Er war durch den Krieg geprägt, machtversessen, und folgten allen Wünschen seiner Kriegsherren. Doch er etablierte auf diese Weise die künftig wichtige Einkommensquelle der Stadt und Republik Bern und seiner Familie.

Fortsetzung folgt