Der Territorialstaat der Zähringer

Die Tage im Schwarzwald haben gut getan. Genau gesagt waren wir im Markgräfler Land, dem Gebiet nahe dem Rhein auf deutscher Seite.
Ich habe auch einiges über die Zähringer gelernt. Denn der Schwarzwald war eines der (vielen) Gebiete, die im Hochmittelalter (10.-13. Jahrhundert) besiedelt wurden. Massgeblich waren dabei die kirchlichen Klöster und der weltliche Adel.

Im Schwarzwald muss man die Zähringer an erster Stelle nennen. Ursprünglich waren sie Grafen mit Stammsitz in Staufen (bei Freiburg i. Br.). Später trugen sie den Titel eines Herzogs, doch hatten sie nie eines der existierenden Stammesherzogtümer (wie das von Schwaben) beherrscht. Nur kurzzeitig waren sie im entfernten Kärnten Herzöge gewesen. Doch wurde ihnen das Lehen entzogen, als sie sich bei der Königswahl auf die Seite von Rudolf von Rheinfelden und damit gegen die aufstrebenden und siegreichen Staufer stellten.
Genau das sollte jedoch der Wendepunkt in ihrer Geschichte mit dem Schwerpunkt im 12. und 13. Jahrhundert werden. Denn sie nun trieben zuerst nördlich des Rheins, dann auch südlich die Kolonisierung bisher kaum besiedelter Gebiete systematisch voran, um als Konkurrenten zu den begüterten Staufer zu werden.
Wir erinnern uns an sie als Städtegründer, doch waren sie eher Strassenbauer, zuerst von Staufen, ihrem Stammsitz nach Rheinfelden, dann aber südlich der Aare von Herzogenbuchsee bis Bern und dann in die heutige Suisse romande.
Gerne vergleicht man diese Modernisierung im Schwarzwald nicht ohne Stolz mit den Normannen in Sizilien, die auch am bisherigen Adel vorbei einen eigenen neuartigen Territorialstaat aufbauten. Die strategisch wichtigen Uebergänge über Flüsse wie Rheinfelden über den Rhein, in Burgdorf über die Emme, in Bern über die Aare und in Fribourg über die Saane bildeten die Ausgangspunkte ihres Territorialstaates, vollendet mit Städten dazwischen, die als Raststätten dienten und je einen Markt für den lokalen Handel erhielten. So verwoben sie zusehends ein wirtschaftliches Territorium.
Die Konkurrenz zu den Stammesherzogtümer mit ihren alten Landschaftskammern sollte von Erfolg gekrönt sein. Denn der zähringische Territorialstaat entwickelte sich als wirtschaftliche Alternative zu den herrschaftlich bestimmten Stammesherzogtümern hervorragend. Vor allem die beiden letzten Zähringer, Berchtold IV. und Berchtold der V., waren gezielte Kolonisatoren des westlichen Mittellandes.
1218 verstarb letzterer kinderlos. Der Sage nach, weil die Kiburger, Konkurrenten im südlichen Schwaben, Berchtolds Kinder vergiftet haben sollen. Zudem verloren die Zähringer im Burgundischen verschiedene Schlachten gegen die Savoyer und ihre Vasallen, bis die erfolgreiche Hauptlinie in der Mannesfolge ausstarb.
Die Nebenlinie existierte übrigens weiter und stellte bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Markgrafen von Baden – eben da, wo wir in den Ferien waren!