sicher, es ist ein wortspiel. doch eines, mit sinn. das sagt jedenfall der „andere“ stadtwanderer im heutigen tages-anzeiger.

topelement„omnes per uno“: sinnbild des traditionellen föderalismus in der schweiz. nach benedikt loderer die eidgenössische lebenslüge.

benedikt loderer ist schon länger als ich stadtwanderer. zürich, wo er als architekturkritik jahrelang gearbeitet hat, hat er verlassen. von biel/bienne, seinem neuen wohnort aus, wirkt er seit geraumer zeit als freier publizist.

unter dem titel „Die Herrschaft des armen Verwandten“ provoziert loderer heute gehörig. seine these ist recht einfach: das ancien régime erstarrte im superföderalismus. es brauchte napoléon, der die alteidgenössischen strukturen aufbrach und die schweiz zukunftsfähig machte. gefördert wurde diese durch die vereinheitlichung des (rechts)raumes mit dem bundesstaat, aber auch durch die nationalen herausragenden infrastrukturprojekte, angefangen von den eisenbahnen bis hin zum nationalstrassennetz.

entstanden ist so die zentral-schweiz. die ist nicht in der zentralschweiz, sondern in den urbanen räumen der schweiz. so wie luzern das zentrum der zentralschweiz ist, liegt die zentrale der zentral-schweiz in zürich.

politisch huldige die schweiz jedoch unverändert dem klassischen föderalismus mit bund, kantonen und gemeinde. doch das sei nur noch folklore, kritisiert loderer. die planer hätten das schon längst begriffen, und die funktionalen räume erfunden, wo zusammengehört, was zusammenwirkt.

das heimliche fundament des zusammenwirkens in der schweiz ist nach loderer das reich werden. die zentral-schweiz verdiene das geld, und die verteil-schweiz sei der freizeitpark dazu.

doch die schweiz kann von der schweiz nicht leben. und so verdient die zentral-schweiz ihr geld nicht in der schweiz, sondern im ausland. und so gilt nach loderer: „Je grösser Zürich im Inland wird, desto konkurrenzfähiger ist die Schweiz im Ausland.“ die nicht-zürcher sähen diese botschaft der globalisierung anders, weshalb es den permanenten eidgenössischen klassenkampf gäbe: die verteilung nicht von oben nach unten, sondern vom zentrum an die ränder.

historisch gesehen, habe sich das bewährt und politisch stabilität gesichert, wirtschaftlich falle die bewertung für unsere zukunft unsicherer aus.

denn was passiert, wenn die globalisierung nicht mehr genügend nützt, und alle rufen weiter: „Wir auch!“? dann würden wir nicht anderes machen als am ast sagen, auf dem wir selber sitzen. wenigstens offen diskutieren sollten wir über die herrschaft der armen, meint der andere

stadtwanderer.


Comments

4 Comments so far

  1. HH on Juni 1, 2010 12:59

    Das ist doch masslos überzeichnen! Zürich ist bei weitem nicht die einzige Metropole. Genf, und Basel, sind eigene Tore der Schweiz zur Welt. Das ist schon wirtschaftlich so, und die Kultur der drei Städte ist nicht einfach eins.
    Das Denken in Zentren und Peripherien ist einseitig, denn auch die sogenannten Ränder tragen zur Wertschöpfung der Schweiz bei und sind mit dem Ausland verbunden.
    Im zitierten Artikel sehe ich mehr eine typische journalistische Übertreibung als eine saubere Auslegeordnung.

  2. stadtwanderer on Juni 1, 2010 20:16

    ich kann die reaktion gut verstehen. loderer provozierte offensichtlich.
    gut fand ich allerdings, dass er wieder mal deutlich festhielt, die schweiz kann von der schweiz alleine nicht leben. sie ist auf das ausland angewiesen.
    das ist allerdings vielfältiger, als er es darstellt. nur die finanzbranche, die via zürich das „tor zu welt“ ist, wie du schreibst, macht uns auch nicht reich.
    das hast du absolut recht.
    zudem will mir scheinen, kommt auf diesem weg auch eine veränderung in die schweiz, welche an ihrer besten basis zehrt: das rücksichtlose, ja unanständige verhalten, das vielleicht entscheidungen begünstigt, wohl aber auch blockierungen aufbaut. und genau das können wir uns letztlich nicht leisten.

  3. Titus on Juni 4, 2010 23:08

    Die Zentral-Schweiz Europas müsste dann wohl Deutschland sein und die Verteil-Schweiz Europas wären die südlichen Staaten – oder so ähnlich…

    Vielleicht sollten wir uns eher einmal über das Staatsziel unterhalten, welches in unserer westlichen Kultur (also nicht nur in der Schweiz) überall das Gleiche ist. Dann käme es vielleicht auch gar nicht zu Banken-/Finanzkrisen und sonstigen Verteilkämpfen…

  4. Zentral-Schweiz vs. Verteil-Schweiz « Harald Jenk on Juni 5, 2010 07:01

    […] Art und Weise, wie in der Schweiz die finanziellen Mittel verteilt werden, in Frage. (siehe auch Artikel des Berner Stadtwanderers) Im Kleinen stellt sich diese Frage des effizienten Mitteleinsatzes ja auch immer wieder im Kanton […]

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