das quartier rund um die düsseldorfer bolkerstrasse gilt als die grösste theke der welt. 260 wirtschaften drängen sich auf weniger als einem kilometer strassenstück. da wir schon mal einiges erzählt – und hinzu erfunden!

schneider-wibbel-gasse
die schneider-wibbel-gasse, mit einem der vielen restaurants in düsseldorfs grösster theke.

keine stadtführung ohne napoléon. das ist keine bilanz meiner eigenen stadtwanderungen. sondern die zusammenfassung einer stadtführung, die ich eben in düsseldorf gemacht habe.

die geschichte, die uns eine kundige führerin auf der bolkenstrasse erzählte, geht so: 1806 kam düsseldorf zu frankreich. freud und leid mischten sich in die erfahrungen.

einer der klagenden darüber war schneider wibbel. als kaiser napoléon 1811 für drei tag in düsseldorf war, nahm er sich ein herz, und beschwerte er sich vor dem empereur über den gang der geschäfte. zuvor trank er das eine oder andere glas bier, wie man das an der grössten theke bis heute macht.

nach der vorstellung wurde wibbel arrettiert, und ihm wurde majestätsbeleidigung vorgeworfen. darauf stand gefängnis. das kam schneidermeister gar nicht gelegen, und so schickte er seinen gesellen. unglücherweise starb der vor ende der haft, sodass schneider wibbel nun für tod gehalten wurde.

wibbels frau riet ihm, sich ins hinterland zurückziehen, wo man ihn nicht kenne. nach einer weile solle er dann wieder kommen, und sich als zwillingsbruder des schneidermeisters vorstellen und nach gebührender zeit um die hand der witwe anhalten, und so die eigene schneiderei erben.

an der bolkenstrasse findet sich eine tafel, welche den leichenzug zeigt, und das ehepaar wibbel hinter dem vorhang dazu. „welch schöne leich ich bin“, steht darunter geschrieben.

nun ist die geschichte in düsseldorf offensichtlich populär. aber bloss importiert. zwar spielt sie auf eine reale begebenheit an, die sich in verwandter form in berlin zugetragen hatte. der schneider war in wirklichkeit ein bäcker, und napoléon preussens könig friedrich wilhelm. doch der düsseldorfer volksschriftsteller hans müller-schlösser passte das theaterstück dazu so gut den lokalen verhältnissen um, dass es nicht nur im düsseldorfer theater uraufgeführt wurde, sondern auch in jeder stadtführung weiter erzählt wird. und der bekannte refrain nachkling: „… und wenn sie nicht gestorben sind, so leben (die wibbels) heute noch!“

übrigens, napoléon, der wirklich nirgends fehlen kann, erschien in der führung durchaus mit licht und schatten. die besatzung seiner truppen mag eine schmach gewesen sein, doch brachten die franzosen mit den bajonetten den code civil mit an den rhein, der allen bürgern die gleichheit vor dem gesetz brachte. und wenn der geist, der so aufkam, nicht ausgestorben ist, so wirkt er heute noch in düsseldorf (und an allen orten, wo napoleon mit anderern stadtwandert)!

stadtwanderer
(in düdorf)


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