am freitag war ich in reinach, baselland, bei den raumplanerInnen der region. viel beachteter referent war der luzerner rainer klostermann, architekt und raumplaner, der eigentliche „vater“ der glattalbahn. einige gedanken über seine „kinder“.

1-glattalbahn-map„keiner wie rainer“, kündigte kündigte moderator hans-georg bächtold, weiland raumplaner des kantons baselland, seinen kollegen rainer klostermann an den diesjährigen „reinacher gesprächen“ an. zuerst sei er einer der wenigen städtebauer der gegenwart, und dann mache er das mit einer überzeugung, mit der er jede und jeden in seinem fach ausstechen würde, war die empfehlung.

in der tat: zwischen 2004 und 2010 baute klostermann im zürcherischen die glattalbahn. anfangs 2003 gaben die stimmenden im kanton zürich den startschuss. verkauft wurde der bau als schlüsselprojekt, um den übergang von zürichnord zum glattal zu einer stadtlandschaft von hoher urbaner qualität zu entwickeln. die bahn wurde so konzipiert, dass sie mehr als ein stadtram leistet, aber weniger als eine klassischen s-bahn. deshalb ist sie schneller als der öv im stadtzentrum, hat aber mehr haltestellen als eine schnellbahn rund um zürich.

den gürtel rund um zürich nennt klostermann schon mal einen siedlungsbrei. vormalige dörfer sind ungewollt zusammengewachsen. dorfgrenzen sind verschwunden. randnutzungen wurde vorgenommen, die plötzlich zu wahrzeichen wurden: die grosse kehrrichtverbrennungsanlage im glattal ist für ihne eine moderne kirche.

„seine“ glattalbahn sieht der raumplaner als roten faden durch die stadtisch gewordene landschaft zwischen kloten und dübendorf, welche den siedlungsbrei gleichzeitig strukturiert und vernetzt. erste aufgabe der bahn sei es, das wachsende verkehrsproblem zu lösen. doch das ist für ihn kein selbstzweck, sondern die geburt neuer stadträume.

der wahlzürcher („25 m2 wohnfläche, zu dritt, wenn man den kater miteinbezieht“) kann sein publikum packen wie kaum ein anderer. er ist ein raumgestalter, wie man ihn selten sieht. denn er ist ein mann der tat, der unendlich viele amüsante geschichten von der planung einer bahn bis zu veloständern an haltestellen zu erzählen weiss.

„selbst zeichnungen macht der planer vor ort mit verve“, priest ihn der tagungsleiter bächtold an. davon konnte man sich während des vortrages selber überzeugen. und doch bleibt bei mir ein seltenes gefühl: da habe ich eine stunde lang einen der wenigen städtebauer der schweiz erlebt. da wurden mir zahlreiche stadtansichten für ein gigantisches bauprojekt präsentiert, mit mehrfachbrücken überbaute bächen, geistreich umgenutzten areale und visionen für verbünde von büros, einkaufshäusern und restaurants.

doch habe ich in eben dieser stunde kaum keinen menschen symbolisiert gesehen – und mich ketzerisch immer wieder gefragt, welche rolle eigentlich jene in der planung und realisierung von grossprojekten spielen, für die das alles gedacht ist. denn eines wurde mir an diesem tag klar: moderne raumplanung ist verkehrsarchitektur und kommunikation. letztere ist weniger werbung, als man in planerkreisen hofft, sondern verständigung mehr mit betroffenen, welche diese wünschen.

stadtwanderer


Comments

Name (required)

Email (required)

Website

Speak your mind