basler uni: vor 550 jahren mit placet des papstes gegründet

die kontroverse war heftig. es ging um die gründung der universität basel, und das gewicht, dass die kirche und die bürger dabei hatten. ein comic zur unigründung, die sich zum 550. mal jährt, trägt zur klärung bei.

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unimissverständliches titelbild der festschrift zur gründung der basler uni am 4. april 1460

unter meinen gästen bei der stadtwanderung vom 1. september 2008 waren zahlreiche vertreterInnen der schweizer hochschulen. wie üblich bei meinen führungen nannte ich die gründungen der universitäten zürich, bern und genf ein welthistorische neuheit, da anders als zuvor nicht kirchen oder adelige eine hochschule gründeten, sondern bürgerInnen. das rief beim vertreter aus basel heftigen widerspruch hervor. diese wertung stimme nicht, sei von der uni zürich zur deren 175 jahrfeier erfunden worden und missachte die gründungsgeschichte der basler universität.

in der tat ist die basler universität viel älter als alle anderen in der schweiz. sie geht nicht auf bildungseuphorien zurück, wie sie in den 1830er jahren und im letzten dritten des 20. jahrhunderts herrschten. vielmehr ist die entstehungsgeschichte der ehrwürdigen basler universität eng mit dem damaligen konzil in der stadt am rheinknie verbunden.

dieses tagte in der mitte des 15. jahrhunderts, um die ausrichtung der kirche zu bestimmen, die nach den pestwellen des 14. jahrhunderts stark belebt wurden, und um päpste zu wählen, die den verschiedenen strömungen an der basis der katholischen glaubensgemeinschaft entsprachen. der konfessionskrieg in böhmen war ein dauerthema, aber auch die richtige repräsentation im papstamt beschäftigte die teilnehmer.

das monopol basels, das entscheidende konzil zu beherbergern, brach allerdings bald auf, indem sich ein teil der teilnehmer nach pisa verlagerte und beanspruchte, das gültige konzil zu sein. denn in basel hatte man auf einen papst aus dem hause savoyen gesetzt, der nicht die allgemeine anerkennung fand.

mit der abreise der letzten konzilteilnehmer im jahre 1437 wurde klar: der vorteil der stadt aus den zahlreichen besuchen, der sich vor allem auf das basler gewerbe auswgewirkt hatte, war weg. die investitionen namentlich in das druckereigewerbe waren bedroht. und die übernachtungen in der stadt gingen drastisch zurück. findige bürgerInnen aus basel suchten den ausweg und beauftragten den grossen rat der stadt, eine hochschule zu gründen. herausgefordert fühlte man sich inbesondere durch das benachbarte freiburg, das an einem solche projekt arbeitete.

damit ging die initiative durchaus von basel und ihren bürgern aus. sie führte aber nicht zu einer eigenverantworteten universitätsgründung. denn diese nahm der angefragte papst vor. enea silvio piccolomini, der poet und frauenschwarm, der seinerzeit als sekretär des konzils in basel gedient hatte und nun papst in rom war, traf den massgeblichen entscheid: “Wir werden vom feurigen Wunsch geleitet, dass die Stadt Basel mit den Gaben der Wissenschaft geschmückt werde”, liess der heimweh-basler die warteten stadtbewohnerInnen wissen. erst danach nahm die schule ihren bildungsauftrag wahr.

in der innensicht mag es sein, dass die initiative aus der not nach dem konzil der basler uni pate stand. in der aussicht unterscheidet sich das gründungsverfahren der basler uni von den liberalen universitäten der 1830er Jahre aber unverändert gründlich. denn keinem zürcher, berner oder genfer bürger wäre es 1833 oder 1834 in den sinn gekommen, auf eine päpstliche bulle zu warten, um ihre kantonale universität zu eröffnen. der geist des liberalismus genügt, um eine innovation zu lancieren. genau das meine ich mit “welthistorischer neuerung”.

und so danke ich der uni basel, die einen interessanten comic zur
gründung der eigenen hochschule
herausgegeben hat. und zur klärung der kleinen kontroverse im meiner stadtführung für hochschulfunktionäre beigetragen hat.

stadtwanderer

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

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