die farnsburg belagern – einst und jetzt

farnsburg im baselbiet: ein zentraler schauplatz des geschehens im ersten bürgerkrieg unter eidgenossen, lud heute zu friedlichem bräteln ein.

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ruine farnsburg an der grenzen zwischen baselland (sisgau) und aargau (frickgau oder fricktal) (fotos: stadtwanderer)

der aufstieg auf den felssporn war steil. vor allem die letzten 100 meter, zu fuss über einen schotterweg, hatten es in sich. oben angekommen ging es über eine holzbrücke in die farnsburg. ganz nach oben der ruine kam man nur über eine enge wendeltreppe. doch wurde man da mit einem herrlich rundblick über den jura im heutigen baselbiet belohnt.

erbaut wurde die farnsburg um 1330 durch die grafen von thierstein, einem verzweigten hochadelsgeschlecht im jura, das vom aufkommenden handelsweg über den gotthard italien profitierte. sie, wie auch ihre erben 1418, die herren von falkenstein, verfügten über den sisgau, ein lehen des basler bischofs, bis in die zweite hälfte des 15. jahrhunderts.

so wie wir heute marschierten auch im august 1444 vielleicht tausendfünfhundert eidgenossen auf die farnsburg zu. allerdings waren sie weniger friedlich als wir. denn kurz zuvor hatten hans und thomas, die beiden anführer der falkensteiner, brugg mit list genommen und niedergebrannt und damit die berner als stadtherren düpiert. gehandelt hatte man im auftrag des französischen königs, der, vom habsburger könig gerufen, in den alten zürichkrieg intervenierte. zu diesem war es gekommen, weil zürich den bund mit der eidgenossenschaft unterlaufen hatte, mit den habsburger paktierte, was die eroberungen namentlich der berner im aaretal und der luzerner im reusstal bedrohte. und so kam es 1436 zu ersten krieg unter den verbündeten eidgenossen.

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herrschaftsverhältnisse im raum basel während der mitte des 15. jahrhunderts

die belagerer aus bern, solothurn und luzern, verstärkt durch die artillerie basels nahmen die farnsburg nicht. als sie erfuhren, dass 40000 armaniaken, angeführt von louis, dem französischen thronanwärter, auf basel zu marschierten, lösten sie die belagerung weitgehend auf, rannten die meisten von ihnen, verstärkt durch 200 liestaler, auf basel zu, überwältigten sie in pratteln und muttenz die vorhut der franzosen, überschritten sie selbstmörderisch die birs, und kamen bis vor die tore der stadt. doch da entfachten die zahlenmässig haushoch überlegenen franzosen, in gundeldingen stationiert, die schlacht bei st. jakob (an der birs), welche die eidgenossen verloren. man erzählt bis heute, dass nur drei hand voll von ihnen sie überlebt haben.

in farnsburg zeugt nichts mehr vom dramatischen geschehen: weder von der mordnacht in brugg, noch von der belagerung durch die eidgenossen. denn die burg wurde von den ausgebrannten falkensteinern, die mit den eidgenossen im kleinkrieg blieben, bald darauf an die stadt basel verkauft, befand sich danach im bürgerlichen besitz und verlor durch den beitritt der basler zur eidgenossenschaft 1501 ihre militärischen bedeutung. zugestzt haben ihr schliesslich die eigenen leute: 1653 begehrten die bauern rund herum ein erstes mal gegen die dienstmannen aus basel auf, und 1798 revoltierten sie erneute, verjagten den letzten landvogt und fackelten die farnsburg regelrecht ab.

so gründlich, dass die ruine heute nur noch als ausflugsziel beispielsweise für kinder und erwachsene genutzt wird. um an einem herrlichen tag wie heute die aussicht zu geniessen, die eidechsen zu zählen und cervelats zu bräteln.

stadtwanderer

cal

ich bin der berner stadtwanderer. ich lebe in hinterkappelen und arbeite in bern. ich bin der felsenfesten überzeugung, dass bern burgundische wurzeln hat, genauso wie ich. also bin ich immer wieder auf der suche nach verästelungen, in denen sich die vergangene kultur in meiner umgebung versteckt hält.

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