ir wäbere, z’bärn, ghört

seit die sonntagszeitung über die gespräche der mitte-allianz berichtet hat, ist in der schweiz der politisch-mediale teufel los. und der hat eine ganz spannende diskussion über das regieren in der schweiz entstehen lassen, die ich nicht missen wollte. deshalb bereichere ich sie um einen gedanken.

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gut bürgerliche kost in gemütlicher atmosphäre: ort, wo die präsidenten von fdp, cvp und bdp tagten, um die allianz der mitte zu besprechen.

“d’wäbere”, wie man der zunft zu webern, in bern sagt, empfiehlt sich für “traditionelle küche, mit marktfrischen zutaten modern interpretiert” an. da ist für rück- und vorwärtsgewandten etwas dabei, genauso wie für die bodenständigen und marktfahrer.

das muss es gewesen sein, weshalb sich die nationalen spitzen von fdp und bdp durch den cvp-parteipräsidenten ins berner zunfthaus locken liessen. darbellay, christopherus, nämlich wollte, dass alle drei bürgerlichen parteipräsidenten das potburri, das sie bisher abgegeben haben, wegschmeissen, und inskünftig mit- statt gegeneinander kochen.

zwar weiss man nicht, wer die planspiele gegenüber der presse ausgeplaudert hat. doch der kreis der informierten war nicht gross. drei parteipräsidenten, wohl auch ihrer hintermänner und -frauen in den generalsekretariaten und vielleicht eine handvoll sekundanten wusste, dass man sich gezielt aus der zentrumsfalle heraus manövrieren will, in die man, eingeklemmt zwischen der wählerstarken svp und den forderungsreichen grünen und sp, geraten ist. ich jedenfalls war es nicht – und habe doch eine meinung.

dass sich die zentrumsparteien untereinander absprechen, um ihre positionen zu bereinigen, begrüsse ich ausgesprochen. ob es zu einer wahlplattform zwischen fdp, cvp und bdp kommt, kann ich heute nicht beurteilen: auf nationaler ebene ist das denkbar, im gebälk der kantone dürfte es aber kräftig knarren. bleibt die frage, was bei den bundesratswahlen 2011 geschieht.

konkret geht es um eveline widmer-schlumpf, denn nach den treffen der fdp und der cvp mit der bdp, ist diese definitiv in die mitte gerückt und kann man die bündner magistratin beim besten willen nicht mehr als besser hälfte auf einem svp-sitz bezeichnen.

wer der konkordanz das wort redet, muss sich deshalb darauf einstellen, dass die mitte-parteien 2011 mit aller voraussicht nach nur noch drei sitze haben werden, und widmer-schlumpf die nachfolgerin von hans-rudolf merz ist. die svp wiederum könnte ihren fraktionschef caspar baader zum bundesratskandidaten küren wollen, und sp und grüne würden zunächst unter sich ausmachen müssen, durch wen sich nach dem rücktritt von leuenberger moritz im bundesrat vertreten sein wollen. im gespräch sind auf jeden fall die bernerInnen simonetta sommaruga und bernhard pulver.

das alles wäre aber nicht weit weg vom status quo. verbessert werden könnte dieser, indem die mitte mit vorgaben für die aussenpolitik auf treten würde, die so gut sind, dass sich die pro und cons der anderen parteien an ihnen reiben müssen. und, so füge ich bei, dass man sich in wirtschafts-, gesellschafts- und staatspolitischen fragen soweit einigt, dass das ganze auch innenpolitisch sinn macht.

wenn die parteiengespräche indessen ein auftakt für eigentlichen koalitionsbildungen waren, könnte alles ganz anders aussehen. die mitte könnte ihre vier sitze behalten, die svp im falle einer mitte-rechts-koalition aber gar zwei neue bundesrätInnen stellen. sollte es zu einer mitte-links-koalition kommen, dürften die grünen den sitz von ueli maurer erben.

nur, so füge ich bei, müssten die parteien, die das prästieren, auch lernen, wie man koalitionen bildet: indem man sie sachlich vorbereitet, vor der wahl eine präferierte koalitionsaussage macht, die wählenden darüber entscheiden lässt, und danach, wenn es für eine mehrheit gereicht hat, das propagierte auch umsetzt. falls es für die mehrheit nicht reicht, muss man auch bereit sein, auf den oppositionsbänken platz zu nehmen oder zurückzutreten.

dafür reichen gespräche in der gemütlichen atmosphäre der berner wäbere nicht. vielmehr rate ich für diesen fall, im berner boxkeller von trainerlegende charly bühler das austeilen und einstecken von der pike auf zu erlernen. sonst könnte es leicht auch einige blaue augen absetzen.

stadtwanderer

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

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